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Bei Blutspenden : Wie sich die Blutgruppe noch nachträglich verändern lässt

  • -Aktualisiert am

In der Bevölkerung sind die vier möglichen Blutgruppen des AB0-Systems ungleich verteilt: A und Null finden sich in Deutschland bei jeweils gut vierzig Prozent der Bevölkerung, B bei nur zehn Prozent. Am seltensten ist die Merkmalskombination AB. Für Transfusionsmediziner wäre das im Prinzip kein Problem, denn das kleinere Angebot für Blutspenden seltener Blutgruppen geht ja auch mit einem geringeren Bedarf einher, gleichzeitig gibt es für häufigere Blutgruppen auch eine entsprechend größere Nachfrage. „Das Problem sind Notfälle, in denen nach einem erheblichen Blutverlust oft keine Zeit mehr bleibt, die Blutgruppe des Patienten zu bestimmen. In diesen Fällen sind wir auf Blutkonserven der Gruppe Null angewiesen. Und die kann dann trotz des eigentlich guten Angebots aus Blutspenden zur Mangelware werden“, sagt der Transfusionsmediziner Torsten Tonn von der TU Dresden, der auch Medizinischer Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost ist.

Genau hier kommt nun das Verfahren der kanadischen Forscher ins Spiel, die spezifischen Antigen-Zucker mit Hilfe von Enzymen einfach von der Oberfläche von Erythrozyten abzuknipsen. Neu ist diese Idee nicht. Amerikanischen Forschern gelang dies 1982 erstmals mit Hilfe einer Galaktosidase aus Kaffeebohnen. Für eine praktische Anwendung benötigten sie jedoch zu große Mengen des Enzyms. Spätere Ansätze zeigten ähnliche Mängel.

Der große Fund in einer Stuhlprobe

Das könnte sich mit der aktuellen Arbeit ändern. Das Forscher-Team um den aus Deutschland stammenden Biochemiker Peter Rahfeld suchte in einer menschlichen Stuhlprobe nach bakteriellen Erbinformationen für wirksamere Enzyme. Ausgerechnet in Exkrementen nach biochemischem Gold zu suchen ist durchaus sinnvoll: Unter den vielen hundert bekannten Arten von Darmbakterien gibt es auch solche, die sich von den schleimigen Eiweiß-Zucker-Strukturen ernähren, mit denen die Darmwand ausgekleidet ist. Diese Moleküle ähneln jenen auf den Blutkörperchen. Unter fast 20000 Kandidaten-Genen aus der Stuhlprobe machten die Forscher dann ihren großen Fund: zwei Enzyme des Bakteriums Flavonifractor plautii. Zusammen knipsen die beiden das N-Acetylgalactosamin von Erythrozyten des Typs A derart effizient ab, dass schon geringste Enzymmengen ausreichen, um eine herkömmliche Blutspende von einem knappen halben Liter komplett in den Typ Null umzuwandeln. Das funktioniert nicht nur unter Laborbedingungen, sondern auch mit frisch gezapftem Blut. In den folgenden, ohnehin notwendigen Schritten der Herstellung eines Erythrozytenkonzentrats werden die Enzyme wieder entfernt. Es wäre problemlos möglich, die Enzyme in ausreichender Menge herzustellen, so die Forscher: mit denselben gentechnischen Verfahren, mit denen man schon lange Insulin für Diabetiker produziert.

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