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Früherkennung : Bluttests gegen Krebs vor dem Durchbruch?

Auf den Früherkennungst soll möglichst schnell die Therapie folgen. Bild: obs

Den Tumor erkennen, lange vor den Symptomen und den ersten Metastasen. Das bis heute unerfüllte Versprechen gipfelte hierzulande in einen PR-Skandal, amerikanische Krebsspezialisten wollen nun sogar mit Multi-Krebstests Nägel mit Köpfen machen.

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          Testen, testen, testen – so klingt es seit Wochen in der Pandemie, und so könnte es klingen, wenn die Krebsdiagnostik ihren Weg zu Ende geht, den sie vor Jahren unter dem Label „Liquid Biopsy“ betreten hat und der mit neuen bemerkenswerten Ergebnissen gepflastert ist. Die Idee ist verlockend einfach: einen Blutstropfen abgeben, um Krebs auszuschließen – oder um den Tumor wenigstens so früh zu erkennen, dass er mit Aussicht auf Erfolg therapiert werden kann. Möglich wird das, weil zerfallende Krebszellen in vielen Fällen schon in den ersten Wachstumsstadien ihr nacktes, fehlerhaftes Erbmaterial und oft auch sehr spezifische Proteine ins Blut abgeben und sich damit verraten. Theoretisch jedenfalls.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In der Praxis hat der PR-Skandal um den Heidelberger Bluttest zur Brustkrebsfrüherkennung gezeigt, wie schnell Wunsch und Wirklichkeit in der klinischen Praxis auseinanderdriften können, wenn der Wettbewerb die Köpfe vernebelt und nicht mehr hingesehen wird. Was den Frauen schon als greifbares Testglück angedient wurde, liegt bis heute unvollendet auf der Werkbank des „Hei-Screen“-Labors. Die Ansprüche an die Treffsicherheit sind gewaltig, wer würde sich bei Krebs auch mit der Möglichkeit eines falschen Testergebnisses abfinden wollen? An dem Heidelberger Bluttest wird nach wie vor gearbeitet, wie zu hören ist. Doch die ersten fulminanten Etappensiege gehen an die Konkurrenz, die man mit dem plumpen PR-Manöver seinerzeit ausstechen wollte. Der amerikanische „CancerSEEK“-Test, vor vier Jahren von hochkarätigen Krebsforschern um Bert Vogelstein erstmals präsentiert, hatte als Multikrebstest noch erhebliche Schwächen im Hinblick auf die Genauigkeit der Prognosen. Die Ansage lautete, man wolle nicht weniger als acht Krebsarten gleichzeitig – Eierstockkrebs, Leberkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Dickdarmkrebs, Lungen- und Brustkrebs – schon bei asymptomatischen Patienten feststellen. Und das zu einem annehmbaren Preis: 500 Dollar. Und auch das war ein Argument: Selbst bei den Krebsarten wie Brust- und Darmkrebs, für die es bereits Früherkennungsprogramme gibt, werden weniger als ein Drittel der Tumore wirklich früh erkannt.

          Inzwischen wurde der Bluttest von Medizinern der Johns Hopkins University in einem, wie es heißt, ersten Realitätstest, an 10 000 Frauen zwischen 65 und 75 Jahren getestet. Allerdings wurde er in der in „Science“ vorgestellten „Detect-A“-Studie mit einer PET-Computertomographie kombiniert, um bei den unklaren Positiv-Befunden mehr Sicherheit in der Diagnose zu bekommen. Fazit der Patientenstudie: In der Kombination konnte die Zahl der Frühdiagnosen von 25 Prozent mit den üblichen Screenings auf 52 Prozent verdoppelt werden. Zwei Drittel der Tumore wurden vor der Metastasierung entdeckt. Die Treffsicherheit variierte dabei immer noch deutlich je nach Krebsart, falsche positive Testergebnisse aber konnten mit einer bisher nicht erreichten Spezifität von mehr als 99,6 Prozent in dem Kombi-Verfahren offenbar stark reduziert werden.

          Ein Durchbruch? Als „vielversprechend“ bezeichneten ehemals kritische Mediziner in der Fachzeitschrift „Lancet Oncology“ die amerikanischen Resultate. Freilich vor allem auch deshalb, weil eine zweite Bluttest-Studie der Mayo-Klinik in den „Annals of Oncology“ mit einem Test, der die epigenetischen Signaturen der fehlgesteuerten Tumor-DNA aufspürt und offenbar sogar mehr als fünfzig unterschiedliche Tumorarten anzuzeigen vermag. Eingeschlossen in diese Studie waren knapp 6700 Patienten, von denen zweieinhalbtausend im Laufe der Zeit an Krebs erkrankten. Zu entdecken waren Tumore umso schwerer, je früher das Krebsstadium: Zwischen 39 Prozent lag die Sensitivität in den ersten Stadien bis 92 Prozent im Stadium vier. Immerhin: Wer ein positives Ergebnis erhielt, hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich einen Tumor, die Spezifität lag am Ende bei 99,3 Prozent. Dass damit alle Wünsche an die Genauigkeit der Tests erfüllt wären, kann man dennoch kaum behaupten. Mit größerer Sicherheit lässt sich demgegenüber zumindest sagen, dass der globale Wettlauf um die Marktanteile im Bluttestgeschäft damit weiter angeheizt wird.

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