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Schutz gegen Alzheimer? : Gicht statt Demenz

  • -Aktualisiert am

Ist Alzheimer-Demenz- hier zwei Bewohnerinnen in einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke - eine Infektionskrankheit? Das letzte Wort ist wohl noch nicht gesprochen. Bild: dpa

Die schwere Krankheit Gicht, ein Entzündungsleiden, hat offenbar auch so etwas wie eine gute Seite: Bei Betroffenen sinkt das Alzheimer-Risiko.

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          Ehemals Krankheit der Könige genannt, besitzt die Gicht möglicherweise auch eine gute Seite. Neuen Erkenntnissen zufolge könnte das Entzündungsleiden, das unter anderem durch einen hohen Fleischverzehr begünstigt wird, mit einem verminderten Risiko für eine Alzheimersche Demenz einhergehen. Hierfür sprechen zumindest die Ergebnisse einer neuen Erhebung, die auf den Gesundheitsdaten von knapp 300.000 älteren Einwohnern Großbritanniens gründet. Fast 60.000 der darin erfassten Männer und Frauen hatten bereits einen Gichtanfall erlitten, die übrigen nicht.

          Zu diesem verbreiteten Leiden kommt es, wenn sich Harnsäurekristalle in den Gelenken ablagern und hier starke Entzündungen hervorrufen. Verursacht durch zu hohe Harnsäurekonzentrationen im Blut, treten Gichtattacken vorzugsweise an der Wurzel der großen Zehen und an den Fingergelenken auf. Die für die Erkrankung charakteristischen Harnsäurekristalle können sich allerdings auch in anderen Körperbereichen ansammeln, etwa unter der Haut oder in der Niere.

          Vermindertes Risiko

          Wie die Studienautoren um den Rheumatologen Hyon Choi von der Harvard University in Boston in der Online-Ausgabe der „Annals of the Rheumatic Diseases“ (doi: 10.1136/annrheumdis-2014-206917) berichten, erhielten im Verlauf von durchschnittlich fünf Jahren 2251 Probanden die Diagnose Alzheimersche Demenz. Die Gichtpatienten traf ein solches Schicksal vergleichsweise seltener: Hier lag der Anteil an Betroffenen bei fünf von 1000, im anderen Kollektiv hingegen bei acht von 1000. Dieser Unterschied erwies sich zudem als weitgehend unabhängig von potentiellen Störeinflüssen, etwa dem sozioökonomischen Hintergrund und der Einnahme bestimmter Medikamente.

          Wie sich ferner zeigte, trugen nur Personen mit Gicht ein vermindertes Risiko für eine Alzheimerdemenz, nicht hingegen solche mit Arthrose und daher einer Gelenksentzündung anderer Ursache. Choi und seine Kollegen halten es daher für denkbar, dass bestimmte, der Gicht zugrundeliegende Stoffwechselprozesse einer Alzheimerkrankheit entgegenwirken. Am ehesten in Betracht kommt demnach der gichttypische Überschuss an Harnsäure im Blut. Denn diese Verbindung, die beim Abbau körpereigener und fremder DNA anfällt und über die Niere ausgeschieden wird, verfügt über starke antioxidative Eigenschaften und setzt folglich aggressive Sauerstoffradikale außer Gefecht.

          Wie die Forscher mutmaßen, schützt sie daher möglicherweise vor Demenz, indem sie das Gehirn vor oxidativen Schäden bewahrt. In der Tat haben auch andere Wissenschaftler Hinweise darauf erhalten, dass Personen mit hohen Harnsäurewerten im Blut – die im Übrigen längst nicht immer in eine Gicht mündet – seltener an Demenz erkranken als solche mit geringen Konzentrationen dieses Stoffs. Solche Beobachtungen mögen aus wissenschaftlicher Sicht von Interesse sein. Ob sie auch im Alltag relevant sind, ist hingegen fraglich. Denn hohe Harnsäuremengen im Blut, die oft die Folge eines übermäßigen Konsums von tierischen Lebensmitteln und Alkohol darstellen, begünstigen nicht nur die Entstehung von schweren Gelenkschäden. Sie fördern außerdem die Ausbildung von Herzinfarkten und Hirnschlägen – Leiden, die ihrerseits das Risiko einer Demenz in die Höhe treiben.

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