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Arzneivorräte im Hospiz : Die ungeöffnete Packung ist Sondermüll

  • -Aktualisiert am

Bares Geld: Ungebrauchte Medikamente Bild: dpa

Medikamente aus dem Vorrat verstorbener Patienten könnten noch genutzt werden. Doch die Hospize müssen die Mittel vernichten. Einige der Häuser wollen sich damit nicht mehr abfinden.

          Hospize müssen auch weiterhin alle Arzneimittel eines Verstorbenen vernichten, selbst dann, wenn die Packungen gar nicht geöffnet worden sind. Die Bundesregierung wird kein Gesetz auf den Weg bringen, das die Weiterverwendung von Medikamenten in Hospizen erlaubt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Als Begründung führt die Bundesregierung Gefahren bei der Arzneimittelsicherheit an. In Deutschland sorgt ein gesetzlich geregeltes Apothekenmonopol dafür, dass nur Apotheker Medikamente lagern und aushändigen dürfen. Diese sind dann auch für die Abgabe der einwandfreien Ware verantwortlich. Die Bundesregierung geht nicht davon aus, dass die Weiterverwendung von übriggebliebenen Medikamenten in Hospizen die Arzneimittelausgaben derart reduzieren würde, dass die erzielten Einsparungen eine Abweichung von diesem bewährten Prinzip rechtfertigen würden. Im vergangenen Jahr sind laut der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Arzneimittel im Wert von 39,1 Milliarden Euro in Deutschland verordnet worden.

          Allerdings kennt niemand das deutschlandweite Einsparpotential, das sich aus der Weiterverwendung von Arzneimitteln im Hospiz ergeben würde. Dazu gibt es keine statistisch belastbaren Zahlen. Das hat auch die Bundesregierung in ihrer Antwort eingeräumt, gleichzeitig aber auch klar gesagt, dass sie nicht beabsichtige, solche Zahlen zu erheben. Frank Johannes Hensel, Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum Köln, wirft der Bundesregierung deshalb vor, dass sie gar keine Kenntnis vom wahren Ausmaß des Problems habe und vorschnell auf die Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen reagiert habe.

          Hensel kennt zwar auch nicht den genauen Gegenwert der vernichteten Medikamente für die Bundesrepublik, verfügt aber über eine akribisch erhobene Stichprobe aus sechs Hospizen in der Trägerschaft des Erzbistums Köln sowie eine Hochrechnung für alle Hospize des Bistums und für alle Hospize in Nordrhein-Westfalen. Demnach werden in den zwölf Einrichtungen der Caritas im Erzbistum Köln Arzneimittel im Wert von 159 000 Euro pro Jahr vernichtet. In den 62 Hospizen in NordrheinWestfalen landen jährlich Arzneimittel im Wert von 850 000 Euro im Müll. Diese im Sommer von Hensel und Martha Wiggermann, Referentin beim Diözesan-Caritasverband in Köln, veröffentlichten Zahlen hatten die Anfrage an die Bundesregierung ins Rollen gebracht. Für diese Berechnungen sind drei Monate lang alle in den sechs Hospizen übriggebliebenen Medikamente registriert worden. Hochgerechnet wurden die Zahlen dann über die Sterbequote. Für Hensel ist die Entsorgung der vom Hospiz verwalteten Medikamente medizinisch und ökonomisch unsinnig. Der Internist, der einige Jahre für die Bundesärztekammer gearbeitet hat, möchte, dass die unverbrauchten und ungeöffneten Medikamente in einen nicht personengebundenen Vorrat aufgenommen werden, aus dem der Arzt sie dann an andere Bewohner im Hospiz weiterverordnen kann. Derzeit werden die übriggebliebenen Medikamente über die Apotheken entsorgt. Das meiste wird verbrannt, einiges landet im Sondermüll.

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