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Mysteriöse Todesfälle : Bundesamt sieht keine erhöhte Gefahr durch E-Zigaretten

Dampfen statt rauchen? Bild: Getty

Tote und Kranke nach E-Zigarettenkonsum – und keiner weiß, warum. Das Drama, das in Amerika angefangen hat, weitet sich aus. Deutsche Ärzte, Experten und Behörden beklagen die Wissensdefizite und reagieren höchst widersprüchlich.

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          Nach der Meldung von 18 Todesfällen und inzwischen gut 1100 registrierten Fällen von Lungenschädigungen durch das Inhalieren von Dämpfen aus E-Zigaretten und anderen „Vaping„-Produkten, hat sich der Konflikt um die Schädlichkeit der elektronischen Glimmstengel massiv verschärft. In einigen amerikanischen Bundesstaaten und Regionen, sogar in Indien, gibt es mittlerweile ein Verkaufsverbot für E-Zigaretten. Und in Deutschland warnen die Pneumologen vor E-Zigaretten und deren „Gesundheitsgefahren, die nicht vollständig abzuschätzen seien“. Das meint aber nicht nur der zuständige Fachverband, die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, sondern auch die europäischen Lungenärzte im Dachverband „European Respiratory Society“.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das Bundesamt für Risikobewertung hingegen sieht in Person des zuständigen Toxikologen Frank Henkler-Stephani auch nach den beunruhigenden Entwicklungen in Übersee „keinen Grund“ die Bewertungen hinsichtlich der Schadstoff- und Suchtrisiken von E-Zigaretten zu ändern. „Es sind keine erhöhten Risiken für Produkte aus dem deutschen und dem europäischen Fachhandel erkennbar“, sagte Henkler-Stephani zum Auftakt einer E-Zigaretten-Fachtagung am Institut für Suchtforschung der Fachhochschule Frankfurt am Main. “Das heißt aber nicht etwa, dass wir die E-Zigarette empfehlen.“

          Klärungsbedarf freilich gibt es eine ganze Menge, das räumte der Toxikologe freimütig ein. Denn aus dem, was man an offiziellen Informationen aus den Vereinigten Staaten erhalte, sei kaum geeignet, weiter reichende Schlüsse zu ziehen. „Die Lage werde zunehmend unübersichtlicher, um das Mindeste zu sagen“, so Henkler-Stephani. Tatsächlich versuche man trotzdem durch „eigene, verstärkte Risikoabschätzungen“  zu reagieren und den Konsumenten zufriedenstellende Antworten zu liefern.

          Cannabisöl ist eine Gefahrenquelle

          Die Ursachen der Todesfälle liegen derzeit noch immer im Dunkeln. Klar ist: Die Opfer sind zum allergrößten Teil junge Menschen. 80 Prozent der Lungenerkrankten sind unter 35 Jahren, bei den Todesopfern liegt das Durchschnittsalter bei 49,5 Jahren. Weder weiß man etwas über Vorerkrankungen noch über die genaue Zusammensetzung der „Dampfer“-Inhaltsstoffe, die amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) hat bisher auch keinen einzelnen Inhaltsstoff ausmachen können, denen alle Opfer ausgesetzt waren. Keine heiße Spur also – außer einer großen Gemeinsamkeit: Bei den Todesfällen handelte es sich fast in jedem Fall um „nichtkonventionelle beziehungsweise  Schwarzmarktprodukte“, sagte der BfR-Toxikologe, sprich: um selbst angemischte Flüssigkeiten, die durchweg mit Hanfölen oder hochkonzentrierten Tetrahydrocannabinol-Produkten (THC), die ebenfalls von Cannabis stammen, angereichert waren. In vielen Fällen von Lungenversagen wurde tatsächlich eine Lipidpneumonie – eine Entzündung der Lunge – durch eingeatmete Öle und Fette diagnostiziert. „Hanföle sollten auf keinen Fall mit anderen Flüssigkeiten und Aromen zusammen in der E-Zigarette verbrannt und inhaliert werden. Henkler-Stephani: „Zumal wir nichts wissen über Kombinationseffekte, die ein eigenes, möglicherweise größeres Risiko darstellen können.“ Dass man vielfach das schädliche Vitamin-E-Acetat in den Lungen entdeckt hat, spricht dafür, dass Hanföltröpfchen im Dampf eine Rolle spielen.

          Gut 78 Prozent von bisher 578 durch die FDA befragten Patienten gaben an, THC-haltige Produkte verwendet zu haben. Da aber jeder sechste Betroffene ausschließlich nikotinhaltige Flüssigkeiten benutzt hat, sind Aussagen über klare Kausalitäten tatsächlich kaum möglich. Klar ist auch: In den Vereinigten Staaten gibt es anders als in Europa keine Nikotin-Obergrenze, die Konzentrationen liegen oft um das Vielfache über den hiesigen Werten. Ein anderer Grund, weshalb Henkler-Stephani keine akute Gefahren hierzulande erkennen mag, ist die Verbreitung von „nichtkonventionellen Produkten“: In Deutschland rauchen bisher sehr viel weniger E-Zigaretten, und in der Regel stammen diese Produkte alle aus dem Fachhandel.

          Die europäischen Behörden sind dennoch einigermaßen alarmiert: In den Niederlanden hat der Fachverband der Infektiologen seine Mitglieder aufgefordert, verstärkt auf Krankheitsymptome bei E-Zigaretten-Nutzern zu achten, weil sie oft als erste bei Lungenbeschwerden konsultiert werden. Henkler-Stephani: „Wir müssen vorbereitet sein.“ 

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