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Passive Impfung gegen Covid-19 : Die Corona-Feuerwehr winkt mit der Antikörperspende

Aufbruchstimmung in den Kliniken? Bild: dpa

Blutspenden von genesenen Covid-19-Patienten könnten helfen, wenigstens die Schwerstkranken schnell zu versorgen. Die ersten Studien aus Kliniken machen Hoffnung. Doch was das alte Behandlungsrezept wirklich wert ist, muss sich erst zeigen.

          6 Min.

          Woraus Hoffnung schöpfen in diesen Tagen? Die Infektionstabellen und Sterbestatistiken bieten wenig Tröstliches, im Gegenteil, und die „Exit“-Rufe töten kein einziges Coronavirus. Medikamente also? Die Weltgesundheitsorganisation hat die globale „Solidarity“-Studie mit einigen bekannten antiviralen Substanzen gestartet, die in kleineren Tests in chinesischen Kliniken wenigstens für erste Lichtblicke gesorgt haben. Und der Rest? Bisher heißt es: Zeit gewinnen. Jeder kann helfen, den Flächenbrand klein zu halten. Auf der Stelle mit den Füßen treten, jeder für sich – physisch getrennt und zusammen eins. Die ultimative soziale Bewährungsprobe, alle sind gefordert. Und der Rest soll sein: Warten auf den Impfstoff, irgendwann?

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Eine wirksame Arznei, wenn sie denn in ein paar Wochen die Tests als sicher und hilfreich besteht, wäre das erste Löschwasser. Das könnte helfen, die tödliche Spitze in der Sterbekurve zu kappen, jedenfalls bis die Feuerwehr kommt,  die Sars-CoV-2-Impfstoffe. Es gibt aber eben noch einen weiteren Löschzug, von dem sich viele – immer mehr, je schwieriger die Lage – medizinische Ersthilfe versprechen: die passive Immunisierung. Das ist eine Art Spender-Impfstoff. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo kündigte an: „Wir starten eine Phase-3-Studie“. New York, derzeit das Epizentrum der Pandemie, werde der erste Staat sein, der die Methode im großen Stil einsetzt.

          Das älteste Mittel, das man sich denken kann

          Es ist ein Experiment, aber nicht einmal ein neues. Eine Immunspende ist das älteste Mittel, das man sich in unserer Lage denken kann. Viel älter als Antibiotika, die zwar Keime töten, nicht jedoch Viren. Die passive Immunisierung ist eine indirekte Impfung durch Blutspender. Die Antikörper, die der Körper von geheilten Infizierten liefert, werden mit der Blutspende gewonnen und einem akut Kranken – oder eben auch zur Vorbeugung – übertragen. Die Antikörper sind die Waffen unseres Immunsystems gegen den Erreger. Ein Impfstoff lehrt gewissermaßen den Körper, vorbeugend solche Antikörper zu bilden. Aber sie werden eben auch im Laufe einer Infektion gebildet: Sieben bis zehn Tage nach der Ansteckung sind die Immunzellen so weit, Antikörper gegen das Virus in großen Mengen zu erzeugen. Bei manchen Patienten kommen sie zu spät oder in zu geringen Mengen, sind vielleicht auch zu schwach, dann ist das Immunsystem kaum eine Hilfe. Bei den Patienten allerdings, die überleben, ob nach einem milden Verlauf oder einem schweren, schwimmen im Blut Antikörper gegen das Virus oft in rauhen Mengen. 

          Wissen war nie wertvoller

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          Während der Spanischen Grippe waren Hunderte Schwerstkranke mit dem Blut genesener Influenza-Patienten  behandelt worden: Durch Transfusion des Blutserums mit den Antikörpern (Immunglobulinen)  war – statistisch jedenfalls war das hinterher erkennbar – die Sterblichkeit gesenkt worden. Inzwischen hat sich die passive Immunisierung längst etabliert und weiter entwickelt. Antikörper-Spritzen sind kein Allheilmittel, aber sie sind Routine: Gegen Masern hat man sie eingesetzt, gegen Polio, Mumps, Schweine- und Vogelgrippe, auch gegen Ebolaviren in Westafrika war Blutserum übertragen worden.

          Nun also auch im Kampf gegen das neuartige Coronavirus? Tatsächlich bereiten sich Transfusionsmediziner weltweit darauf vor, Blutspenden von Corona-Genesenen zu sammeln. Im angesehenen „Journal of Clinical Investigation“ rieten jüngst New Yorker Mediziner des Albert Einstein College of Medicine trotz historisch durchaus widersprüchlicher Ergebnisse dringend dazu, mit den Vorbereitungen für den Noteinsatz der Antikörper-Therapie schnellstmöglich zu beginnen. Ist die Wirksamkeit der Immuntherapie inzwischen also gesichert? Lohnt es sich, Blut für die Immunspende zu sammeln? 

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