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Borderline-Störung : Vom richtigen Umgang mit seelischen Grenzgängern

  • -Aktualisiert am

Die Angst vorm Alleinsein entsteht oftmals im Kindesalter Bild: ZB

Die schwere Persönlichkeitsstörung „Borderline“ zeigt sich selten auf den ersten Blick, und doch gibt es viele Symptome. Schon im jungen Alter führt sie zu Selbstverletzungen und Suizidversuchen. Gute Therapiemöglichkeiten gibt es schon.

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          Grenzgänger sind sie in vielerlei Hinsicht, und der Versuch, sie zu beschreiben, endet zwangsläufig in Schwarzweißmalerei. Denn Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) leben und fühlen in Extremen. Sie schwanken zwischen Liebe und Hass, sind in diesem Moment von Emotionen überschwemmt und fühlen sich schon im nächsten so gefühlsleer, dass sie daran zweifeln, existent zu sein. Sie vermeiden es um jeden Preis, alleine zu sein, und trennen sich, um nicht verlassen zu werden. All das ist Ausdruck einer gestörten Affektregulation - des zentralen Merkmals der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Man tue gut daran, die Diagnose dieser schwerwiegenden psychischen Erkrankung nicht vorschnell zu stellen, lautete der Tenor der Experten auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, der vergangene Woche in Berlin stattgefunden hat. Denn für die Diagnose BPS müssen zahlreiche Kriterien erfüllt sein.

          Ein bis zwei Prozent der Menschen haben das Vollbild der Erkrankung. Und die stehen unter großem Druck - etwa zwei Drittel der Borderline-Patienten versuchen, sich das Leben zu nehmen. So leiden die Betroffenen darunter, dass sie plötzlich und oft ohne ersichtlichen Grund eine unerträgliche innere Spannung befällt. Achtzig Prozent der Patienten beenden diesen quälenden Zustand, indem sie sich selbst verletzen, berichtete Martin Bohus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Die Selbstverletzung diene nicht vorrangig dazu, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wie das oftmals unterstellt werde, sagte Philipp Haake vom Campus Kortenberg in Belgien. Sie sei auch nicht als missglückter Suizidversuch zu werten, erklärte Franz Resch, Kinder- und Jugendpsychiater der Universität Heidelberg, sondern im Gegenteil als ein Versuch, Suizidimpulse abzuwehren. „Außerdem hat Selbstverletzung bei Borderline-Patienten auch eine identitätsstiftende Funktion im Sinne von: Ich blute, also bin ich“, so Resch.

          Wissenschaftler auf Ursachenforschung

          Nach eigenen Angaben fühlen die Patienten während der Selbstverletzung wenig oder überhaupt keinen Schmerz. Neurophysiologische Untersuchungen bestätigen das. Die Forschergruppe um Christian Schmahl vom Mannheimer Zentralinstitut zeigte mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, dass jene Areale im Gehirn, die für die emotionale Bewertung von wahrgenommenen Reizen verantwortlich sind, während eines schmerzhaften Reizes weniger aktiviert sind als bei Menschen ohne Borderline-Syndrom. Je intensiver, desto besser, scheint die Devise. Sie balancieren auf Brücken und Hochhäusern, sie setzen sich auf Eisenbahngleise und warten auf den Zug, fahren mit dem Fahrrad auf der Autobahn. „Hochrisikoverhalten“ nennen es die Experten. Auch Impulsivität ist ein Merkmal der Störung, die sich etwa in Form von Drogen- und Alkoholmissbrauch, Fressanfällen oder sexueller Promiskuität niederschlägt. Bohus präsentierte die Ergebnisse einer bisher unveröffentlichten Studie von Marsha Linehan von der Universität Seattle in Washington.

          Darin hätten 85 Prozent der Frauen mit BPS angegeben, im vergangenen Monat ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem unbekannten Sexualpartner gehabt zu haben. Zum Vergleich: Unter homosexuellen Männern sei dies nur zu 35 Prozent der Fall. „Die Population der Borderline-Persönlichkeitsstörungen ist damit eine Hochrisikogruppe für HIV“, folgerte Bohus. Auf Ursachen der Störung will sich die Fachwelt bislang nicht festlegen. Allerdings sei bekannt, dass etwa siebzig Prozent der Betroffenen Opfer sexuellen Missbrauchs seien, etwa sechzig Prozent körperliche Gewalt - oft innerhalb der Familie - erfahren hätten und rund vierzig Prozent emotional vernachlässigt worden seien. In jedem Falle scheint es bei den Betroffenen Gründe zu geben, welche die Entwicklung eines stabilen Selbstbildes und der Fähigkeit, tragfähige Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen, beeinträchtigten. Borderline sei deshalb als eine chronische Entwicklungsstörung zu verstehen, sagte Peter Fiedler vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg.

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