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Brustkrebs : Das Glück ist mit den Gen-Getesteten

  • -Aktualisiert am

Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-Mammographie mit winzigem Tumor in der Brust einer Patientin Bild: dpa

Gute Neuigkeiten für junge Brustkrebspatientinnen: die berüchtigte BRCA-Mutation hat keinen Einfluss auf die Überlebenschancen. Dieser Befund hat Konsequenzen für die gewählte Behandlung.

          Junge Brustkrebspatientinnen mit den berüchtigten BRCA-Mutationen haben in den ersten zehn Jahren nach der Diagnose die gleichen Überlebenschancen wie solche ohne diese Mutationen. Die genetischen Veränderungen haben in dieser Zeit also offensichtlich keinen Einfluss auf die Prognose. Das hat eine englische Studie gezeigt, deren Ergebnisse in der Zeitschrift „Lancet Oncology“ erschienen sind. BRCA-Mutationen erhöhen normalerweise das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs und werden in einigen Familien autosomal dominant vererbt. Rund fünf Prozent der Brustkrebserkrankungen und etwa 20 Prozent der Eierstockkrebserkrankungen gehen einher mit BRCA-Mutationen. Brustkrebspatientinnen mit solchen Mutationen haben auch ein erhöhtes Risiko für einen Tumor in der anderen Brust, einen zweiten Tumor in der gleichen Brust oder für Eierstock- oder Eileiterkrebs.

          Für Peter Fasching vom Comprehensive Cancer Center des Universitätsklinikums Erlangen hat die neue Studie erhebliche Bedeutung für den klinischen Alltag. „Brustkrebspatientinnen mit BRCA-Mutationen wird heute an manchen Orten zu einer raschen Entfernung der zweiten Brust geraten, bei jungen Frauen ohne Kinderwunsch auch zu einer Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter.“ Die Studie zeige nun, dass sich die jungen Frauen mit dieser Entscheidung Zeit lassen könnten. Sie müssten nicht während der noch laufenden Behandlung über diese weitreichenden Maßnahmen entschieden, so Fasching. „Sie können dies später tun, ohne in Sorge zu sein, dass sich dadurch ihre Überlebenschancen verschlechtern.“ Die vorbeugende Entfernung der zweiten Brust oder der Eierstöcke und der Eileiter senkt zwar das Erkrankungsrisiko, es ist aber nicht klar, ob dadurch auch weniger Frauen an Brust- oder Eierstockkrebs sterben. Die Ärzte sind sich deshalb uneins darüber, wie notwendig diese Maßnahmen tatsächlich sind.

          In der neuen Studie wurde das Schicksal von 2733 Brustkrebspatientinnen zwischen 18 und 40 Jahren verfolgt, die zwischen 2000 und 2008 erkrankt waren. Geleitet wurde die Studie von Diana M. Eccles von der Universitätsklinik Southampton. 338 Teilnehmerinnen hatten BRCA-Mutationen. Bei jeder fünften Studienteilnehmerin wurde ein dreifach-negativer Brustkrebs mit einem Gentest diagnostiziert. Dieser Typ besitzt weder das Protein HER2 noch Rezeptoren für Östrogen oder Progesteron. Er kann deshalb auch nicht mit einer Antihormontherapie oder durch eine HER2-Blockade behandelt werden. In der Studie zeigte sich, dass Patientinnen mit dreifach negativem Brustkrebs im Gentest und zugleich BRCA-Mutationen zwei Jahre nach der Diagnose eine bessere Prognose hatten als Patientinnen ohne Mutationen und dem gleichen Tumortyp. Nach fünf und zehn Jahren waren die Überlebenschancen in beiden Gruppen wieder gleich.

          Peter Fasching ist überzeugt, dass dies mit der Wirkung der Chemotherapie zu tun hat. Studien hätten gezeigt, dass Patientinnen mit dreifach negativem Brustkrebs und BRCA-Mutationen besser auf eine Chemotherapie ansprechen würden als Patientinnen mit dem gleichen Tumortyp ohne Mutationen. In der Studie hatten die Ärzte nur jeder zweiten Patientin, bei der eine BRCA-Mutation festgestellt worden war, einen Gentest angeboten. Nach der vor wenigen Monaten aktualisierten „S3-Leitlinie für das Mammakarzinom erhalten auch hierzulande nur die jungen Brustkrebspatientinnen, die weniger als 35 Jahre alt sind, einen Gentest zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen. „Angesichts der Tatsache, dass solche Untersuchungen heute sehr viel billiger sind als früher, ist nicht zu verstehen, warum den Brustkrebspatientinnen, die 36 oder 37 Jahre alt sind, kein bezahlter Gentest angeboten wird“, sagt Fasching. Er hält dies für ungerechtfertigt. Eccles und ihre Kollegen betonen in ihrer Veröffentlichung, dass sich die Ergebnisse nur auf die Überlebenschancen junger Brustkrebspatientinnen mit und ohne BRCA-Mutationen beziehen. Ob sie auch auf ältere Patientinnen mit und ohne BRCA-Mutationen zutreffen, ist nicht geprüft worden.

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