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Max-Planck-Gesellschaft : Lockrufe aus Florida

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Max-Planck-Gesellschaft setzt zum Sprung nach Amerika an. Geplant ist ein „Institut für biomolekulare Bildgebung“. Steuergelder würden für das Projekt nicht nach Amerika exportiert.

          John Ellis Bush, genannt „Jeb“, ist der kleine Bruder des amerikanischen Präsidenten und ein Mann großer Ideen. Er will aus dem Rentnerparadies Florida ein Zentrum wissenschaftlicher und technologischer Innovation machen. Einen Ableger des renommierten kalifornischen Scripps-Instituts hat er schon auf den Jupiter-Campus in Palm Beach geholt. Doch Bush will mehr: Nun lockt er die deutsche Forschungselite an und rollt den Teppich für das erste Max-Planck-Institut auf amerikanischem Boden aus.

          Viel Zeit hat Jeb Bush nicht mehr. Anfang 2007 endet seine zweite und letzte Amtszeit als Gouverneur des Bundesstaates. Deshalb laufen gerade die Drähte zwischen Tallahassee und München, dem Hauptsitz der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), heiß. Bei deren Präsident Peter Gruss stößt der Stratege aus Florida auf größtes Interesse. Die beiden kennen sich gut, vor einem Jahr war Bush Gast in München bei einem „Life Science Networking Seminar“ und stellte seine Pläne vor. Gruss damals: „Max-Planck-Institute sind international gern gesuchte und geschätzte Forschungspartner.“

          „Max-Planck-Institut für biomolekulare Bildgebung“

          Das Projekt, mit der Marke Max Planck nach Übersee zu gehen, wurde fortan nicht öffentlich behandelt. Inzwischen sind die Vorbereitungen so weit gediehen, daß die Regionalpresse in Palm Beach County und das Journal „Science“ Lunte rochen. Am 13. November kam Gruss mit den Kollegen von Scripps überein, wie man auf dem Jupiter-Campus ein „weltweit anerkanntes Profil“ entwickeln kann. Am Freitag will Gruss nun allen voran die Senatoren der Max-Planck-Gesellschaft unterrichten.

          Diesen 32 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist die Entscheidung über Institutsgründungen vorbehalten. Geplant ist ein „Max-Planck-Institut für biomolekulare Bildgebung“, an dem einzelne Moleküle im Körper von außen aufgespürt und verfolgt werden sollen. Diese Ausrichtung würde gut zum Scripps-Ableger in Florida passen, in dem 170 Wissenschaftler Infektionskrankheiten und Krebstherapien erforschen mit dem Ziel, schnell in klinische Versuche einzusteigen.

          Fragen bezüglich der finanziellen Förderung

          Die Max-Planck-Gesellschaft beeilt sich, etwaige Einwände deutscher Forschungspolitiker zu zerstreuen: Steuergelder würden für das Institut nicht nach Amerika exportiert. Allein in diesem Jahr erhält die Gesellschaft 1,1 Milliarden Euro je zur Hälfte von Bund und Ländern. Außerdem, heißt es, würde auch keine Infrastruktur aus Deutschland abgezogen, es handle sich um eine Neugründung mit neuer Ausrüstung und neuem Personal.

          Klappt die Finanzierung wie geplant, hätte die Gesellschaft deutsches Steuergeld auch gar nicht nötig. Jeb Bush hat in Aussicht gestellt, aus einem staatlichen Innovationsfonds die Hälfte der Kosten zu tragen, für die zweite Hälfte werden derzeit potente Sponsoren aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammengetrommelt. Über die Höhe der geplanten Investitionen macht die Max-Planck-Gesellschaft noch keine Angaben. Es seien noch viele Fragen bezüglich der finanziellen Förderung einer solchen Einrichtung zu klären. Offenbar muß Bushs Amtsnachfolger Charlie Crist erst dafür sorgen, daß der Fonds wieder gefüllt wird.

          Deutsche Erfolgsgeschichte

          Man kann diese Pläne, nach Amerika zu gehen, als deutsche Erfolgsgeschichte lesen: Daß die Elitegesellschaft, die allein seit 1980 elf Nobelpreisträger hervorgebracht hat und 4300 Wissenschaftler beschäftigt, international umworben wird, beweist wieder einmal ihre Leistungs- und Leuchtkraft. Zugleich ist in der globalisierten Welt der Wissenschaft die internationale Kooperation ein Muß. Wie Pilze sind in den vergangenen Jahren Auslandsrepräsentanzen der deutschen Forschungsorganisationen aus dem Boden geschossen.

          Mit der Gündung ganzer Institute im Ausland sticht besonders die Fraunhofer-Gesellschaft hervor. In Rom und Florenz unterhält die Max-Planck-Gesellschaft zwei Institute für Kunstgeschichte, in den Niederlanden seit 1980 ein Institut für Psycholinguistik. In Schanghai gibt es seit 2005 ein Partnerinstitut für Bioinformatik.

          „Mehr Ideen als Geld“

          Doch obwohl Internationalisierung zur Wissenschaft gehört, stimmt die Aussage aus der Max-Planck-Zentrale nachdenklich, daß es in Deutschland „eben mehr Ideen als Geld gibt“ und die Finanzierung neuer Institute oft zäh verlaufe. Unter diesem Blickwinkel erscheint es bedenklich, daß nun eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeitsplätze in Florida entsteht und nicht etwa in Düsseldorf oder Berlin. 2003 schreckte „Florida-Rolf“ die Öffentlichkeit auf, ein Sozialhilfeempfänger, der es sich mit deutschem Steuergeld in Miami Beach gutgehen ließ.

          Alarmiert nun der Florida-Plan die deutsche Öffentlichkeit, weil die Forscherelite auf Geld aus deutschen Quellen gar nicht mehr angewiesen ist? Noch ist das Rennen offen. Mit Konkurrenz aus Deutschland haben Jeb Bush und sein Nachfolger Crist bisher nicht gerechnet.

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