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Alkoholismus : Und ein letztes Glas im Stehn

In Deutschland trinken insbesondere gutsituierte Männer im Alter zwischen 55 und 64 häufig mehr als das berühmte eine Glas. Was es kostet, ist ihnen eher egal. Bild: dpa

Schottland führt als erstes Land einen Mindestpreis für Alkohol ein. Das bedeutet das Aus für den Fusel zum Discounterpreis. Bringt das was?

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          Der liberale Politiker David Llyod George, britischer Premierminister während des Ersten Weltkriegs, hatte das richtige Gespür. „Wir bekämpfen drei Feinde, Deutschland, Österreich und den Alkohol, und soweit ich das beurteilen kann, ist der größte dieser drei Todfeinde der Alkohol.“ Bis heute hat sich Großbritannien, Geburtsstätte des Binge-Drinkings, also des exzessiven Konsums von mindestens fünf alkoholischen Getränken, nicht der „kontinentalen Trinkkultur“ angepasst, wie es sich Tony Blair durch Abschaffung der Sperrstunde erhofft hatte. Mit 12,3 Litern reinen Alkohols, die ein Brite durchschnittlich im Jahr konsumiert, belegt der Inselstaat einen der vorderen Plätze der aktuellen WHO-Rangliste zum Verbrauch.

          Konzentriert man sich auf Schottland, wird sogar noch mehr getrunken, so dass sich die schottische Regierung offenbar zu drastischen Mitteln gezwungen sah. Erstmals und einmalig auf der Welt gilt dort nun ein gesetzlicher Mindestpreis für Alkohol. Seit Anfang Mai muss eine Einheit von zehn Millilitern reinen Äthanols mindestens 50 Pence kosten (57 Cent), eine handelsübliche Flasche Whisky darf somit nicht unter 16 Euro verkauft werden. Für Billigschnaps bedeutet das einen Preisanstieg von mehr als drei Euro. In Deutschland wiederum vertraut man trotz eines Pro-Kopf-Konsums von immerhin 11,4 Litern weiterhin darauf, dass „die breite Masse Alkohol maßvoll und verantwortlich genießt“. So formuliert es jedenfalls Marc Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund. Ob in Politik oder Gesellschaft, man trifft sich eben gern in feuchtfröhlicher Runde, da gehört die Maß Bier oder ein Glas Wein dazu. Alkohol ist als Gemeinschaftsdroge akzeptiert.

          Einen Kurzen für ein kurzes Leben

          Das Risiko, eine Leberzirrhose oder psychische Probleme davonzutragen, kann die traditionsbewussten Verfechter einer deutschen Bierkultur offenbar nicht schrecken. Doch sind die schädlichen Auswirkungen des Stoffs in etlichen Studien belegt. Erst kürzlich veröffentlichte die britische Epidemiologin Angela Wood mit internationalen Kollegen in „The Lancet“ eine Metastudie, die Daten zu nahezu 600.000 Trinkern berücksichtigte. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Alkohol auch in Mengen unterhalb des derzeit geltenden Maximalrichtwerts von zwanzig Gramm pro Tag (ungefähr einem großen Glas Bier) das Leben verkürzt und dem Körper in vielerlei Hinsicht schadet. Während man in Deutschland immer wieder um kryptische und daher wenig beachtete Richtwerte feilscht, zeigen sich die Schotten pragmatisch. Auf wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sie beherzt Taten folgen.

          Bevor sie einen Mindestpreis festsetzte, ließ die schottische Regierung an der University of Sheffield ein Modell erstellen, wie sich eine Preisveränderung auswirken würde. Dieses beruht auf zwei großangelegten Umfragen, dem Scottish Health Survey und dem Scottish Schools Adolescent Lifestyle Survey. Letztere befasste sich mit Schülern im Alter von 13 bis 15 Jahren, gefragt wurde nach Trinkvorlieben, generellem Trinkverhalten und Kaufgewohnheiten. Durchschnittlich trinken schottische Teenager demnach zum ersten Mal im Alter von dreizehn Jahren, die meisten zu Hause. Im Geschäft kaufen sie Alkohol fast nie selbst.

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