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Keine Angst vor der Speikobra : Die Schlangenflüsterin von Eswatini

  • -Aktualisiert am

Eine junge Boomslang, kurz vor dem Häuten. Das Gift dieser Baumschlange greift in die Blutgerinnung ein und wäre tödlich. Es wirkt aber so langsam, dass den Gebissenen meist genügend Zeit bleibt, sich im Krankenhaus ein Gegenmittel spritzen zu lassen. Bild: Nyani Quarmyne

Ohne Schlangen droht die Rattenplage. Wer aber im afrikanischen Königreich Eswatini, ehemals Swasiland, gebissen wird, muss um sein Leben bangen. Eine Frau will das nicht hinnehmen – und kämpft mit Haken und Zange.

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          Thea Litschka-Koen beugt sich über das Krankenhausbett und greift nach der geschwollenen Hand von Qiniso. Während sie die riesige Blase auf dem Handrücken begutachtet, erzählt der 36-jährige Patient: „Ein stechender Schmerz hat mich aufgeweckt, ich habe meine Hand geschüttelt und gespürt, wie etwas zu Boden fiel.“ Qiniso sah Blut zwischen Zeige- und Mittelfinger und vermutete einen Schlangenbiss. Sein Bruder brachte ihn in ein Krankenhaus in Manzini, einer Stadt im kleinen Königreich Eswatini, das zwischen Südafrika und Moçambique liegt und bis April 2018 Swasiland hieß. Zu Hause bei Qiniso fand man tatsächlich eine Moçambique-Speikobra in der Schublade einer Arbeitsbank, es ist eine der giftigsten Schlangen im südlichen Afrika.

          „Ich habe noch nie in meinem Leben so starke Schmerzen gehabt. Es war, als ob mein Fleisch, meine Adern, sogar meine Knochen brannten“, sagt Qiniso. Im Krankenhaus bekam er ein Gegengift injiziert. Die Behandlung musste allerdings für einige Stunden unterbrochen werden, weil der Patient unkontrolliert zu zittern begann und am ganzen Körper einen Ausschlag entwickelte – Nebeneffekte des rettenden Antiserums. Das war vor drei Tagen. Seither sind Hand und auch Arm immer mehr angeschwollen. Thea Litschka-Koen erklärt ihm, das Gift der Schlange habe eine nekrotische Wirkung und er werde eine Operation brauchen, um das dadurch absterbende Gewebe wegzuschneiden. Leider gebe es in solchen Fällen kein Wundermittel.

          Unwissen und Aberglaube verschärfen die Situation

          Jedes Jahr werden weltweit rund fünf Millionen Menschen von einer Schlange gebissen. 2,7 Millionen dieser Bisse führen zu Vergiftungen, durch die 138.000 Menschen sterben und 400.000 bleibende Schäden davontragen: Manchmal sind Amputationen nötig, die Gebissenen erblinden oder leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Allerdings sind diese Zahlen nur Schätzungen, offizielle Statistiken gibt es selten. Die Problematik trifft überwiegend die arme, ländliche Bevölkerung Afrikas, Asiens und Südamerikas.

          Die Schwarze Mamba ist für Thea Litschka-Koen und Bongani Myeni ein fast normaler Notfall.

          Oft mangelt es an medizinischer Infrastruktur, an bezahlbaren und wirksamen Gegengiften und an Ärzten, die Schlangenbisse richtig behandeln können. Unwissen und Aberglaube der Bevölkerung verschärfen die Situation. Vergiftungen durch Schlangenbisse wurden in der Vergangenheit nicht als ein globales Gesundheitsproblem betrachtet und erhielten kaum Aufmerksamkeit. Doch die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, nahm sie 2017 auf die Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten und veröffentlichte 2019 eine ambitionierte Strategie, um die Zahl der Schlangenbisse und deren Folgeschäden bis zum Jahr 2030 zu halbieren.

          Im Königreich Eswatini mit 1,2 Millionen Einwohnern kommt es jährlich zu 200 bis 400 Schlangenbissen, schätzungsweise zehn Prozent der Opfer sterben. In den vergangenen zehn Jahren hat das Land jedoch durch Aufklärung, Prävention und bessere Behandlungsmethoden große Fortschritte gemacht, und es könnte anderen betroffenen Ländern ein Vorbild sein. Zu verdanken ist das vor allem Thea Litschka-Koen. Sie war Teil der WHO-Arbeitsgruppe, die an der Entwicklung der Schlangenbiss-Strategie mitgewirkt hat. Dabei ist die 52-Jährige weder Ärztin noch Herpetologin, sondern Geschäftsführerin von Hotels und Restaurants im Nordosten Eswatinis.

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