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Mars-Mission : Zweite Nasa-Sonde ist sicher auf dem Mars gelandet

  • Aktualisiert am

Bild: Nasa, JPL-Caltech

Der Wettlauf um die Erforschung des Mars zwischen Europäern und Amerikanern geht weiter: Die zweite Nasa-Sonde, „Opportunity“, landete am Sonntag auf dem Roten Planeten und sendet schon erste Bilder.

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          Bereits wenige Stunden nach seiner Landung hat der Nasa-Landeroboter „Opportunity“ erste Bilder von der Oberfläche des Mars gesendet. Die noch mit geringer Auflösung aufgenommenen Bilder zeigten die Landehülle des Roboters vor dem Hintergrund der Marslandschaft, teilweise sind Felsen im Hintergrund zu erkennen. Die Wissenschaftler der Nasa hatten mit besonderer Spannung auf die Bilder gewartet, weil von dieser Seite des Roten Planeten noch keine Aufnahmen existierten.

          Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt sind zwei Landeroboter auf dem Mars aktiv. Drei Wochen nach dem Rover „Spirit“ landete sein Zwilling „Opportunity“ auf der entgegen gesetzten Seite des Roten Planeten. Nach einer sieben Monate langen Reise schlug der durch Prallsäcke geschützte Roboter am Sonntag um 6.05 Uhr (MEZ) in der Meridiani-Tiefebene auf, wo er in den nächsten Wochen nach Wasser und Spuren von Leben suchen.

          „Spirit“ zeigt Anzeichen der Genesung

          Im Kontrollraum auf der Erde herrschte nach dem zweiten Erfolg innerhalb von drei Wochen ausgelassene Stimmung. Nasa-Chef Sean O'Keefe schenkte bei der ersten Pressekonferenz nach der Landung seinem Erfolgsteam Champagner aus. O'Keefe, der kürzlich zusammen mit Präsident George W. Bush als Ziel der amerikanischen Raumfahrt die Rückkehr zum Mond und eine bemannten Marsmission abgesteckt hatte, freute sich sichtlich über den Doppelerfolg, der nach Ansicht von Experten den amerikanischen Plänen Auftrieb geben wird.

          Freude bei der Nasa: Zwei Marsrover sind angekommen

          Nasa-Chefwissenschaftler Ed Weiler sagte in Anspielung an „Spirit“, der nach mehrtägigen technischen Problemen Anzeichen der Genesung zeigt: „Wir haben einen Rover wieder belebt und die Geburt eines anderen Rover gesehen.“

          Suche nach Roteisenerz

          Für Projektmanager Theisinger und seine Kollegen hatte die Welt zwei Tage zuvor noch ganz anders ausgesehen. „Spirit“ wurde als schwer krank eingestuft und „Opportunity“ stand vor dem gefährlichsten Teil der Reise zum Mars, der mit seinen harschen Bedingungen in der Vergangenheit zwei von drei Missionen zum Scheitern gebracht hatte. Auch das europäische Marslandegerät „Beagle 2“ bleibt verschollen. Der Rover war wenige Minuten vor der Landung mit 5.400 Metern pro Sekunde in die Marsatmosphäre hineingeschossen. Nachdem er durch die dünne Atmosphäre und seinen Fallschirm stark abgebremst worden war, schlug der Rover umhüllt von seinen Prallsäcken in der Meridiani- Tiefebene auf, wo er wie ein Gummiball Dutzende Mal auf- und ab hüpfte.

          In der Tiefebene soll der 1,5 Meter hohe Rover, der mit Panoramakameras und deutschen Spektrometern zur Gesteinsanalyse ausgestattet ist, unter anderem nach Roteisenerz (Hämatit) suchen, das sich oft in Gegenwart von Wasser bildet. Das graue Gestein war 1998 von der Sonde „Mars Global Surveyor“ entdeckt worden. Hämatit kann sich nach Angaben der Wissenschaftlerin Joy Crisp durch vulkanische Aktivitäten oder mit Hilfe von Wasser bilden. „Opportunity“ soll diese Frage nun klären.

          Erstmals Bilder von der anderen Mars-Seite

          Wissenschaftler erwarteten in der Tiefebene eine ganz andere Landschaft als im Gusev-Krater, von dem „Spirit“ Farbbilder in beeindruckender Schärfe geschickt hatte, bevor die Kommunikation wegen eines technischen Problems gestört wurde. Kurz vor der Landung „Opportunitys“ konnten die Wissenschaftler aber mit „Spirit“ wieder kommunizieren und einen Grund für die technischen Probleme diagnostizieren. Das Problem liege vermutlich an dem auch in Digitalkameras und anderen elektronischen Geräten verwendeten „flash memory“ des Rover- Rechners, der seit vergangenem Mittwoch immer wieder einfror und dann neu startete. Nachdem der Rover den Befehl erhalten hatte, beim Neustart ein anderes Speichermodul zu verwenden, habe alles viel besser geklappt, hieß es bei der Nasa. Der Rover habe anschließend auch endlich wieder den Befehl befolgt, in den Ruhemodus zu gehen, um Energie zu sparen.

          Spitzentechnologie aus Deutschland

          Gespickt mit Spitzentechnik sollen die Robotergeologen nun auf Erkundungstour gehen, nach Wasser suchen und Gesteinsarten analysieren. Dabei kommen auch in Deutschland konstruierte Spektrometer zur Bodenanalyse zum Einsatz. „Spirit“ und „Opportunity“ können deutlich längere Distanzen zurücklegen als ihr Vorgänger „Sojourner“ der Pathfinder Mission von 1997. Auf sechs größeren Rädern können sie Hindernisse leichter umfahren. Vor allem aber sind sie mit viel raffinierterer Technik ausgestattet. Sie bringen jeweils 180 Kilo auf die Waage, fast 20 Mal so viel wie der kleine Vorfahre.

          Ein wichtiges Utensil ist ein kleines Schabwerkzeug am vorderen Teil der Sonden, mit dem Gestein freigelegt und für die Untersuchung vorbereitet wird. Für die Bodenanalyse ist der Roboter-Arm, der das Schabwerkzeug führt, mit drei Spektrometern ausgerüstet. Eines tastet mit Infrarotstrahlen den Untergrund ab und stellt dabei die Zusammensetzung des Gesteins fest.

          Entwicklung der Uni Mainz

          Ein zweites Spektrometer, das an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität entwickelt wurde, identifiziert speziell eisenhaltiges Material. Dies gestattet den Experten Aussagen über die Rolle von Wasser bei der Gesteinsbildung und damit Rückschlüsse über frühere Klimaverhältnisse auf dem Mars. Mittels einer Röntgenaufnahme wird dann die Massenverteilung des aufgespürten Gesteins analysiert. Diesen dritten Untersuchungsschritt übernimmt ein Spektrometer, der am Max-Planck-Institut in Mainz entwickelt wurde.

          Sehr auffällig ist ein Teleskop-Arm, an dessen Ende eine Kamera befestigt ist und der bis zu 1,50 Meter in die Höhe reicht. Damit schauen die Beobachter in der irdischen Kontrollstation auf dem Mars umher, um den Robotergeologen ihren Weg zu weisen.

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