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Corona-Impfstoff von BioNTech : Herzschmerz

In Europa werden nun auch junge Menschen gegen Covid-19 geimpft. Bild: EPA

Nachdem sie die Impfung von Biontech erhalten hatten, litten einige junge Männer in Israel an Herzmuskelentzündungen. Das muss nicht dem Vakzin geschuldet sein. Viele Mediziner sind dennoch dagegen, Kinder zu impfen.

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          Wer die Zukunft vorhersagen möchte, blickt dieser Tage meist nach Israel. Was die Impfungen gegen Covid-19 betrifft, ist das kleine Land am Mittelmeer mit knapp neun Millionen Einwohnern Vorreiter und Versuchslabor, zumindest für das mRNA-Vakzin „Comirnaty“ aus dem Hause BioNTech, mit dem hier schon mehr als die Hälfte der Bevölkerung geimpft wurden. Seit Januar bekommen auch Teenager über 16 Jahre und seit Neuestem auch Kinder zwischen 12 und 15 die Impfspritze. Dabei wird gerade ein Zusammenhang zwischen der mRNA-Impfung und Herzmuskelentzündungen augenscheinlich – besonders bei Jungs. Zufall oder eine Nebenwirkung des Vakzins? Auch in Deutschland gibt es Verdachtsfälle. Wie gefährlich sind diese Herzleiden? Und was heißt das für Kinder hierzulande, die sich seit dieser Woche um Impftermine bemühen dürfen?

          Johanna Kuroczik
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Israel haben drei Expertenteams im Auftrag des dortigen Gesundheitsministeriums die Verdachtsfälle analysiert, die seit vergangenem Dezember gemeldet wurden. Anfang Juni gaben sie bekannt, dass bislang bei 148 Menschen Herzmuskelentzündungen in zeitlicher Nähe zur Impfung gemeldet wurden, davon traten mehr als 80 Prozent nach der zweiten Spritze auf. Betroffen waren auffällig viele junge Männer zwischen 16 und 19 Jahren, viele mussten bis zu vier Tage im Krankenhaus behandelt werden. Bei fast allen verlief die Entzündung mild und war nur vorübergehender Natur. Statistisch wären so einer von 3000 bis 6000 jungen Männern bis 24 Jahre betroffen – und damit mehr, als in der Gesamtbevölkerung zu erwarten wäre. Die Daten weisen darauf hin, dass ein ursächlicher Zusammenhang besteht zwischen Impfung und Myokarditis, erklärte der israelische Untersuchungsleiter Dror Mevorach im Fachjournal „Science“. Er ist überzeugt, dass eine Verbindung besteht.

          In Europa werden Verdachtsfälle untersucht

          In Europa ist man zurückhaltender – allerdings wurden hier verhältnismäßig wenig junge Männer geimpft und noch weniger Teenager. Das Sicherheitskomitee der Europäischen Arzneimittel-Agentur analysiere gerade die gemeldeten Fälle. Die Daten seien bislang unzureichend, sodass sich nicht der Schluss ziehen ließe, die Impfung sei für die Herzmuskelentzündungen verantwortlich, sagt eine Sprecherin auf Anfrage der „F.A.S.“. Vermutete Nebenwirkungen von Impfungen werden in Deutschland dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet. Im jüngsten Sicherheitsbericht werden 49 Patienten aufgeführt, bei denen bis zum 31. Mai im zeitlichen Zusammenhang mit der BioNTech-Impfung Herzmuskelentzündungen gemeldet wurden.

          Das Herz ist ein Muskel, der aus den Herzmuskelzellen besteht. Es hat zwei Aufgaben, nämlich das Blut in den Kreislauf zu pumpen, sodass die Gefäße den Sauerstoff noch bis in die Zehen oder zum Großhirn leiten können. Und es erzeugt elektrische Signale, die diesen Pump-Motor am Laufen halten. Ist der Herzmuskel entzündet, kann die Versorgung mit Sauerstoff leiden, besonders bei anstrengenden Tätigkeiten, und es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen. Sie treten häufig nach viralen Infekten auf, besonders bei der Influenza-Grippe oder einer Infektion mit Coxsackie-Viren. Bei Sars-CoV-2 ist dies bislang eher nicht aufgefallen. „Alles, was wir derzeit wissen, spricht nicht für eine direkte schwere Herzbeteiligung bei Covid-19“, sagt der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Michael Böhm, er leitet die Abteilung für Kardiologie und internistische Intensivmedizin am Uniklinikum in Homburg.

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