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Berufskraftfahrer : Ständige Angst vor dem Einnicken

  • -Aktualisiert am

Gefährdete Berufsgruppe: LKW-Fahrer im Einsatz Bild: picture-alliance/ ZB

Besonders Berufskraftfahrer kämpfen häufig mit ihrer Müdigkeit, die fatale Folgen haben kann. Verstärkt werden diese Probleme durch nächtliche Schlafstörungen. Studien zum Thema zeigen oft erschreckende Ergebnisse.

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          Wer sich auf eine der vielen nächtlichen Omnibusreisen quer durch Europa begibt, hofft wohl beim Einsteigen, dass er bald einnickt und die Unbilden solch einer Fahrt verschläft. Niemand erwartet, dass der Busfahrer, dem er sich anvertraut, in ähnlich müdem Zustand am Lenkrad sitzt. Daher dürften die Ergebnisse, die kürzlich auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin in Mainz vorgestellt wurden, nicht nur Mediziner wachrütteln.

          Zunehmend befassen sich deutsche und internationale Arbeitsgruppen mit der Schläfrigkeit von Berufskraftfahrern und den damit zusammenhängenden Unfallrisiken. Britta Geißler vom Institut für Arbeitsmedizin der Universität Mainz berichtete von einer noch laufenden Studie an Busfahrern im Fernverkehr. Mit verschiedenen Tests überprüften die Mainzer die Schläfrigkeit von bis jetzt 27 Fahrern. Sieben davon, also rund ein Viertel, zeigten klare Hinweise auf ein bedenkliches Schläfrigkeitsniveau.

          Selbsteinschätzung weicht stark von Ergebnis ab

          Erfasst wurde zunächst die subjektive Selbsteinschätzung der Fahrer, etwa mittels der sogenannten Karolinska-Schläfrigkeitsskala. Hinzu kam ein objektiveres Verfahren, die Pupillographie. Hierbei werden unmittelbar vor der Fahrt im Sitzen die spontanen Änderungen der Pupillenweite in dunkler Umgebung aufgezeichnet. Der aus der Untersuchung abgeleitete Pupillenunruheindex gibt die Schwankungen der Pupillenweite in Millimeter pro Minute an und gilt als Maß für das Aktivierungsniveau im Gehirn oder eben auch für die Schläfrigkeit des Probanden.

          Es stellte sich heraus, dass insbesondere vor Fahrtbeginn die Selbsteinschätzung mitunter deutlich von dem Ergebnis der Pupillographie abwich. Die Fahrer gaben an, sich wach und munter zu fühlen, der Pupillenunruheindex ließ indes gänzlich anderes vermuten. Ob die vorher als übermüdet eingestuften Fahrer dann während der Fahrt womöglich tatsächlich kurz einnickten, soll später anhand von Videoaufzeichnungen ermittelt werden, die während der Fahrten vorgenommen wurden.

          Bedenkliche Ergebnisse zum Einnicken am Steuer

          Andere Untersuchungen kommen zu ähnlich bedenklichen Ergebnissen. In einer am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Tübingen vorgenommenen Studie waren 256 Fernfahrer an Raststätten befragt worden. 43 Prozent von ihnen gaben an, sich an ein Einnicken während ihrer Fahrten im vorangegangenen Jahr zu erinnern. Monotone Nachtfahrten auf geraden Autobahnstrecken begünstigen das Einnicken und die dadurch verursachten Unfälle. Allerdings fand man auch in Israel, wo Langstrecken- und Nachtfahrten unüblich sind, dass von den befragten Lastwagenfahrern rund 30 Prozent berichteten, kürzlich am Steuer eingeschlafen zu sein.

          13 Prozent waren in müdigkeitsbedingte Unfälle verwickelt gewesen. Lastwagen machen in Israel sechs Prozent aller Fahrzeuge aus, Unfälle mit diesen Fahrzeugen sind indes die Ursache für 20 Prozent aller Verkehrstoten. Als Grund für die Müdigkeit wurden in dieser Erhebung die widerrechtlich langen Arbeitsschichten von mehr als 12 Stunden genannt. Hierzulande hängen 25 Prozent aller tödlichen Autobahnunfälle mit dem Einschlafen am Steuer - allerdings nicht nur der Berufsfahrer - zusammen.

          Höheres Risiko bei Fahrern wegen sitzender Tätigkeit

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