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Aids-Konferenz : Der Kampf gegen Aids geht weiter

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Bangkok: Einfache Forderung, schwierige Umsetzung Bild: dpa

Die Ausbreitung von Aids läßt sich bisher kaum aufhalten. Eine Lösung, wie man dies ändern könnte, wurde auch auf der Welt-Aids-Konferenz in Bangkok nicht gefunden. Ergebnisse gab es trotzdem.

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          HIV breitet sich schneller aus als je zuvor. So viel wurde auf der am Freitag zu Ende gegangenen 15. Welt-Aids-Konferenz in Bangkok deutlich. Mit 20000 Teilnehmern war es die größte und teuerste aller Zeiten. Nicht ohne Grund: Rund 40 Millionen Infizierte gibt es weltweit; fünf Millionen Menschen steckten sich allein im vergangenen Jahr neu an. Immer mehr Länder sind betroffen, in den Industriestaaten steigen die Raten wieder an. Probleme, für die man auch in Bangkok keine Lösung finden konnte. Ergebnisse gab es trotzdem. Wir fassen die wichtigsten zusammen:

          Zugang für alle

          Jede Aids-Konferenz hat ihr Motto. Vor zwei Jahren hieß es "Wissen und Einsatz", in diesem Jahr war es der "Zugang für alle". Gemeint ist in erster Linie der Zugang zu Medikamenten. Wie die Weltgesundheitsorganisation vor der Konferenz verkündete, haben derzeit weltweit 440000 HIV-Positive, also nur etwas mehr als ein Prozent, Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. Bis zum Jahr 2005 sollen es drei Millionen werden. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, wurde in Bangkok bezweifelt. Zuwenig Geld, zuwenig menschliche Ressourcen, hieß es. Kritik gab es wieder einmal an der amerikanischen Regierung, die mit ihrer Wirtschaftspolitik die Produktion von preisgünstigen Nachahmermedikamenten (sogenannten Generika) sabotiert. Medikamente allein wären aber nicht alles. Das zeigt sich am Beispiel Thailands: Zahlreiche Firmen produzieren dort antiretrovirale Generika, im ganzen Land gibt es aber nur rund einhundert Ärzte, die für deren therapeutische Anwendung ausgebildet sind. Das heißt: ein Arzt für mehr als 6000 Patienten. Und in weniger entwickelten Ländern sieht es noch schlimmer aus. Gefordert wird deshalb auch Zugang zu mehr Ausbildung. Der falsche Einsatz antiretroviraler Medikamente beschleunigt die Resistenzbildung und raubt verfügbaren Therapeutika die Wirkung.

          Asien oder Afrika?

          Während das Gastgeberland die Zahl der jährlichen Neuinfektionen durch rigorose Aufklärungsarbeit innerhalb von zwölf Jahren um 86 Prozent senken konnte, scheint sich in Indien, China und Rußland eine Katastrophe anzubahnen. Zwar liegen die absoluten Infektionsraten dort noch knapp unter der Ein-Prozent-Hürde, die den Übergang zur Epidemie markiert. Die Experten erwarten auch nicht, daß die asiatischen Raten jene von Südafrika (21 Prozent) oder Botswana (40 Prozent) erreichen - Asien wird Afrika also nicht als "Hotspot" Nummer eins ablösen. Aber: In Indien und China lebt je ein Sechstel der Weltbevölkerung. Eine Infektionsrate von einem Prozent stünde für je zehn Millionen HIV-Positive. Die bereits jetzt dramatische Zahl unheilbar kranker Menschen, die weltweit versorgt werden müssen, könnte sich also rasch vervielfachen. Besorgniserregend ist vor allem der geringe Kenntnisstand der Bevölkerung. In Osteuropa zum Beispiel wissen 95 Prozent der jungen Frauen nicht ausreichend über HIV Bescheid. Zugang zu Information und Aufklärung ist deshalb ebenso wichtig wie der Zugang zu Medikamenten.

          Kein Sex, kein Risiko

          Die beste Art von Safer Sex ist gar kein Sex. Zumindest nicht vor der Ehe; oder wenn, dann lebenslang mit nur einem Partner. Dieses erfrischend einfache Präventionsmodell wird von der Bush-Regierung propagiert. In Bangkok zeigte sich auch der ugandische Staatschef Yoweri Museveni von diesem Prinzip überzeugt. Tatsächlich sind es neuesten Studien zufolge untreue Männer, die das Virus aus den Risikogruppen zu ihren Frauen und damit in die breite Bevölkerung tragen. Selbst Frauen, die ganz und gar treu sind, sind also bedroht. Und der Glaube an eine globale Bekehrung zur Abstinenz ist naiv - und damit gefährlich. Kondome bleiben einstweilen der bei weitem wirksamste Schutz vor Ansteckung. Sie bleiben allerdings auch unbeliebt und in männlicher Hand.

          Weiblicher Schutz

          Frauentaugliche Alternativen zum klassischen Präservativ gab es bislang kaum. Das Kondom für Frauen, eine Art Latexsack, hatte wenig Erfolg. Favorisiert werden nun mikrobizide Gele, die das Virus in der Vagina töten sollen, bevor es in den Körper eindringt. Die Idee ist so alt wie der Kampf gegen Aids, doch erst jetzt verfolgt man sie ernsthaft. In Bangkok widmete man Mikrobiziden erstmals eine ganze Veranstaltung. Nach Rückschlägen mit Präparaten, die das Infektionsrisiko sogar erhöhten, laufen derzeit erste klinische Studien mit einer zweiten Generation von Gelen an. Mehr als 28000 Frauen in Afrika, den Vereinigten Staaten und Asien nehmen an den Tests teil. Erweisen sich die neuen Gele als wirksam, werden zwar noch bis zu fünf Jahre vergehen, ehe sie auf dem Markt sind. Da aber am Ende der Infektionskette oft die Kinder stehen, wäre ein solcher Schutz doppelt wertvoll.

          Die geplatzte Illusion

          Auf allen bisherigen Konferenzen war er Ziel und Hoffnungsträger: der Impfstoff gegen HIV. Rund achtzig verschiedene Ansätze für Aids-Vakzine hat es seit Beginn der neunziger Jahre gegeben; drei haben es bisher in die letzte Phase der klinischen Prüfung geschafft. Die Resultate einer ersten solchen Studie im Februar 2003 aber waren niederschmetternd. Keinerlei Wirkung konnte man dem Impfstoff AIDSVAX B/B bescheinigen, nachdem man ihn an mehr als 5000 Risikopersonen in Nordamerika, Puerto Rico, den Niederlanden und Kanada getestet hatte. Auch in Bangkok war die Enttäuschung deutlich zu spüren. Die anderen zur Zeit in Phase III befindlichen Impfstoffe ähneln dem gescheiterten. Bis neue Vakzine mit vielleicht aussichtsreicherem Wirkprinzip überhaupt so weit kommen, wird es Jahre dauern. Und bis sie dann vielleicht auf dem Markt sind, vermutlich ein weiteres Jahrzehnt. Zu spät, um die Katastrophe aufzuhalten. Ein Grund mehr, sich und seine Nächsten auf die bekannte Weise zu schützen.

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