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Brustkrebs : Der Ersatz einer Brust will gut überlegt sein

  • -Aktualisiert am

Ein Radiologe deutet auf eine Auffälligkeit in einer weiblichen Brust Bild: dpa

Brustkrebspatientinnen sollten am besten selbst zu Expertinnen werden: Implantat oder Eigengewebe, einseitig oder gleich beide? Wichtig ist vor allem ein gutes Brustzentrum. Und überstürzt sollte nichts entschieden werden.

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          Es ist wichtig zu verstehen, dass Brustkrebs kein Notfall ist und ausreichend Zeit sein sollte, um sich gut und umfassend in den zertifizierten Brustzentren zu informieren“, rät die Senologin Carolin Nestle-Krämling von den Sana Kliniken Gerresheim in Düsseldorf den rund 70000 Patientinnen, die jährlich in Deutschland neu an einem Mammakarzinom erkranken. Die Brustkrebsspezialistin formuliert dieses Fazit in ihrem Begleitkommentar zu drei wissenschaftlichen Artikeln im „Deutschen Ärzteblatt“, die im gleichen Heft zum Schwerpunktthema „Brustkrebs“ erschienen sind (Bd.112, S.575).

          Sich umfassend kundig zu machen ist vor allem ein guter Rat, wenn es um die Vielfalt der Verfahren geht, die heute zum Wiederaufbau einer neuen Brust, zur Rekonstruktion nach einer Mastektomie oder kompletten Entfernung der Drüse angewendet werden. Nicht zuletzt dank ambitionierter Chirurgie sehe man heutzutage „ästhetisch dramatisch bessere Resultate als in der Vergangenheit“, schreibt Nestle-Krämling. Bei welchen Varianten der Brustrekonstruktion unter welchen Bedingungen die besseren Ergebnisse zu erwarten sind, bewerten Frauenärzte und plastische Chirurgen erstmals gemeinsam in einem interdisziplinären Beitrag der Fachzeitschrift (S.593).

          Zwei Möglichkeiten

          Etwa 8000 Patientinnen erhalten pro Jahr in Deutschland eine neue Brust und müssen sich grundsätzlich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden: entweder ein Fremdgewebe-Implantat oder Aufbau mit autologem, körpereigenem Gewebe. Was das Beste ist, hängt von vielen Bedingungen ab. So ist bei einer zusätzlichen Strahlentherapie bei Implantaten vergleichsweise häufig mit Komplikationen, etwa Wundinfektionen oder Vernarbungen der Kapsel um das Implantat mit unschönen Einziehungen der Haut, zu rechnen. Daher sollte diesen Patientinnen eher eine Rekonstruktion mit Eigengewebe empfohlen werden, schreibt das Autorenteam um den Chefarzt der Universitätsfrauenklinik in Rostock, Bernd Gerber. Derartige Rekonstruktionen sind deutlich aufwendiger als ein Implantat, das sofort bei der Entfernung der Brust eingesetzt wird. Entweder wird körpereigenes Gewebe, zum Beispiel von den Bauchmuskeln, entnommen, am Bündel der versorgenden Blutgefäße belassen, nach oben geschwenkt und in die neue Region am Brustkorb verpflanzt. Die Gefäße aus der Ursprungsregion sorgen dann bis zur Einheilung für die Blutversorgung. Oder der Chirurg kappt die Gefäße und schließt sie mikrochirurgisch unter dem Mikroskop an andere Blutleiter an, so dass die Blutversorgung am neuen Ort sichergestellt ist.

          In beiden Fällen wird dies meist nicht gleichzeitig mit der Tumoroperation durchgeführt, so dass die Frauen eine Zeitlang mit der Amputation ihrer Brust leben. Viele Patientinnen entscheiden sich zur Vermeidung zusätzlicher Narben an Rücken oder Bauch – wegen Entnahme des eigenen Gewebes – und aufgrund des geringeren operativen Aufwandes für eine Rekonstruktion mit Implantat. Dafür sind die kosmetischen Resultate bei der Brusterneuerung mit Hilfe von körpereigenem Gewebe langfristig kosmetisch stabiler. Eine aktuelle Befragung hat ergeben, dass diese Patientinnen mit dem Ergebnis sogar zufriedener waren als jene, deren Brust bei der Operation erhalten werden konnte.

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