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Heidelberger Forschergruppe : Brustkrebs-Bluttest: Durchbruch oder Enttäuschung?

Sarah Schott und Christof Sohn von der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg präsentieren stolz den neuen Test.

Worauf stützen die Wissenschaftler ihre Zuversicht? Im Wesentlichen auf ihre erste Kohortenstudie, die in den vergangenen zwölf Monaten mit 500 Brustkrebspatientinnen und 400 gesunden Probandinnen vorgenommen worden ist. Bei drei Viertel der Bustkrebspatientinnen wurden mit dem Test Krebszellen im Blut entdeckt, das entspricht einer Sensitivität von 75 Prozent. Wobei der Test bei Frauen unter 50 Jahren offenbar noch deutlich besser funktioniert, hier liegt die Sensitivität bisher bei 86 Prozent. Noch allerdings handelt es sich um Zwischenergebnisse. Die Studie ist auf insgesamt zweitausend Patientinnen angelegt. Brustkrebsforscherin Fehm überzeugen die Zwischenresultate nicht vollends, wenn es um eine Anwendung im klinischen Alltag angeht: „Was macht man, wenn der Test positiv ist, aber man findet dann nichts? Bei 25 Prozent ist der Test negativ. Hier ist das Problem, dass sich die Patientinnen und der Arzt in falscher Sicherheit wiegen könnten.“

Viele Details blieben im Dunkeln

Auch die Tübinger Fachärztin für Humangenetik, Saskia Biskup, die selbst Bluttests für einzelne Patienten entwickelt, ist skeptisch: „Wir warten alle händeringend auf so einen Test“, aber die Sensitivität des Heidelberger Tests sei niedrig und die Datenlage noch viel zu lückenhaft. Genaueres über die Biomarker und wie spezifisch diese für Brustkrebszellen sind, oder wie etwa eine Medikamenteneinahme, die ebenfalls die Methylierung von Körperzellen beeinflusst, die Genauigkeit des Krebstests beeinflusst, bleibe im Dunkeln. Die Ankündigung aus Heidelberg erinnert Biskup an das Schicksal des „CancerSeek“-Tests vor einem Jahr. Dieser inzwischen in „Science“ präsentierte Test, der sogar acht Krebsarten gleichzeitig erkennen soll, bekam ebenfalls riesige Schlagzeilen, „aber nachdem man die Einzelheiten gesehen hat, war es vorbei mit der Begeisterung, weil er für die Klinik noch unbrauchbar ist“, so Biskup. 

Auch der Hinweis der Heidelberger Forschergruppe um Sohn und Schott, der Test habe auch bei der Früherkennung von Eierstock-Krebs vielversprechende Ergebnisse mit einer Sensitivität von 80 Prozent (bei 200 Patientinnen)  erzielt, überzeugt die Düsseldorfer Gynäkologin Fehm nicht. „Es gibt zu viele ungeklärte Fragen.“ Das dürfte auch entscheidend sein, wenn irgendwann über die Erstattung des Tests durch die Krankenkassen entschieden wird. Ausreichende Daten liegen jedenfalls ganz offenkundig noch nicht vor. Einfacher zu nehmen sein dürfte die Hürde der CE-Zertifizierung, die für die Markteinführung wichtig ist. Die ist den Heidelberger Klinikern zufolge bereits angelaufen.

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