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Alkohol in der Schwangerschaft : Rausch und Risiko

  • -Aktualisiert am

Bild: Rüchel, Dieter

Wie sehr schadet Alkohol in der Schwangerschaft dem Kind? Studien liefern so missverständliche Daten, dass die Autoren selbst anfangen, werdende Mütter eindringlich zu warnen.

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          Vermutlich ist es nicht gerade das, was ein Doktorand sich wünscht, wenn er sein Promotionsvorhaben abschließt: Die Dissertation der Dänin Janni Niclasen hat zwar internationale Aufmerksamkeit erhalten – allerdings mit der Schlagzeile: „Studie über Schwangerschaft und Alkohol versäumt es, psychologische Faktoren einzubeziehen“. Dass so viel über Niclasens Ergebnisse berichtet wurde, hat mit dem brisanten Thema zu tun. Die Psychologin wertete eine dänische Langzeitstudie aus, um Daten darüber zu gewinnen, wie sich Kinder in Abhängigkeit vom Alkoholkonsum der Mütter während der Schwangerschaft entwickeln.

          Dass die weltweit publizierte Schlagzeile die Ergebnisse der dänischen Psychologin herabwürdigt, ist hingegen auf Janni Niclasens eigenes Betreiben hin geschehen: Seitdem sie ihre Studie an der Universität Kopenhagen veröffentlicht hat, ist sie bestrebt, ihre Ergebnisse zu relativieren. Niclasen hat nämlich herausgefunden, dass Kinder von Frauen, die in der Schwangerschaft kleine Mengen von Alkohol konsumierten, im Alter von sieben Jahren emotional besser entwickelt waren und ein besseres Sozialverhalten zeigten als Kinder von Frauen, die als Schwangere gar nicht getrunken hatten. Allerdings, wird Niclasen jetzt nicht müde zu erläutern, waren die Frauen, die maßvoll Alkohol tranken, die am besten ausgebildeten Teilnehmerinnen der Studie, auch ihr Lebensstil war gesünder als der der anderen Probandinnen. Zudem habe sie darauf verzichtet, die Qualität der Bindung zwischen Kind und Mutter näher zu analysieren, die ja ebenfalls die emotionale Entwicklung von Kindern entscheidend beeinflusse.

          Gefürchtet: das Fetale Alkoholsyndrom

          Niclasen weist so deutlich auf die Schwächen ihrer Arbeit hin, weil sie um jeden Preis verhindern will, dass ihre Ergebnisse das Credo „Jeder Schluck ist einer zu viel“ ankratzen. Bis heute weiß niemand, welche Menge bei welcher Frau und welchem ungeborenen Kind ausreicht, um das Fetale Alkoholsyndrom auszulösen, das als die häufigste angeborene Erkrankung gilt; allein in Deutschland kommen jedes Jahr 5000 Kinder zur Welt, die unter der Entwicklungsstörung leiden. Immer wieder rütteln Studien an der Vorgabe, grundsätzlich auf Alkohol in der Schwangerschaft zu verzichten. Derart wissenschaftlich unterfüttert, greift eine neue Sorglosigkeit um sich: Wenn schwangere Prominente mit Weinglas gesichtet werden, findet sich inzwischen immer ein Experte für die Klatschpresse, der trinkende Mütter entlastet und Bedenken als übertrieben abtut. Dabei zeigen Studien wie die von Niclasen vor allem eines: Nicht einmal die am besten informierten und sozial integrierten Mütter sind unabhängig genug, um ihren Lebensstil in der Schwangerschaft zu ändern und privat sowie bei sozialen Anlässen abstinent zu bleiben. Aufklärung allein scheint nicht zu reichen. Es könnte eine neue Aufgabe für das Gesundheitssystem sein, Mütter darin zu bestärken, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen – wenigstens neun Monate lang.

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