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Aids : Ein Peptid wird zur Aids-Keule

  • -Aktualisiert am

Deutsche Wissenschaftler haben aus dem Blut ein Proteinbruchstück herausgefischt, das die HI-Viren offenbar regelrecht daran hindert, menschliche Zellen zu befallen. Das Fusionspeptid der Viren wird offenbar gezielt bekämpft.

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          Im menschlichen Blutplasma gibt es kleine Eiweiße, die die Vermehrung des Aids-Virus bremsen können. Das weiß man seit langem. Doch jetzt erst ist es Wissenschaftlern um Frank Kirchhoff von der Universität Ulm und Wolf-Georg Forssmann von der Medizinischen Hochschule Hannover erstmals gelungen, aus dem Blut ein Proteinbruchstück herauszufischen, das die HI-Viren offenbar regelrecht daran hindert, menschliche Zellen zu befallen.

          Virushemmendes Peptid, kurz „Virip“, heißt das kleine Molekül. Es stoppt die Vermehrung sämtlicher getesteter Aids-Stämme vom Typ HIV-1, auch von solchen, die resistent gegen Medikamente sind. Diese Entdeckung könnte sich daher als wichtiger Schritt bei der Bekämpfung einer Seuche erweisen, an der jährlich rund vier Millionen Menschen sterben ( Cell“, Bd. 129, S. 263).

          Fusionspeptid des Erregers wird angegeriffen

          Im menschlichen Blutplasma schwimmen mehr als eine Million verschiedene kleine Eiweiße und Bruchstücke derselben. Mehr als zehntausend Liter Hämofiltrat, das bei der Blutwäsche von Dialysepatienten anfällt, haben die Forscher in Hannover durchforstet. Als interessant erwies sich Virip, das ein Hüllprotein des Erregers angreift, welches als gp41-Fusionspeptid bekannt ist.

          Dieses Peptid liegt normalerweise tief in der Hülle des Virus verborgen. Erst wenn das Virus mit einer Körperzelle verschmelzen will, kommt das gp41 an die Oberfläche. Es vermittelt den Erstkontakt zwischen einem Virus-Partikel und der Zelle. Virip ist offensichtlich in der Lage, diesen Kontakt so zu stören, dass das Virus die Zelle nicht infizieren kann. Das Peptid ist ein zwanzig Aminosäure langes Bruchstück des Proteins alpha-1-Antityrpsin. Noch potenter in der Virusblockade erwies sich eine künstlich erzeugte Variante namens Virip-576. Der Austausch von nur zwei der zwanzig Aminosäuren erhöhte die Wirksamkeit des Peptids um das Hundertfache.

          Studien am Menschen erforderlich

          Die Frage, ob die Moleküle zur Therapie geeignet sind, lässt sich letztlich nur durch klinische Studien am Menschen beantworten. Die bisherigen Daten sind zumindest vielversprechebnd. Weder sind die Peptide für menschliche Zellen giftig, noch gelang es den Forschern, bei ihren Studien Virip-resistente Virusstämme zu züchten.

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