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Alte Studien in neuem Licht : Forscher kratzen am Image der Omega-3-Fettsäuren

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Makrelen in einer Fischräucherei: Sie sind reich an wertvollen Fettsäuren Bild: dpa

Omega-3-Fettsäuren sollen Herzkrankheiten verhindern und sich positiv auf die Intelligenz von Föten auswirken. Doch jetzt kritisieren zwei Forschergruppen den Hype um das Wundermittel.

          Seit den siebziger Jahren hält sich der „Eskimo-Mythos“: Die dänischen Chemiker Jorn Dyerberg und Hans Olaf Bang fertigten damals Studien an, denen zufolge Eskimos weniger Herzkrankheiten und Schlaganfälle erlitten und auch eine hohe Lebenserwartung hätten, weil sie sich von viel Fisch und auch vom Fleisch diverser Meeressäuger, etwa von Walen, ernährten. Kanadische Forscher um George Fodor vom University of Ottawa Heart Institute haben sich diese alten Studien nun vorgenommen und treten im „Canadian Journal of Cardiology Questions“ den Gegenbeweis an: Sie belegen, dass Dyerberg und Bang sich damals nur auf Angaben des „Chief Medical Officers“ von Grönland verließen, der die Statistik zu Todesfällen durch Herzkreislaufleiden bekanntgab. Doch vor vierzig Jahren lebten mehr als dreißig Prozent der grönländischen Bevölkerung in schwer zugänglichen Außenposten. Dort gab es keine Ärzte; die Totenscheine wurden schlicht nicht mit exakten Diagnosen ausgefüllt.

          Neuen Daten zufolge, so die Autoren der neuen Untersuchung, weise die Bevölkerung Grönlands eine ähnliche Rate an Schlaganfällen auf wie in Industrienationen. Die Lebenserwartung der Eskimos liege sogar zehn Jahre unter der des typischen Dänen, so Fodor, der die alten Belege für die Gesundheit der Eskimos, die oft auf die hohe Einnahme von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl zurückgeführt wurde, nun nicht mehr gelten lassen will.

          Untersuchung an Kleinkindern

          Auch Forscher um Maria Makrides von South Australian Health and Medical Research Institute im australischen Adelaide kratzen am Image der Omega-3-Fettsäuren, die in Seefisch und Leinöl reichlich vorkommen und auch als Kapseln oft empfohlen werden. In einer Studie im Magazin „JAMA“ verabreichten die Forscher um Makrides schwangeren Frauen entweder Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren oder ein Placebo (doi:10.1001/jama.2014.2194). Die Kinder wurden im Alter von achtzehn Monaten und vier Jahren getestet; die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten der Kinder, deren Mütter die echten Kapseln eingenommen hatten, erschienen gegenüber denen derjenigen, die Scheinmittel bekommen hatten, nicht verbessert.

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