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Aufmerksamkeitsstörung ADHS : Methylphenidat wird weniger verordnet

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Eine Packung Tabletten des Medikaments Medikinet, das genau wie Ritalin den Wirkstoff Methylphenidat enthält Bild: dpa

Der Verbrauch von Methylphenidat, dem klassischen Mittel für die Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen bei Kindern, ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich gesunken - nach Jahrzehnten des Anstiegs.

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          Der Verbrauch von Methylphenidat, dem klassischen Mittel für die Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörungen), ist in Deutschland im Jahr 2014 erneut zurückgegangen, teilt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. Mit 1716 Kilogramm wurden rund fünf Prozent weniger verbraucht als im Vorjahr. Nach dem Höchststand von 1839 Kilogramm im Jahr 2012 war der Verbrauch 2013 erstmals nach zwanzig Jahren um knapp zwei Prozent auf 1803 Kilogramm gesunken.

          Von 2002 bis 2012 hatte sich der Verbrauch verdreifacht. „Der erneute Rückgang zeigt, dass wir mit den geänderten Anwendungsbedingungen für Methylphenidat auf dem richtigen Weg sind“, sagte BfArM-Präsident Karl Broich. „Der Umgang mit Methylphenidat braucht aber auch weiterhin besonderes Augenmaß, damit Patientinnen und Patienten von einer gezielten Therapie profitieren und zugleich vor unkritischer Überversorgung geschützt werden.“

          Neue Regeln

          Die Zulassung von Methylphenidat für die Behandlung Erwachsener im April 2011 hatte sich nur unwesentlich auf den Verbrauch ausgewirkt. Im Jahr 2009 waren die Anwendungsbedingungen aufgrund der stark angestiegenen Verordnungszahlen in einem europäischen Risikobewertungsverfahren neu definiert worden. Danach dürfen Arzneimittel zur Behandlung der ADHS bei Kindern und Jugendlichen nur von Spezialisten für Verhaltensstörungen verordnet und unter deren Aufsicht angewendet werden. Bei der Diagnosestellung müssen medizinische und psychologische Aspekte sowie das soziale und das schulische Umfeld berücksichtigt werden.

          Das BfArM begrüßt den rückläufigen Methylphenidat-Verbrauch. Zugleich muss aus Sicht des BfArM jedoch sichergestellt werden, dass Patientinnen und Patienten, bei denen nicht medikamentöse Maßnahmen keinen ausreichenden Behandlungserfolg zeigen und die von einer Behandlung mit Methylphenidat profitieren, der Zugang zu dieser Behandlungsoption ermöglicht wird.

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