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Corona-Impfstoff von BioNTech : Herzschmerz

Wie häufig die Myokarditis generell auftritt, ist allerdings schwer zu sagen. „Herzmuskelentzündungen betreffen vor allem Patienten, die nicht zum Arzt gehen, sodass sie häufig unentdeckt bleiben“, sagt Böhm. Die meisten Erkrankungen bei jungen Menschen verlaufen wohl mild. In der Klinik würden nur die Patienten auftauchen, denen es wirklich schlecht ginge, erklärt Böhm. Die Patienten spüren meist Schmerzen hinter dem Brustbein, fühlen sich krank und abgeschlagen oder leiden unter Atemnot. Was genau zur Herzmuskelentzündung führt, ist nicht gesichert, doch in vielen Fällen wurde eine Erkältung gewissermaßen verschleppt: Menschen belasten sich, trotz Fieber und Gliederschmerzen, etwa durch Sport oder Alkoholkonsum. Eine leichte Herzmuskelentzündung fällt dann oft nicht auf und wird daheim auskuriert. Bei schweren Verläufen werden Medikamente gegeben, die das Herz schonen sollen. Und dann ist da die Frage, wann eine Myokarditis vorliegt. Als gesichert gilt sie theoretisch erst nach einer Biopsie. Im klinischen Alltag wird die Diagnose aber abhängig von dem Befinden des Patienten gestellt, wenn das EKG Auffälligkeiten zeigt, Enzyme im Blut oder das MRT-Bild auf Schäden der Herzmuskelzellen hinweisen. Bei den Betroffenen in Israel ist dem Bericht des Gesundheitsministeriums nicht zu entnehmen, ob eine Probeentnahme erfolgt ist.

Böhm hält es aber für möglich, dass eine leichte Myokarditis als Folge der Impfung auftreten kann – wegen der Immunreaktion. Zwar gibt es Viren, welche die Herzmuskelzellen direkt angreifen, sich also darin vermehren und sie damit am Ende zum Absterben bringen. Häufig jedoch feuert bei einer Viruserkrankung eine heftige Immunreaktion im Körper. In diesem Sturm aus Immunzellen kann, sozusagen als Nebeneffekt, das Herz mitentzündet sein. Ebenso könnte es nach einer Impfung ablaufen, das würde erklären, warum primär junge Menschen betroffen sind. Ihr Immunsystem wird durch das Vakzin stärker angeregt als bei Älteren.

Stiko: Keine Impfempfehlung für Kinder

Die Ständige Impfkommission empfiehlt in Deutschland, wer welche Impfung bekommen sollte. Nach Analyse aller verfügbaren Daten lautete das Urteil diese Woche: Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren sollen nicht generell geimpft werden. Ihr persönlicher Nutzen überwiegt nicht die Risiken. Die Herzmuskelentzündungen wurden von STIKO-Chef Thomas Mertens im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ als „hart an der Grenze von einem Signal“ eingestuft. Doch Comirnaty ist in Europa ab 12 Jahren zugelassen, was viele Eltern und Teenager derzeit verunsichert.

Kinderarzt Nikolaus Haas hält die Impfungen von Kindern gegen Covid-19 derzeit schlicht für medizinischen Unsinn – unabhängig von vermeintlichen Herzmuskelentzündungen, die danach auftreten könnten. Er leitet die Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Klinikum Großhadern in München und ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie. Von den mehr als 265.000 Kindern, die bis Mitte Februar in Deutschland positiv auf Corona getestet wurden, sind sechs verstorben. Alle waren vorerkankt. „Jedes Schicksal ist bedauernswert“, sagt Haas. Trotzdem: „Covid-19 ist kein Problem von Kindern.“ Dass die Impfung von BioNTech bei Kindern wirkt, zeigt eine Studie mit etwa 1100 geimpften Kindern, doch zu seltenen Nebenwirkungen lasse sich derzeit nichts sagen. Da Vakzin knapp ist, sollte man sich auf Risikopatienten und Erwachsene konzentrieren.

Experten wie Böhm und Haas beunruhigen die Verdachtsfälle bislang also nicht, auch weil es sich vermutlich um leichte Erkrankungen handelte, die folgenlos ausheilten. „Bei dieser Impfung schauen alle ganz genau hin“, meint Böhm. Da fielen dann auch sehr seltene Details auf, die bei anderen Impfstoffen womöglich unentdeckt bleiben würden.

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