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24 Stunden wach : Schlafentzug ruft Schizophrenie-Symptome hervor

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Untersuchung in einem Schlaflabor Bild: dpa

Schlafentzug kann zu Symptomen führen, die einer Psychose ähnlich sind, fanden Bonner Wissenschaftler heraus. Studien wie diese könnten helfen, die Folgen von Nachtarbeit besser abzuschätzen.

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          Schlafentzug über 24 Stunden hinweg kann bei gesunden Menschen zu Zuständen führen, die der Schizophrenie ähnlich sind, haben Wissenschaftler der Universität Bonn und des King’s College London herausgefunden. Die Ergebnisse der Studie wurden im „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht (doi: 10.1523/JNEUROSCI.0904-14.2014).

          Die Forscher untersuchten im Schlaflabor des Instituts für Psychologie in Bonn insgesamt 24 gesunde Frauen und Männer im Alter von achtzehn bis vierzig Jahren. In einem ersten Durchgang sollten die Testpersonen ganz normal im Labor durchschlafen. Rund eine Woche später wurden sie die ganze Nacht über mit Filmen, Gesprächen, Spielen und kurzen Spaziergängen wachgehalten. Am nächsten Morgen wurden die Probanden jeweils zu ihren Eindrücken befragt. Außerdem führten die Wissenschaftler eine Messung, die so genannte Präpulsinhibition, durch. „Die Präpulsinhibition ist ein Standardtest zur Messung der Filterfunktion des Gehirns“, so Erstautorin Nadine Petrovsky. In dem Experiment ertönt über Kopfhörer ein lautes Geräusch. Bei den Probanden tritt daraufhin eine Schreckreaktion ein, die anhand der Kontraktion der Gesichtsmuskeln mittels Elektroden erfasst wird. Wird zuvor ein schwächerer Reiz als „Präpuls“ gesetzt, fällt die Schreckreaktion geringer aus. „Die Präpulsinhibition zeigt eine bedeutende Funktion des Gehirns: Filter trennen Wichtiges von Unwichtigem und beugen einer Reizüberflutung vor“, sagt Petrovsky.

          Ausgeprägte Aufmersamkeitsdefizite

          Bei den Probanden war diese Filterleistung des Gehirns nach einer durchwachten Nacht stark reduziert, sie litten unter ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefiziten, wie sie auch typischerweise bei einer Schizophrenie auftreten. „Die unselektierte Informationsflut führte zu einem Chaos im Gehirn“, erklärt Ulrich Ettinger von der Abteilung Allgemeine Psychologie I des Instituts für Psychologie der Universität Bonn. Nach dem Schlafentzug gaben die Probanden in Fragebögen an, sensibler für Licht, Farbe oder Helligkeit zu sein. Zeitgefühl und Geruchssinn waren verändert, die Gedanken sprangen. Manche Übernächtigen hatten sogar den Eindruck, Gedanken lesen zu können oder eine veränderte Körperwahrnehmung zu bemerken.

          „Wir hatten nicht erwartet, dass die Symptome nach einer durchwachten Nacht so ausgeprägt sein können“, sagt Ettinger, der der Meinung ist, dass Schlafentzug als Modell für die Erforschung psychischer Krankheiten in Frage kommt. So könnten etwa Medikamente erforscht werden, die gegen Psychosen wirken. „In der Medikamentenentwicklung werden solche psychischen Störungen in Experimenten bislang mit bestimmten Wirkstoffen simuliert. Allerdings vermitteln diese nur sehr eingeschränkt die Symptome von Psychosen“, sagt Ettinger. Schlafentzug sei ein viel besseres Modellsystem, weil die Beschwerden und die Filterstörung den psychischen Erkrankungen stärker ähnelten. Forschungsbedarf bestehe außerdem im Hinblick auf Menschen, die regelmäßig nachts arbeiten müssen. „Ob bei diesen Personen durch Gewöhnung die Symptome des Schlafentzugs allmählich schwächer werden, muss erst noch untersucht werden“, so Ettinger.

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