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Bei Blutspenden : Wie sich die Blutgruppe noch nachträglich verändern lässt

  • -Aktualisiert am

Bei einer Bluttransfusion ist höchste Vorsicht geboten: Wird die falsche Blutkonserve angezapft, kann das für den Patienten tödlich enden. Bild: dpa

Gruppenwechsel von A zu Null: Mit einem neuen Verfahren lässt sich die Blutgruppe von Blutkonserven nachträglich verändern. Das könnte drängende Probleme der Transfusionsmedizin lösen.

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          Null-Rhesus-negativ, so heißt ein Lied von Udo Lindenberg aus dem Jahr 1974, in dem der Sänger die Bekanntschaft eines Vampirs macht. Zum Glück stellt sich heraus, dass der Untote eben jene Blutgruppe nicht verträgt – und Udo somit außer Gefahr ist.

          In der Transfusionsmedizin hingegen sind Blutkonserven des Typs 0-Rhesus-negativ gerade wegen ihrer Verträglichkeit begehrt. Neben Empfängern der gleichen Blutgruppe tolerieren auch Patienten aller anderen Blutgruppen, also A, B oder AB Konserven der Gruppe Null. Während andere Kombinationen von Spender- und Empfängerblutgruppe zu tödlichen Abstoßungsreaktionen führen können. Doch im Fachjournal „Nature Microbiology“ berichten kanadische Forscher nun, es sei ihnen gelungen, Spenderblut der Gruppe A in den Typ Null zu verwandeln, und zwar mit Hilfe von zwei Enzymen des Darmbakteriums „Flavonifractor plautii“. Der kleine biochemische Umbau könnte einen riesigen Fortschritt für die Medizin bedeuten. Seit den siebziger Jahren benutzt man für Bluttransfusionen kaum noch sogenanntes Vollblut, wie es direkt aus der Armvene des Spenders fließt, sondern trennt dieses umgehend in seine Bestandteile auf. Für eine klassische Bluttransfusion, die nach einem Unfall oder während einer Operation verlorenes Blut ersetzen soll, kommen heute standardmäßig sogenannte Erythrozyten-Konzentrate aus roten Blutkörperchen zum Einsatz.

          Die Gruppe Null gilt aus einem süßen Grund als Universalspender. Welcher Blutgruppe man angehört, hängt nämlich von einer kurzen Kette aus Zuckermolekülen auf der Oberfläche der Erythrozyten ab: Auf den roten Blutzellen der Gruppe B endet diese Kette mit dem Zucker Galaktose, auf solchen der Gruppe A mit dem chemisch verwandten Molekül N-Acetylgalactosamin. Erythrozyten der Gruppe AB besitzen Zuckeranhängsel beider Bauarten, dem Typ Null fehlen diese letzten Glieder der Zuckerkette völlig. Erythrozyten transportieren Sauerstoff durch den Körper. Dabei spielen diese Variationen der Oberflächen-Süßstoffe keine Rolle. Umso entscheidender wird der kleine Unterschied als Antigenmerkmal für das menschliche Immunsystem: Für das Zuckermolekül der eigenen Zellen entwickelt man schon frühkindlich eine sogenannte Selbsttoleranz. Zur gleichen Zeit lernt das Immunsystem, andere Blutgruppen-Antigene als fremd zu erkennen und anzugreifen.

          Die Blutgruppen sind in Deutschland ungleich verteilt

          Die Folge: Träger der Blutgruppe A entwickeln eine Abwehrreaktion gegen das Zucker-Antigen der Gruppe B und anders herum. Spenderblut der Gruppe AB enthält beide Antigene und kann deshalb nur Empfängern vom Typ AB gegeben werden. Dagegen fehlen beide Zucker-Anhängsel auf Erythrozyten des Typ Null – sie enthalten keine Antigene und sind deshalb als Spenderblut nicht nur mit der gleichen Blutgruppe, sondern auch mit den drei übrigen Blutgruppen kompatibel.

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