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Bessere Handprothesen : Mit Fingerspitzen vortasten

Handprothese mit hochsensiblen Fingern Bild: dpa

Mit einer an die Nerven seines Oberarms angeschlossenen Handprothese kann Dennis Aabo Sørensen sensorische Informationen in Echtzeit fühlen. Er greift intuitiv nach Gegenständen und erkennt mit verbundenen Augen, was er berührt.

          1 Min.

          Beim Spielen mit Feuerwerkskörpern hatte der Däne Dennis Aabo Sørensen seine linke Hand verloren und sich jahrelang mit einer einfachen kommerziellen Prothese beholfen, mit der er wenigstens grob zupacken konnte. Einiges war dabei zu Bruch gegangen, denn der von Muskelbewegungen im Oberarm gesteuerten Handprothese fehlte jedes Feingefühl. Das hat man ihm vor einem Jahr im Gemelli-Spital in Rom zumindest vorübergehend wieder geschenkt.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Dort war in einem Team aus sechs europäischen Forschungseinrichtungen eine neuartige Handprothese implantiert worden: eine sensorische Roboterhand aus den High- tech-Labors von Bionikern. Damit war es für den 36 Jahre alten Patienten plötzlich wieder möglich, nicht nur genau zu spüren, wie stark er zupackte, wenn er seine „Lifehand 2“-Prothese benutzte, sondern er fühlte schon bei den ersten Tests regelrecht auch die Konsistenz verschiedener Gegenstände.

          Feinmotorik mit sechstem Sinn

          Ob er eine weiche Tube oder ein hartes Buch zu greifen hatte oder es rund oder eckig war - all das konnte Sørensen mit verbundenen Augen und Stöpseln im Ohr zuverlässig erkennen. Wie die internationale Gruppe um Silvestro Micera in der Zeitschrift „Science Translational Medicine“ (Bd. 6, S. 222) berichtet, wurde die haptische Information durch Sensoren an den Sehnen der Kunstfinger übermittelt. Entscheidend sind die durch Algorithmen verfeinerten Signale, die aus den Tastinformationen erzeugt und anschließend in die Oberarmnerven des Patienten weitergeleitet werden.

          Sogar mit verbundenen Augen errät der Proband, welchen Gegenstand er in seiner künstlichen Hand hält.

          Der Mikrosystemtechniker Thomas Stieglitz von der Universität Freiburg hat die ultradünnen, extrem präzisen Elektroden entwickelt, die selbst extrem schwache Signale ins Nervensystem an die verbundenen vier Ulnaris- und Mediannerven weitergeleitet haben. Noch ist die bionische Hand noch zu klobig und schwerfällig, was die Feinsteuerung angeht, um als feste Prothese implantiert zu bleiben. Schließlich muss die Kunsthand auch noch als Medizinprodukt zugelassen werden.

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