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Botox & Co. : Die Baby-Boomer kommen in die Jahre

  • -Aktualisiert am

Botox wird immer beliebter bei den Deutschen Bild: ddp

Große Operationen am Gesicht sind passé in der ästhetischen Medizin. Stattdessen geht der Trend zu kleineren Eingriffen: Die Patienten wollen mit Hilfe von Botox, Füllsubstanzen und Augenlidkorrekturen entspannter wirken.

          In der Pressekonferenz klickt eine Ärztin die Vorher-nachher-Studie einer Frau von etwa Mitte dreißig auf die Leinwand. "Die Frau war Altenpflegerin, hatte eine kleine Erbschaft gemacht und wollte sich etwas gönnen", erzählt die Medizinerin, die zu den Referenten des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie, kurz DGBT, in Frankfurt gehört. Auf dem ersten Foto wirkt die Patientin müde und depressiv. Die Linien ihres Gesichtes bezeichnen die Ärzte der Ästhetikbranche als "negative Falten": Mimiklinien, die negative Gefühle und Stress ausdrücken.

          Auf dem Nachher-Bild lächelt die Frau, die Haut glänzt prall, sie ist dezent geschminkt. "Konvexitäten, Kindchenschema", kommentiert die Ärztin. "Das macht einfach attraktiver." Botox hat die Stirn geglättet, Hyaluronsäure hat die Wangen aufgepolstert, eine Schlupflid-OP lässt den Blick wacher wirken. Gering invasive Kombinationstherapien wie diese sind der mächtige neue Markt der ästhetischen Medizin. "Die großen Rundum-Operationen, wie man sie seit den achtziger Jahren etwa von Schauspielerinnen wie Cher kennt, sind nicht mehr gefragt", sagt Maurizio Podda, Direktor der Hautklinik des Klinikums Darmstadt. "Die Patienten wollen nicht mehr grundsätzlich schöner sein, sondern glücklicher und entspannter wirken."

          Die meisten Verbandsmitglieder sind Hautärzte

          Podda ist wissenschaftlicher Beirat der DGBT. In der Gesellschaft vereinigen sich Mediziner, die mit Botulinumtoxin und anderen wenig invasiven Methoden der ästhetischen Medizin arbeiten. Ende 2005 gegründet, gewann die DGBT innerhalb von fünf Jahren mehr als 600 Mitglieder. Eintreten darf, wer approbierter Arzt ist. "Die meisten unserer Mitglieder sind Dermatologen", sagt Boris Sommer aus Frankfurt, der den Verband gründete - auch mit dem erklärten Ziel, die in Deutschland mit Argwohn betrachteten Botox-Behandlungen aus dem Zwielicht von Partys und Internetauktionen in die Seriosität von Praxen, Kliniken und wissenschaftlicher Forschung zu holen.

          Auf dem Kongress in Frankfurt diskutierten die Mediziner über den Boom ihrer jungen Sparte. Der Erfolg des Fachgebietes lässt sich derzeit vor allem auf eine zentrale Ursache zurückführen: Die "Baby- Boomer", die geburtenstarken Jahrgänge um 1960, kommen jetzt in das Alter, in dem Anti-Aging-Therapien klassischerweise nachgefragt werden. Deutschland ist zudem ein gutes Pflaster für wenig invasive Eingriffe. In den Vereinigten Staaten gelte der sichtbare ästhetische Eingriff, die verändernde Gesichts-OP, noch immer als Statussymbol, während sich diese Haltung in Deutschland nie durchsetzen konnte, sagt der Dermatologe Thomas Dirschka aus Wuppertal. "Die deutschen Patienten wollen auf keinen Fall, dass jemand etwas bemerkt." Ein wichtiges Kriterium sei außerdem die "down time" - Ausfallzeiten im Beruf, wie sie etwa nach komplexen Operationen notwendig wären, werden von den Patienten nicht mehr toleriert. Typische Berufe der Klienten seien Anwalt und Banker; zunehmend kämen sie aber auch aus nicht akademischen, besonders anstrengenden Berufen, etwa dem Pflegebereich, berichteten die Mediziner in Frankfurt.

          Vor allem Manager lassen sich behandeln

          Zusätzlich öffnen sich neue Zielgruppen. "Die Akzeptanz unter Männern nimmt zu", sagt Welf Prager vom Dermatologikum Hamburg. "Das ist durch die soziokulturelle Entwicklung bedingt. In den Führungsetagen und im Management werden die Mitarbeiter immer jünger - das erhöht den Druck." Die häufigste Maßnahme bei Männern sei die Straffung des Oberlids - um einen müden Eindruck zu vermeiden.

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