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Botox & Co. : Die Baby-Boomer kommen in die Jahre

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Die häufigste Einstiegsbehandlung bei Frauen ist hingegen die Injektion von Botulinumtoxin. Geht es nach den Ärzten, soll das auch so bleiben. Im Bereich der senkrechten Zornesfalten auf der Stirn sei der Einsatz von Botulinumtoxin derart erfolgreich, dass sich über diese Behandlung Vertrauen bei den Patienten aufbauen lasse, sagt Prager. Die Glättung der steilen Falten zwischen den Augenbrauen ist derzeit außerdem die einzige ästhetische Indikation, für die Botulinumtoxin in Deutschland eine Zulassung hat. Die Behandlung anderer Falten, etwa von Querfalten der Stirn oder Krähenfüßen seitlich der Augen, erfolgt "off-label", deshalb aber nicht minder häufig. Botulinumtoxin, besser bekannt unter "Botox", einem seiner Handelsnamen, lähmt die Muskulatur, indem es die Ausschüttung des Botenstoffes Acetylcholin aus der Nervenendigung blockiert. Nach drei bis sechs Monaten verfliegt die Wirkung; Botox wird in der Nervenzelle abgebaut.

Rückschläge für das Image des Stoffes Botox

Zunächst verwendete man das Toxin des Bakteriums Clostridium botulinum in den achtziger Jahren zur Behandlung spastischer Erkrankungen. 1990 begann mit einer ersten Publikation die Erfolgsgeschichte in der ästhetischen Medizin. Aber es gab auch Rückschläge für das Image, zuletzt im Frühjahr 2009, als die amerikanische Zulassungsbehörde FDA durchsetzte, dass fortan auf den Packungen der Botulinumtoxin-Präparate eine schwarz gerahmte Warnung vor gelegentlich lebensbedrohlichen Nebenwirkungen wie Schluck- und Atemschwierigkeiten erscheinen muss. Die Entscheidung fiel, nachdem mehrere Kinder mit spastischer Zerebralparese, die mit Botulinumtoxin behandelt worden waren, ins Krankenhaus kamen und beatmet werden mussten. In Frankfurt diskutierten die Ärzte die Gefahren auf der Basis neuer Studien. Das Stichwort heißt Diffusion: Kann die Substanz ihren Wirkort verlassen und an anderer Stelle Unheil anrichten?

Eine Untersuchung der University of Miami an 500 gegen Falten behandelten Probanden erbrachte Ende 2010, dass 0,6 Prozent nach der Behandlung an einer Ptosis, einem hängenden Augenlid, litten; andere Nebenwirkungen waren mild und gingen rasch zurück. Das Misstrauen gegen Botulinumtoxin verhindert auch nicht, dass immer weitere Indikationen gefunden werden. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist die Substanz schon in der Behandlung chronischer Migräne zugelassen; in Deutschland, sagt der Neurologe Wolfgang Jost von der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, werde die Zulassung noch im zweiten Quartal 2011 erwartet. „Schon jetzt fragen die Kostenträger nach dem Injektionsschema, weil sie eine verdeckte Faltenbehandlung befürchten“, sagt Jost. Tatsächlich ist bei der Migränebehandlung eine Milderung von Falten zu erwarten, denn das Präparat wird in die Stirnmuskulatur injiziert - daneben aber auch in Schläfen- und Nackenmuskeln.

Gutes Aussehen macht den Arbeitsplatz sicherer

Patienten der ästhetischen Medizin berichten häufig über Besserung von Kopfschmerz- und Erschöpfungssymptomen nach Faltenbehandlungen. „Man darf dabei nicht den Placeboeffekt unterschätzen“, warnt Jost. „Wenn etwas Geld kostet, fühlen sich die Patienten leicht besser - wie bei Schuhen, Wein oder Theaterbesuchen.“ Im Zweifelsfall ist die Behandlung von Falten eine vergleichsweise günstige Lösung: Ab zweihundert Euro sind seriöse Behandlungen zu haben; für fünfhundert Euro kann die gesamte Stirnregion geglättet werden. Krisenfest ist die Sparte dabei auch: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gäben die Menschen sogar mehr Geld für ästhetische Behandlungen aus, sagte Tanja Fischer, Leiterin des Potsdamer Haut- und Lasercentrums, in ihrem Vortrag: Die Patienten versuchten, durch attraktives Aussehen ihren Arbeitsplatz zu sichern.

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