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Akupunktur : Schmerzstillende Nadeln

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Schmerzstillende Akupunktur Bild: picture-alliance / dpa

Eine nach den Vorgaben der traditionellen chinesischen Medizin vorgenommene Akupunktur kann Migräneattacken merklich unterdrücken. Aber auch unspezifisches oder „falsches“ Nadelsstechen scheint zu wirken.

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          Eine gemäß den Vorgaben der traditionellen chinesischen Medizin vorgenommene Akupunktur kann Migräneattacken zwar bedeutend besser unterdrücken als tatenloses Zuwarten. Das fernöstliche Heilverfahren wirkt dabei allerdings nicht besser als eine unspezifische Akupunktur, bei der die Nadeln in einiger Entfernung von den einschlägigen Therapiepunkten in die Haut gestochen werden.

          Einen solchen Schluß legen zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Studie nahe, über die Wissenschaftler um Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der Technischen Universität in München soeben im "Journal" der Amerikanischen Medizingesellschaft ( "Jama", Bd. 293, S. 2118) berichtet haben. Bei den Teilnehmern der Untersuchung handelte es sich um rund dreihundert durchschnittlich 43 Jahre alte Männer und Frauen, die seit mindestens einem Jahr an häufig wiederkehrenden Migräneanfällen litten. Gemäß den Regeln des Zufalls wurden die Patienten in drei Therapiegruppen eingeteilt. Während eines Zeitraums von acht Wochen erhielt eine Gruppe zwölf Anwendungen einer traditionell chinesischen Akupunktur, die zweite eine unspezifische Akupunktur und die dritte Gruppe keinerlei vorbeugende Therapien. Bei Bedarf konnten freilich auch diese Probanden schmerzstillende Medikamente einnehmen.

          Akupunktur erfolgreicher als Schulmedizin

          Mit beiden aktiven Therapien gelang es, die Häufigkeit von Migräneanfällen deutlich zu verringern. Unabhängig von der Art der Akupunktur nahm die Zahl solcher Kopfschmerzepisoden von vormals fünf auf zwei pro Monat ab. Im Gegensatz hierzu erlitten die Patienten, die auf jegliche Art von Nadelstichtherapie verzichten mußten, am Ende der Untersuchung beinahe genauso viele Migräneattacken wie zuvor. Wie die Autoren in einem Nebensatz anmerken, haben sie diesen Betroffenen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls eine Akupunktur angeboten. Die Behandlungserfolge seien dabei genauso groß gewesen wie bei den Patienten der beiden anderen Therapiegruppen.

          Auch zwei frühere Untersuchungen (siehe F.A.Z vom 3.11.2004) haben ergeben, daß sich starke Schmerzen mit einer unspezifischen Akupunktur genauso gut angehen lassen wie mit dem traditionellen chinesischen Verfahren. Beide Methoden schnitten darin zudem bedeutend besser ab als die Schulmedizin. Weshalb Nadelstiche auch dann heilsame Wirkungen zeigen, wenn sie weit entfernt von den einschlägigen Meridianen angebracht werden, läßt sich bislang noch nicht mit Sicherheit sagen.

          Sind psychische Effekte verantwortlich?

          Einige Experten machen hierfür psychische Effekte verantwortlich. Demnach könnte allein die Tatsache, daß sich der Therapeut eingehend mit dem Patienten beschäftigt, bereits zu einem Abklingen der Beschwerden führen. Dieser Effekt scheint bei invasiven - mit größeren oder kleineren Eingriffen verbundenen - Therapien überdies besonders ausgeprägt zu sein. Schon vor etlichen Jahren haben Wissenschaftler beobachtet, daß Bypass-Operationen selbst dann schmerzstillende Wirkungen entfalten, wenn sie nur zum Schein vorgenommen werden.

          Allein das Öffnen und erneute Verschließen des Brustkorbs konnte Angina pectoris bei vielen Betroffenen merklich lindern. Inwieweit die Akupunktur ebenfalls über psychische Effekte körperliche Qualen zu besser vermag oder auf anderen Wegen heilsam wirkt, läßt sich derzeit noch nicht beantworten. Immer mehr zeichnet sich gleichwohl ab, daß sich mit diesem Heilverfahren sehr viel bessere Behandlungsergebnisse erzielen lassen als mit so manchem Medikament.

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