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Corona-Varianten auf der Spur : Achtung, Mutanten!

  • -Aktualisiert am

Von Sars-Cov-2 liegen rund 300.000 Genome vor. Hier sind knapp 4000 Fälle in Stammbäumen chronologisch arrangiert, die bunt Altersgruppen (rechts) oder Regionen herausstellen. Bild: nextstrain.org/ncov/global

Seit einem Jahr wird Sars-CoV-2 beobachtet. Die Welt sammelt Genomdaten und protokolliert alle Veränderungen. Doch was bedeuten sie?

          7 Min.

          Am Morgen des 8. Dezember nahm Nick Loman wie jeden Dienstagmorgen an einem Zoom-Meeting zu Sars-CoV-2 teil. Loman ist Experte für das Erbgut von Mikroorganismen an der Universität Birmingham, und er ist einer der Forscher, die aufmerksam beobachten, wie sich das neuartige Coronavirus verändert. In diesem Treffen präsentierten Forscher eine Analyse von viralen Erbgutsequenzen aus Kent im Südosten Englands. Seit November breitete sich das Virus dort trotz strikter Maßnahmen aus. Die Gesundheitsbehörden hatten dafür keinen guten Grund finden können, und so hatten sie Wissenschaftler gebeten, sich die Erbgutsequenzen des Virus aus der Region anzuschauen. Was sie präsentierten, ließ Loman plötzlich sehr gerade sitzen: Rund die Hälfte der Fälle aus Kent waren auf die gleiche Variante zurückzuführen – ein ungewöhnliches Muster, da zahllose Varianten des Virus gleichzeitig zirkulieren. Und diese Variante hatte offenbar mit einem Schlag eine ganze Reihe von Mutationen gesammelt, die sie von den anderen Virusvarianten unterschied. In einem Stammbaum der Viren stach die Variante heraus, wie ein viel zu langer Ast aus einem kugelrunden Buchsbaum. „Ich hatte so etwas noch nie zuvor gesehen“, sagt Loman. Hatten die Veränderungen im Erbgut des Erregers diesem einen Schub gegeben?

          Einen Monat später wird jetzt immer klarer, dass die Variante namens B.1.1.7 sich tatsächlich schneller verbreitet. In einer Region nach der anderen in Großbritannien hat diese neue Variante die Oberhand gewonnen, und am 4. Januar verkündete der Premierminister einen erneuten Lockdown. „Unsere Wissenschaftler haben bestätigt, dass diese neue Variante fünfzig bis siebzig Prozent übertragbarer ist“, sagte Boris Johnson. „Wir müssen daher in einen landesweiten Lockdown gehen, der hart genug ist, diese Variante einzudämmen.“ Zahlreiche Länder hatten ihre Grenzen für Reisende aus dem Vereinigten Königreich schon vorher geschlossen. Aber auch in Dänemark und Irland beteiligt sich die neue Variante zunehmend am Virusgeschehen; und Dänemark hat bereits schärfere Maßnahmen beschlossen, um der neuen Bedrohung Herr zu werden.

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