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Anti-Aging : Jünger und muskulöser - aber auch unfruchtbar

  • -Aktualisiert am

Anti-Aging für Männer hat seine Tücken: Die Verjüngungskuren mit Testosteron bremsen die Produktion von Spermien.

          Der Wunsch, jünger zu wirken, als man ist, wird zwar gemeinhin eher Frauen zugeschrieben, das starke, aber ebenfalls alternde Geschlecht holt jedoch auf. Ebenso wie Frauen sind Männer bereit, viel Geld für Anti-Aging-Produkte auszugeben - 50 Milliarden Dollar sollen es bereits jährlich sein, die man für die stetig wachsende Verjüngungsindustrie in den Vereinigten Staaten übrig hat, weltweit werden die Ausgaben auf 115,5 Milliarden Dollar beziffert. Und ebenso wie Frauen scheuen Männer nicht davor zurück, gesundheitliche Schäden hierfür zu riskieren. Obwohl es paradox klingt, blockieren gerade jene Substanzen, die dem körperlichen Verfall des Mannes Einhalt gebieten sollen, eine der wichtigsten Kenngrößen physiologischer Vitalität, nämlich die Fähigkeit, Kinder zu zeugen und sich fortzupflanzen. Auf diesen Umstand machte die Arbeitsgruppe um Jared L. Moss von der Universitätsmedizin in Knoxville (Tennessee) in der Zeitschrift „Fertility and Sterility“ aufmerksam (Bd.99 [7], S. 1814).

          Die Autoren weisen darauf hin, dass dies von immer größerer Bedeutung ist, denn die alternden Männer, die jünger sein wollen, haben die Familienplanung keineswegs abgeschlossen: Während 1970 weltweit nur 15 Prozent aller Männer jenseits des 35. Lebensjahres waren, als sie Vater wurden, sind es inzwischen 25 Prozent. In Deutschland war bereits 1970 ein Fünftel der Väter über 35, im Jahr 2000 ein Drittel, 2007 waren es 40 Prozent. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes für das Jahr 2010 wurden 117 000 Männer jenseits des 40. Lebensjahres Vater. Von 2000 bis 2010 stieg die Zahl der Über-70-Jährigen unter den werdenden Vätern um 20 Prozent.

          In der aktuellen Studie warnen die Wissenschaftler insbesondere vor der Anwendung von Testosteron und anabolen Steroiden. Sie sollen gegen Müdigkeit und schwindende sexuelle Lust helfen und dem Muskelaufbau dienen, funktionieren praktisch aber auch wie eine Verhütungspille für den Mann. Als solche werden diese Hormone regelmäßig in Studien getestet. Selbst wenn sie zur Verhütung nicht sicher genug sind, so blockieren sie über negative Feedbackmechanismen vom Gehirn bis zu den Hoden die verschiedenen Sexualhormone doch erheblich, oder sie hemmen deren Umwandlung. Da diese Kaskade für Entstehung und Reifung der Spermien unerlässlich ist, produzieren 65 Prozent der Männer, die täglich 200 Milligramm Testosteron einnehmen, nach sechs Monaten keine Spermien mehr. Hinzu kommen eine Atrophie, ein Schrumpfen des Hodengewebes, und auch eine Teratozoospermie - Missbildungen der Samenzellen. Die zahlreichen Studien, die sich mit den vermehrten gesundheitlichen Schäden bei den Nachkommen von älteren Vätern befassen, müssen deshalb künftig auch den Anti-Aging Hormonkonsum dieser Klientel in den Blick nehmen.

          In einer soeben im „New England Journal of Medicine“ erschienenen Arbeit wird der rasante Anstieg der Testosteronverschreibungen thematisiert, der Mangelerscheinungen beheben soll, die mitunter auf dubiosen Grenzwertdefinitionen für Testosteron-Konzentrationen beruhen. Der steile Anstieg begann zwischen 1993 und 2000. Damals stiegen die Verordnungen allein um 500 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren um 170 Prozent. In der Publikation wird klar, dass sich die Verschreibungen oft jenseits pharmakologischen Sachverstandes bewegen, da Testosteron sehr individuell im männlichen Körper in das weibliche Sexualhormon Östrogen umgewandelt wird. Wird dies nicht berücksichtigt, nützt die hormonelle Stütze nichts und schadet nur, indem auch noch vermehrt Fettgewebe statt Muskeln entsteht (doi: 10.1056/NEJMoa1206168). Viele Männer nehmen daher zusätzlich und vorbeugend zu männlichen Sexualhormonen und anabolen Steroiden sogenannte Aromatase-Hemmer ein.

          Diese blockieren das Enzym, das Testosteron und seine Abkömmlinge in das weibliche Sexualhormon Östrogen umwandelt - damit möchten sie verhindern, dass ihnen Brüste wachsen. Allerdings bergen die Aromatase-Hemmer ihrerseits das Risiko, dass die Knochendichte abnimmt. Diese Männer entwickeln dann häufiger eine Osteoporose, die harte äußere Muskelschale umgibt so einen weichen, brüchigen Knochenkern. Nehmen Männer jenseits der Jugend noch anabole Steroide ein, dazu gehören Oxandrin, Dianabol, Winstrol und Durabolin, handelt es sich häufig um eine Altlast des Bodybuildings in Jugendzeiten, die in eine Abhängigkeit mündete. Um von den Anabolika loszukommen, dient wiederum Clomiphen-Zitrat, dessen Wirkung auf die Spermienqualität allerdings nur unzureichend untersucht ist. Wenn schon Hormon-Anti-Aging, dann dürften Hormone wie das Wachstumshormon (Human Growth Hormone, HGH) oder humanes Gonadotropin (HCG) zumindest im Hinblick auf die Samenzellproduktion weniger schädlich sein. Deren Wirkung könnte die Spermiogenese sogar fördern, sicher belegt ist dieser Vorteil jedoch nicht.

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