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Marssonde „Curiosity“ : Meilenstein in 570 Millionen Kilometern Entfernung

Das erste Bild von „Curiosity“ - es zeigt den Schatten des Rovers auf der Mars-Oberfläche Bild: AFP

Mit der Landung des Marsrovers „Curiosity“ tritt die Erforschung des Roten Planeten in eine neue Phase ein. Das Landemanöver wurde über Jahre geplant - und gilt als wissenschaftliches Husarenstück.

          Die Anspannung war groß an diesem Montagmorgen im Europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt, die Blicke aller im Haupt-Kontrollraum versammelten Wissenschaftler und Medienvertreter auf den großen Monitor an der Wand gebannt. Jeder wollte mit eigenen Augen sehen, wie der Marsrover „Curiosity“ der Nasa nach einer Reise von achteinhalb Monaten und einer zurückgelegten Strecke von 570 Millionen Kilometern sicher und sanft auf dem Roten Planeten landet.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Obwohl sie selbst nicht an dem ambitionierten Projekt direkt beteiligt sind, drückten die Deutschen den amerikanischen Kollegen der amerikanischen Weltraumbehörde, deren Aktivitäten im  Nasa-Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena man auf dem Monitor per Live-Stream verfolgte, kräftig die Daumen. Denn allen war klar: Die Landung auf der Marsoberfläche würde alles andere als Routine sein.

          Um sicher auf den Boden gelangen zu können, musste die Kapsel mit dem Rover an Bord kurz nach dem Eintritt in die Atmosphäre innerhalb von wenigen Minuten von einer Geschwindigkeit von fast sechs Kilometern pro Sekunde auf Null abgebremst werden. Dazu hatten die Techniker des Jet Propulsion Laboratories in Pasadena ein spezielles, noch niemals zuvor erprobtes Landemanöver ersonnen.

          Dieses birgt allerdings so viele Fallstricke, dass die Chance groß war, dass die Landung misslingen und das 2,5 Milliarden Dollar teure Gefährt zerstört oder unwiederbringlich verlorengehen würde. Erschwerend kam hinzu, dass die Landung völlig autonom vonstatten gehen musste, gesteuert allein vom Bordcomputer. Das galt für den gesamten Prozess vom Eintritt der Sonde in die Marsatmosphäre, das Abbremsen mit einem 16 Meter großen Fallschirm und Bremsraketen bis hin zum Abseilen des 900 Kilogramm schweren Gefährts auf die Oberfläche des Planeten.

          Grafik: Mobiles Wissenschaftslabor

          „Zum Zeitpunkt der Landung ist der Mars rund 250 Millionen Kilometer von uns entfernt, ein Funksignal benötigt von der Sonde zur Erde rund vierzehn Minuten“, erklärte Paolo Ferri, Leiter für planetare Missionen der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa in Darmstadt. „Die Nasa-Wissenschaftler können nicht eingreifen, wenn etwas schief läuft.“

          „Sieben Minuten des Schreckens“

          Um 7:31 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt aus dem Nasa-Kontrollzentrum unter tosendem Jubel und Applaus schließlich die erlösende Botschaft: „Wir sind gelandet“. Dass die Mission tatsächlich erfolgreich war, wird jedoch erst drei Minuten später zur Gewissheit: Zu diesem Zeitpunkt ist bereits das erste von „Curiosity“ aufgenommene Foto auf der Erde angekommen. Abermals gibt es Jubel im Easa-Kontrollzentrum, und auch von den Kollegen im kalifornischen Pasadena sind Bilder der Erleichterung zu sehen. Der Horizont des Roten Planeten ist auf den Bildern nur schwach zu erkennen, weil der Rover bei seiner Landung viel Staub aufgewirbelt hat. Dafür sieht man umso deutlicher die Schatten seiner Räder.

          Grafik: Landung der Raumsonde

          Vorausgegangen war eine höchst kritische Phase des Landemanövers, von den Nasa-Forschern selbst als „sieben Minuten des Schreckens“ bezeichnet. Immer, wenn ein entscheidender Schritt beim Landemanöver vollzogen war, brach Jubel in Kalifornien und in Darmstadt aus. Zu sehen waren auf dem Monitor nur die gespannten Gesichtern der Wissenschaftler in Kalifornien, die auf die zeitverzögerten Funksignale von ihrem Marsorbiter Odyssee warteten, der die Daten der Sonde empfing. Zum Schluss lief alles im Minutentakt ab, bis zur Landung im Marskrater Gale in Äquatornähe. „Die Maschine ist da“, sagte Ferri nach der Landung, „das Schwierigste ist überstanden. Bei diesem extrem komplizierten Landemanöver hätte wirklich vieles schief gehen können.“

          Die Mitarbeiter des südhessischen Kontrollzentrums der Esa hatten die Landung gewissermaßen im Vorfeld unterstützt, indem sie das Landegebiet durch die Esa-Sonde „Mars Express“ kartografierten und wichtige Daten über die Eintritts- und Landephase an die Nasa-Kollegen weitergaben.  

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