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Alkoholismus : Wodka sorgt für sinkende Lebenserwartung in Russland

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Nur 64 Jahre - das ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Russland. Wissenschaftler machen jetzt in einer Studie den massiven Wodka-Konsum verantwortlich.

          In der kommenden Woche wird die Weltöffentlichkeit auf die Olympischen Winterspiele nach Sotschi schauen. Die Zeitschrift „Lancet“ öffnet derweil den Blick auf ein russisches Problem, das so ganz und gar nicht zur strotzenden Gesundheit der anreisenden Olympioniken passt: die geringe Lebenserwartung der russischen Bevölkerung. In Russland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 64 Jahren. Das sind sechzehn Jahre weniger als in Deutschland. Jeder vierte russische Mann wird nicht einmal 55 Jahre alt. Frühere Studien machen den hohen Wodka-Konsum für die geringe Lebenserwartung verantwortlich. Zwei bis drei Flaschen pro Woche sind für viele Russen eine übliche Wochenration. Die Studie im neuen „Lancet“ lässt jetzt keinen Zweifel daran, dass der viele Wodka das Leben der Russen verkürzt. Allerdings zeigt die Untersuchung auch, dass die Lebenserwartung der russischen Männer durch Alkohol- und Nikotinmissbrauch reduziert wird und dass vor allem Komasaufen zur Sterblichkeit beiträgt. Die Wirkungen des Rauchens und des Alkohols lassen sich in Russland kaum voneinander trennen, weil fast jeder, der dort viel trinkt, auch viel raucht. Neunzig Prozent derjenigen, die drei und mehr Flaschen Wodka in der Woche trinken, sind auch nikotinabhängig.

          Hohes Sterberisiko

          Wer in Russland zwischen 35 und 54 Jahren alt und männlich ist, raucht und mehr als drei Halbliterflaschen Wodka pro Woche trinkt, hat nach der „Lancet“-Studie ein Risiko von 35 Prozent in den nächsten zwanzig Jahren zu sterben. Wer zwischen 55 und 74 Jahre alt ist, hat unter den gleichen Bedingungen und über den gleichen Zeitraum ein Sterberisiko von 64 Prozent. Wer abstinenter ist und weniger als eine halbe Flasche Wodka pro Woche trinkt, hat in jüngeren Jahren ein Sterberisiko von 16 Prozent, in älteren Jahren von 50 Prozent. Wenn Russland nicht auf Dauer zu den fünfzig Ländern mit der geringsten Lebenserwartung auf dem Globus gehören möchte, sollte die russische Regierung dringend etwas gegen den Alkohol- und Tabakkonsum tun.

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