https://www.faz.net/-gwz-98pyu

Blutdrucksenkung : Das rasende Herz hilft dem Hirn

  • -Aktualisiert am

Hohen Blutdruck spürt man nicht, er ist aber gefährlich. Bild: dpa

Für die Behandlung gefährlicher Aneurysmen gibt es eine neue Methode. Folgenschweren Hirnblutungen kann demnach auf vielleicht überraschende Weise vorgebeugt werden.

          3 Min.

          Ein bei Eingriffen am Herzen gebräuchliches Verfahren, mit dem sich der Blutdruck gleichsam auf Knopfdruck senken lässt, scheint sich auch bei der Reparatur von bedrohlichen Ausbuchtungen der Hirnarterien zu bewähren. Hinweise auf einen solchen Nutzen des „Rapid Ventricular Pacing“, einer kontrollierten Form von Herzrasen, liefern jedenfalls die Ergebnisse einer Studie von Ärzten des Universitätsklinikums in Frankfurt am Main, unter ihnen die Neurochirurgen Jürgen Konczalla und Volker Seifert.

          Krankhafte Ausweitungen der Hirnarterien betreffen bis zu fünf Prozent der Bevölkerung, kommen damit also recht häufig vor. Solche Hirnaneurysmen verursachen zwar meist keine Symptome und werden daher, wenn überhaupt, oft nur zufällig entdeckt. Sie sind aber keineswegs harmlos. Denn je nach Größe und Lage können sie einreißen oder ganz aufplatzen und folgenschwere Hirnblutungen hervorrufen. „Nur rund ein Drittel der meist noch im Berufsleben stehenden Patienten erholt sich von einem solchen Ereignis, ohne neurologische Schäden davonzutragen. Ein weiteres Drittel stirbt, und die übrigen Betroffenen erleiden teils ausgeprägte Behinderungen“, sagt Volker Seifert.

          Um Personen mit bedrohlichem Hirnaneurysma vor diesem Schicksal zu bewahren, hilft oftmals nur ein chirurgischer Eingriff. Eine gängige Vorgehensweise besteht dabei darin, die Gefäßaussackung über eine Öffnung in der Schädeldecke mit einem oder mehreren Titan-Clips auszuschalten. Ist die Arterienausstülpung allerdings groß sowie prall mit Blut gefüllt und ihre Wand daher stark angespannt, kann das Anbringen der Titanklammern schwierig und riskant sein. Um Abhilfe zu schaffen, wird der Blutdruck häufig entweder mit Medikamenten gesenkt oder die zu reparierende Ader kurzfristig abgeklemmt und im blutleeren Zustand behandelt. Beide Vorgehensweisen bergen allerdings Risiken. So lässt sich die Wirkung von Medikamenten nicht exakt steuern, während eine „Trockenlegung“ der ausgebeulten Hirnarterie den Chirurgen unter erheblichen Zeitdruck setzt, zumal schon ein kurz währender Sauerstoffmangel zum Untergang von Nervenzellen führen kann.

          Blutdrucksenkung durch Herzbeschleunigung

          Besser steuerbar und sicherer ist nach den Erkenntnissen der Frankfurter Ärztegruppe, der neben Neurochirurgen auch Kardiologen und Anästhesisten angehören, das als „Rapid Ventricular Pacing“ bezeichnete Verfahren. Mit einem über das Gefäßsystem in die rechte Herzkammer eingebrachten Schrittmacherkatheter wird das Herz dabei für kurze Zeit beschleunigt, bis der Blutdruck auf das gewünschte Niveau gefallen ist. Ähnlich einem erschlafften Ballon wird das Aneurysma dadurch weicher und lässt sich folglich besser behandeln. Dass eine Steigerung des Pulses den Blutdruck in die Knie zwingt, mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Der Grund dafür: Folgen die Schrittmacherimpulse dicht aufeinander, verliert der Herzmuskel zunehmend an Schlageffizienz und pumpt irgendwann mehr oder weniger im Leerlauf.

          Weitere Themen

          So attackiert HIV das menschliche Immunsystem Video-Seite öffnen

          Videografik : So attackiert HIV das menschliche Immunsystem

          Das HI-Virus greift das menschliche Immunsystem an und schwächt die Abwehr gegen Infektionen. Das am weitesten fortgeschrittene Stadium wird als Aids bezeichnet. Das Virus kann durch eine antiretrovirale Therapie unterdrückt werden.

          Topmeldungen

          Im trauten Kreis: Olaf Scholz (Mitte) umringt von Hubertus Heil (links), Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken in Berlin

          Sonderparteitag : SPD tagt zum Koalitionsvertrag

          In der SPD sind nicht alle zufrieden mit dem Koalitionsvertrag. Einige wollen in letzter Sekunden verhindern, dass ein FDP-Politiker Finanzminister wird.