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Bessere Schlaganfalltherapie : Wenn die große Hirnarterie verstopft ist

  • -Aktualisiert am

Ärzte bei der Thrombektomie Bild: Archiv

Durchbruch in der Schlaganfalltherapie: Das Entfernen eines Blutgerinnsels aus der großen Hirnschlagader mit einem Katheder ist der alleinigen Auflösung des Blutpfropfs offenkundig überlegen.

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          Patienten mit schwerem Schlaganfall, der auf den Verschluss einer großen Hirnschlagader beruht, profitieren offenbar in erheblichem Maße von einer sogenannten Thrombektomie: Anhand eines speziellen Katheters wird der den Hirninfarkt verursachende Blutpfropf dabei entfernt. Zusätzlich zu einer Thrombolyse - einer Infusion mit gerinnsellösenden Mitteln - vorgenommen, erleiden die Betroffenen danach jedenfalls viel seltener schwere Behinderungen als nach einer alleinigen Therapie mit Medikamenten. Das zeigen nun auch die Ergebnisse zweier aktueller im „New England Journal of Medicine“ erschienener Studien, in denen die neue mit der herkömmlichen Vorgehensweise verglichen wurde.

          Die anfänglichen Misserfolge der Thrombektomie scheinen somit der Vergangenheit anzugehören. Diese erfreuliche Trendwende führt der Neurologe Werner Hacke von der Universität Heidelberg im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurück. So hätten sich die Kathetertechniken merklich verbessert, und zudem seien in den neuen Studien nur Patienten berücksichtigt worden, bei denen der Arterienverschluss im Gehirn sicher nachgewiesen werden konnte.

          Mit dem Solitaire-System nach Schlaganfall entferntes Blutgerinnsel, Ärzte Zeitung / Klinikreport / 02k01 / 23.02.2012 17.2.2012 ÄZ.
          Mit dem Solitaire-System nach Schlaganfall entferntes Blutgerinnsel, Ärzte Zeitung / Klinikreport / 02k01 / 23.02.2012 17.2.2012 ÄZ. : Bild: René Chapot, Ärzte-Zeitung

          Wie sehr eine zeitige Thrombektomie Patienten mit schwerem Hirnschlag zugutekommt, belegte vor wenigen Monaten erstmals eine niederländischen Studie mit dem Kürzel Mr Clean: Hier konnte der Kathetereingriff 33 Prozent der Behandelten vor schweren Folgeschäden bewahren, die Thrombolyse hingegen nur 19 Prozent. Angesichts dieses enormen Unterschieds wurden die noch laufenden Studien mit der gleichen Fragestellung analysiert - und daraufhin sofort beendet. Denn in allen erwies sich das Katheterverfahren der gängigen Behandlungsweise als merklich, teilweise sogar haushoch überlegen.

          Ein echter Therapie-Durchbruch

          Aus ethischen Gründen schien es daher nicht mehr gerechtfertigt, die Untersuchungen noch weiterzuführen. So lag der Anteil an Patienten, die drei Monate nach dem Schlaganfall wieder ein weitgehend unabhängiges Leben führen konnten, in den mit dem Katheter behandelten Gruppen um bis zu 33 Prozent höher als in den anderen Kollektiven. Die Häufigkeit von Komplikationen, etwa Hirnblutungen, soll zugleich durchweg gering gewesen sein.

          Wie Hacke betont, stellen diese Ergebnisse den ersten großen Durchbruch in der Schlaganfalltherapie seit nunmehr zwanzig Jahren dar. Das Katheterverfahren kommt allerdings nicht allen Patienten gleichermaßen zugute. Nicht geeignet ist es etwa, wenn sich das Gerinnsel in einer mit dem Katheter schlecht erreichbaren Hirnarterie befindet. Auch darf der Hirninfarkt noch nicht allzu viel bleibende Schäden angerichtet haben. Denn die Wiederherstellung des Blutflusses in der verstopften Ader bringt nur dann einen gesundheitlichen Nutzen, wenn das vom Schlaganfall betroffene Nervengewebe noch nicht untergegangen ist.

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