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Begriffserklärung : Xenotransplantation

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          Wenn Borstenviecher zu Organspendern werden sollen, müssen gleich drei biologische Barrieren überwunden werden. Die erste ist die menschliche Immunabwehr, die artfremdes Gewebe mit Abstoßungsreaktionen loszuwerden versucht. Würde es gelingen, sie auszuschalten, droht die zweite Hürde: Es gibt erhebliche physiologische Unterschiede zwischen Mensch und Schwein. Die Leber beispielsweise produziert mehr als zweitausend spezifische Faktoren, daher ist kaum zu erwarten, dass Schweinelebern ein dauerhafter Ersatz für den Menschen sind. Sollten sich nun die Künste der Genchirurgen bei der sogenannten Humanisierung von transgenen Schweinerassen so weiterentwickeln, dass die Organe identisch sind, bliebe ein drittes, kaum kalkulierbares Risiko, nämlich die Übertragung von Keimen.

          Prothese aus dem Labor: eine künstliche Rattenpfote

          Erst kürzlich wurde eine neuartige Gruppe von Hepatitis-E-Erregern isoliert, die in vielen Schweinen kursiert. Selbst im Erbgut steril gehaltener Zuchtschweine lauern Dutzende endogener Retroviren, sogenannte PERVs. Diese könnten sich als blinde Passagiere im Empfänger vermehren und im schlimmsten Fall Zoonosen oder sogar Pandemien auslösen. Wie wahrscheinlich das ist, weiß niemand zu sagen. Die Risiken steigen aber, wenn sich vermehrungsfähige Viren während einer Immunsuppression, die bei einer Transplantation immer notwendig ist, an den menschlichen Wirt anpassen. So bleibt die Geschichte der Xenotransplantation einstweilen die eines wiederkehrenden Scheiterns. Allein Herzklappen vom Schwein werden seit vielen Jahren erfolgreich transplantiert. Demnächst stehen wahrscheinlich xenogene Augenlinsen an.

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