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Chirurgie : Anästhesie ohne Narkosegas

  • -Aktualisiert am

Narkose-Demonstration am Patientenmodell Bild: picture-alliance / dpa

Hat man früher Gasgemische für die Narkose verwendet, verabreicht man heute zunehmend Infusionen. Die optimalen Dosierungen lassen sich dabei allerdings oft nur schwer abschätzen. Ein neues Verfahren verspricht die Lösung dieses Problems.

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          Die Patienten können nach dem Eingriff selbst vom Operationstisch in ihr Krankenbett steigen, die Aufwachräume in den Kliniken neben den Operationssälen leeren sich rasch, Lachgas hat als Narkosegas weitgehend ausgedient und fristet ein Dasein als Partydroge. Dies ist überzogen dargestellt das Ende eines Wandels, der derzeit bei den Narkoseverfahren zu beobachten ist. Haben früher Gasgemische für die Betäubung, die Muskelentspannung und die Schmerzfreiheit gesorgt, ist es heute ein Pharmacocktail, der als Infusion verabreicht wird. Totale intravenöse Anästhesie (Tiva) heißt das Verfahren, unter dessen Namen sich vor kurzem auch eine internationale Fachgesellschaft gegründet hat.

          Die intravenöse Anästhesie kämpft jedoch mit einem grundsätzlichen Manko: Narkosegase werden über Beatmungsgeräte verabreicht, so dass die ausgeatmeten Gasgemische nicht verloren gehen. Die Differenz zwischen ausgeatmeter und eingeatmeter Luft - und somit das, was im Körper wirksam wird - kann gemessen werden. Das ermöglicht eine äußerst zuverlässige Bestimmung der Konzentration des Narkosemittels im Körper.

          Die intravenöse Anästhesie berechenbar machen

          Anders ist es, wenn Medikamente injiziert werden. Die Substanz verschwindet in der Blutbahn und verteilt sich im Körper, wo sie dem Stoffwechsel unterliegt und schließlich ausgeschieden wird. Wie viel davon die entscheidenden Stellen - etwa das Gehirn - erreicht, lässt sich deshalb nur annähernd aus der infundierten Dosis abschätzen. Hier sollte der Anästhesist sorgfältig arbeiten, sonst ist beispielsweise die Narkose nicht tief genug, der Verbrauch von Narkotika zu hoch, oder der Patient wacht viel zu spät auf.

          Diese Schwierigkeiten hilft eine Strategie mit der Bezeichnung Target-controlled infusion (TCI) zu vermeiden, die die intravenöse Anästhesie ergänzt, aber derzeit unter den Fachleuten für viel Diskussionsstoff sorgt. Dass die TCI-Methode kein wissenschaftliches Spielzeug ist, sondern ein Konzept mit Zukunft, befand unlängst eine internationale Autorengruppe um Stefan Schraag vom Golden Jubilee National Hospital in Glasgow in der Zeitschrift „Der Anästhesist“ (Bd. 57, S. 223) und führte viele gute Argumente auf.

          Die TCI macht die intravenöse Anästhesie gleichsam berechenbar. Sie hält dank automatisierter Pumpsysteme diejenige Konzentration an Narkose- und Schmerzmitteln und an muskelentspannenden Substanzen im Körper aufrecht, die für die speziellen Bedingungen eines Patienten erforderlich sind. Der Arzt gibt dem System die Zielwerte vor. Die Software berechnet daraus, wie viel von dem Wirkstoff zu Beginn der Narkose notwendig ist und während der Operation benötigt wird und wie stark die Dosis rechtzeitig zum Aufwachtermin reduziert werden muss. Was recht einfach klingt, birgt allerdings seine Schwierigkeiten, wie die aktuelle Debatte zeigt.

          Narkoseübungen am Simulator

          Das derzeit am häufigsten verwendete intravenöse Anästhetikum Propofol zum Beispiel wirkt bei Frauen und älteren Patienten stärker. Raucher hingegen benötigen für die gleiche Narkosetiefe mehr von dem Wirkstoff als Nichtraucher. Solche Kriterien können zum Teil bereits von den automatischen Systemen berücksichtigt werden. Die Software sollte auch für den Fall gerüstet sein, dass der Patient unter einer Herzschwäche leidet oder sein Blutvolumen nicht den Normwerten entspricht.

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