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Marsch für die Wissenschaft : Freies Denken

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Bild: dpa

Frieden und Krieg stehen sich gegenüber wie Freiheit und Willkür. Nur regiert die Willkür eben schon. Wer das begreift, versteht auch, weshalb viele junge Wissenschaftler am Wochenende zum zweiten Mal auf die Straße gingen. Ein Kommentar.

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          Marschieren für die Freiheit der Wissenschaft? Viele, die in 14 deutschen Städten und in Dutzenden anderen Städten weltweit den „Marsch für die Wissenschaft“ am Straßenrand verfolgt haben, werden sich die Augen gerieben haben. Ein Aufstand der Academia gegen Fake und falsche Rede? An einem Samstag, an dem die Kriegsangst neu aufgeflammt ist? Für viele mag der intellektuelle Protest gegen Polemik und Populismus eine Karikatur des politischen Widerstands gewesen sein; tatsächlich aber waren die Wissenschaftsmarschierer der einzig sichtbare Protest gegen eine Entwicklung, die eines zum Ziel hat: Herrschaft durch Willkür. Im vergangenen Jahr ging der Marsch erstmals durch die Städte; es waren deutlich mehr Teilnehmer, dank Trumps radikaler Alternativ- und Pseudowissenschaftspolitik. Inzwischen haben sich Tausende junger Wissenschaftler weltweit institutionell vernetzt. Sie waren am Samstag nicht als Friedensdemonstranten angetreten, doch symbolisierten sie den Antikriegskampf mehr als beabsichtigt. Denn sie verteidigen ein globales Netzwerk, dessen Kerngeschäft das Denken ist: das freie, produktive Denken ohne Grenzen, Zensur und intellektuelle Gewalt. Das Geschäftsmodell der Wissenschaft funktioniert nur so, es ist auch Basis der Demokratie. Die für jedermann nachvollziehbaren Erfolge – Stichwort digitale Revolution – beruhen auf diesem Konsens.

          Ein Drittel der Jungakademiker ist deprimiert

          Dass dieser Konsens sogar im Westen gefährdet wird, kann speziell den jungen Leuten nicht egal sein. Ihr Enthusiasmus wird fast nirgends adäquat honoriert. Die vielfach prekären Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse des wissenschaftlichen Nachwuchses sind seit Jahren bekannt. Wie lange schon doktert die deutsche Politik an Karrierewegen und familienfreundlicheren Strukturen herum? Die Staaten pulvern jedes Jahr Abermillionen mehr in den Forschungsbetrieb und befeuern so den Wettstreit um noch mehr Publikationen und noch schnelleren Ruhm. Ein Indiz: Überdurchschnittlich viele, nämlich gut ein Drittel der Jungakademiker leiden an Depressionen; viele sind offenbar bereit, diesen Preis für die Freiheit zu bezahlen. Auch, weil sie das Gefühl haben, einer fortschrittlichen Gesellschaft einen Dienst zu erweisen.

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