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Bessere Defibrillatoren : Unnötige Elektroschocks

  • -Aktualisiert am

Chirurg bei Herzoperation Bild: dpa

Verzögerte Defibrillator-Signale sind wirkungsvoller und verringern die Sterblichkeit. Das ist das Ergebnis einer Studie an 1500 Patienten.

          2 Min.

          Die implantierbaren Defibrillatoren, winzige Elektrodensysteme zur Verhinderung eines plötzlichen Herztods, geben teilweise auch ohne triftigen Grund elektrische Schocksignale ab - ein Nachteil, der die Patienten erheblich belastet. Anders als weithin angenommen, fallen die unnötigen Stromstöße allerdings nicht in die Rubrik „unangenehm, aber weitgehend harmlos“. Laut den Ergebnissen einer aktuellen Studie unterminieren sie vielmehr die lebensrettende Wirkung der automatischen Schockgeber. Stellt man die Defibrillatoren nämlich so ein, dass sie nur noch selten überflüssige elektrische Impulse aussenden, verringert sich zugleich auch die Sterblichkeit der Patienten. Überzeugende Belege für einen solchen Zusammenhang haben jedenfalls Wissenschaftler um den amerikanischen Kardiologen Arthur Moss von der University of Rochester in New York „im New England Journal of Medicine“ vorgelegt (doi:10.1056/NEJMoa1211107).

          Weniger Strömstöße - geringere Sterblichkeit

          In der Studie mit dem Kürzel MADIT-RIT hatten die Forscher untersucht, ob sich die Zahl der unnötigen elektrischen Impulse verringern lässt, wenn die Schockgeber weniger empfindlich einstellt sind als bislang üblich. Hierzu programmierten sie die Defibrillatoren von 1500 Patienten, die bis dahin noch kein bedrohliches Herzrasen erlitten hatten, zu je einem Drittel entweder wie gewohnt (Kontrollgruppe) oder auf eine von zwei neuen Arten. Bei der herkömmlichen Einstellung schaltete sich der Defibrillator ein, wenn das Herz länger als zweieinhalb Sekunden lang mit einer Frequenz von mindestens 170 pro Minute schlug. Bei der verzögerten Aktivierung feuerte er beim gleichen Puls, jedoch erst nach 60 Sekunden. Und bei der dritten Anwendungsart reagierte er erst von einer Herzfrequenz von 200 Schlägen pro Minute an, dann allerdings schon nach zweieinhalb Sekunden. Das Ergebnis: Verglichen mit dem herkömmlichen Vorgehen, führten beide neuen Programmierungsarten zu einem drastischen Rückgang der unnötigen Stromimpulse und - was viele nicht für möglich gehalten hatten - einer geringeren Sterblichkeit. So gaben die wie gewohnt eingestellten Defibrillatoren im Verlauf von eineinhalb Jahren insgesamt 1000 überflüssige Stromstöße ab.

          Bei den Geräten mit verzögerter Aktivierung waren es demgegenüber nur 264 und bei jenen, die erst ab einer erhöhten Herzfrequenz feuerten, sogar lediglich 75. Was die Sterblichkeit angeht, erlagen in der Kontrollgruppe knapp sieben Prozent der Patienten einem schweren Leiden. In den beiden anderen Kollektiven waren es nur etwa halb so viele Patienten. Ein weiterer Vorteil der Programmierung war, dass sie deutlich weniger Energie verbrauchte und die Batterien somit mehr schonte. Je länger diese halten, desto seltener müssen sich die Patienten einem Gerätewechsel unterziehen.

          Geschickte Programmierung

          Wie einer der Studienautoren, Helmut Klein von der University of Rochester, auf Anfrage darlegt, hatten die Ethikkommissionen und viele Ärzte zunächst befürchtet, die erst später erfolgenden Impulsabgaben könnten das Risiko für einen Herztod erhöhen. Es sei daher nicht leicht gewesen, sie von der Notwendigkeit des Projekts zu überzeugen. Weshalb die herkömmliche Programmierung mit einer erhöhten Sterblichkeit einherging, ist bislang zwar unklar. Klein hält es gleichwohl für denkbar, dass die unnötigen Elektroschocks mitunter selbst ein tödliches Herzflimmern - das sind unkoordinierte Zuckungen der Hauptkammern des Herzens - erzeugen. „Nicht jedes Herzrasen mündet zwangsläufig in ein solches Kammerflimmern und muss daher sofort beendet werden“, erklärt der Kardiologe. „Oft hört das Herzjagen vielmehr von selbst wieder auf.“ Das Verdienst der Studienautoren ist es, die Frage nach der korrekten Programmierung der kleinen Lebensretter systematisch angegangen zu haben. Denn was nützen immer bessere, zunehmend komplexere medizinische Geräte, wenn man deren therapeutisches Potential nicht zu nutzen vermag?

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