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Neuer Erreger : Das unbekannte Bornavirus

  • -Aktualisiert am

Ein Bunthörnchen (Sciurus variegatoides) in Selva Verde Lodge, Costa Rica Bild: dpa

In Sachsen-Anhalt starben drei Bunthörnchen-Züchter an einer Gehirnentzündung. Offenbar hatten sie sich bei ihren Tieren mit Bornaviren infiziert. Ob diese Viren generell für Menschen gefährlich sind, ist schon mehrfach untersucht worden - was weiß man heute?

          Bunthörnchen, eine Nagetierart aus Mittelamerika, übertragen möglicherweise ein bislang unbekanntes Virus auf den Menschen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems und des Bernhard-Nocht-Institutes in Hamburg, die nach Todesfällen dreier Bunthörnchen-Züchter Proben der Verstorbenen und der Tiere untersuchten. Die drei Züchter stammten alle aus Sachsen-Anhalt, sie waren zwischen 2011 und 2013 an einer Enzephalitis gestorben.

          Dass sie nicht weit voneinander entfernt gelebt und dass alle drei die exotischen Tiere gezüchtet hatten, rief Infektionsmediziner auf den Plan. In Organproben eines Bunthörnchens aus einer der drei Zuchten hätten sich Genomsequenzen gefunden, die auf ein Bornavirus hindeuteten, sagt Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik auf der Insel Riems. Bornaviren sind nach der sächsischen Stadt Borna benannt, wo sie Ende des neunzehnten Jahrhunderts gehäuft Infektionen bei Pferden verursachten. Die Erreger befallen auch andere Säugetiere, bei denen sie Meningoenzephalitiden hervorrufen. Auch bei Vögeln und Reptilien treten Bornaviren auf.

          Früheres Forschungsprojekt

          Lange war umstritten, ob die bei Pferden gefundenen Bornaviren auch den Menschen infizieren und krank machen können. Die Viren gerieten in Verdacht, eine Rolle bei Depressionen zu spielen. In den achtziger und neunziger Jahren gab es Berichte von Wissenschaftlern, die Antikörper und Virusbestandteile in Blut- und Gehirnflüssigkeitsproben von depressiven Patienten gefunden hatten. Am Robert Koch-Institut wurde Anfang der neunziger Jahre ein Projekt zur Erforschung von Bornavirusinfektionen gegründet, es ging dabei um die Entwicklung geeigneter diagnostischer Verfahren. Die Arbeiten erbrachten aber keinen schlüssigen Hinweis auf eine Gefährdung des Menschen durch das Virus. Stattdessen häuften sich die Hinweise, dass die Virusnachweise in menschlichen Blutproben wohl auf Kontaminationen im Labor zurückgingen. Das Forschungsprojekt wurde eingestellt. Bis heute halten manche Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Bornaviren und neuropsychiatrischen Erkrankungen aber für möglich.

          Bei den Bunthörnchen nun wurde ein Erregertypus gefunden, den man von den befallenen Pferden nicht kennt. „Das bei den Bunthörnchen entdeckte Bornavirus hat Ähnlichkeit mit den bekannten Bornaviren, aber nur sehr entfernte“, sagt Beer. Die Analysen ergaben weniger als 75 Prozent Übereinstimmung zwischen dem neuen Erreger und anderen Bornaviren. Der Zusammenhang zwischen den Virus-Genomsequenzen im Probenmaterial der Hörnchen und den Gehirnentzündungen der Züchter scheint relativ gut belegbar zu sein: Zum einen waren die Veränderungen in den Gehirnen der Verstorbenen typisch für eine Virusinfektion. Zum anderen habe auch eine quantitative Analyse sehr große Mengen an Bornavirus-Genomsequenzen in den menschlichen Gehirnproben erbracht, sagt Beer.

          Ob die Züchter sich durch Bisse, Kratzer oder durch engen Kontakt angesteckt haben, ist noch unklar. Auch, wie die Tiere sich selbst infizierten, weiß man nicht. „Es könnte ein für diese Hörnchen spezifisches Virus sein, das sie selbst nicht schädigt, aber für den Menschen gefährlich ist“, sagt Beer. „Aber es ist auch denkbar, dass die Bunthörnchen sich die Infektion durch Kontakt mit anderen Tieren zugezogen haben.“ Deshalb sollen nun weitere Haltungen deutschlandweit beprobt werden; im Umfeld der Gehege sollen auch wildlebende Mäuse untersucht werden.

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