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Ärztemangel : „Frauen wählen frauenfreundliche Fächer“

  • -Aktualisiert am

Medizinstudenten in einer Anatomievorlesung an der Universität Leipzig Bild: dpa

Auf den Podien der medizinischen Herbstkongresse geht es wieder um den Nachwuchsmangel. Vor allem die kleinen Fachgebiete machen sich Sorgen, denn sie sind im Studium so gut wie unsichtbar.

          Jetzt, da die Zeit der Herbstkongresse beginnt, setzt sich auf den Podien eine Debatte fort, die die deutschen Mediziner seit langem umtreibt: Das Thema Nachwuchsmangel. Doch in die Vortragsreihen, die meist „Quo vadis?“ übertitelt sind, hat sich eine neue Hoffnung geschlichen. Das Versorgungsstrukturgesetz, gerade erst vor vier Wochen auf den Weg gebracht, ist schon jetzt mit großen Erwartungen beladen – weil es verspricht, dass der Bedarf an Fachärzten einer realistischen Prüfung unterzogen wird und auch, weil es die Zahl der Medizinstudienplätze aufstocken will.

          Kleine Fachgebiete sind besonders betroffen

          Denn die Nachwuchssorgen der einzelnen Disziplinen beginnen dort, wo junge Ärzte sich nach dem Examen für die Facharztausbildung entscheiden – und manche Fächer einfach ausblenden. Die Debatte hat gerade in kleinen Fachgebieten deshalb einen dringlichen Ton bekommen, etwa bei den Rheumatologen, den Pneumologen, den Endokrinologen. Sie leiden stärker als andere unter dem Nachwuchsmangel, weil sie während des Studiums unterrepräsentiert sind – für Rheumatologie etwa gibt es nur fünf Lehrstühle an 38 medizinischen Fakultäten – und zudem nur wenige Weiterbildungsplätze vorhanden sind.

          Inzwischen zeichnet sich die Debatte vor allem durch ein Phänomen aus: Die Gruppe der älteren Mediziner versucht sich einzufühlen in die Generation der Mittzwanziger, die neu in den Beruf kommen. Auch Männer legten heute Wert darauf, Zeit mit der Familie zu verbringen, hört man auf den Podien; die Jugend sei sicherheitsbedürftig, wolle dennoch flexibel bleiben und im Team arbeiten. Und immer wieder geht es um Frauen, denn sie machen inzwischen fast zwei Drittel der Studienanfänger aus.

          Schon gibt es Stipendien für Assistenzarztstellen

          „Frauen wählen frauenfreundliche Fächer“, wissen erfahrene Studiendekane beizusteuern: „Augenarzt, Kinderarzt, Hautarzt.“ Es sind Fächer, in denen der Alltag planbar bleibt. Auf der Grundlage dieser Erkenntnis stellen jetzt auch andere Fächer ihre Vorzüge heraus: „Bei uns gibt es keine langen Nacht-OPs“, locken etwa die Kinder- und Jugendpsychiater. Es sei befriedigend, unmittelbar die Erfolge der eigenen Arbeit mit den Händen sehen zu können, argumentieren die Chirurgen.

          Einzelne Fachgesellschaften haben schon begonnen, mit Hilfe der Industrie Assistenzarztstellen zu sponsern. Auf den Podien der Ärztekongresse lässt sich so eine vorsichtige Annäherung zwischen den Mediziner-Generationen beobachten, sehr pragmatisch, ernsthaft und kreativ. Man kann für die kleinen Fachgebiete nur hoffen, dass es kein einseitiges Entgegenkommen bleibt.

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