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Mars-Mission : Noch immer kein Signal vom Landegerät „Beagle 2“

  • -Aktualisiert am

Enttäuschte Esa-Mitarbeiter: „Beagle 2” schweigt Bild: dpa/dpaweb

Das europäische Mars-Landegerät „Beagle 2“ bleibt zwei Wochen nach seiner Landung verschollen. Auch die Sonde „Mars-Express“, die am Mittwoch dicht über die Abwurfstelle flog, konnte keine Signale empfangen.

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          Der europäischen Sonde Mars Express ist es auch beim direkten Überflug über die mutmaßliche Landestelle des Marsmobils „Beagle 2“ nicht gelungen, Kontakt zu dem Landegerät herzustellen. Damit erscheint es immer wahrscheinlicher, daß die Landung des Marsmobils am 25. Dezember fehlgeschlagen ist. Es handele sich um eine „traurige Nachricht“, sagte der Wissenschaftsdirektor David Southwood der europäischen Raumfahrtbehörde Esa am Mittwoch in Darmstadt. Gleichzeitig betonte er, es gebe noch mehrere Möglichkeiten, vielleicht doch noch Funkkontakt zu „Beagle“ zu bekommen: „Dies ist noch nicht das Ende der Geschichte.“

          Die um den Mars kreisende Muttersonde Mars Express war am Mittwoch um 13.15 Uhr MEZ in einer idealen Position, um das Landegerät auf dem Roten Planeten orten zu können. Mars Express hatte „Beagle 2“ in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag ausgekoppelt und allein zur Landung auf dem Roten Planeten geschickt. Seither war es der Esa jedoch nicht gelungen, ein Signal des Landegerätes zu empfangen. Die erste europäische Mars-Erkundung kostet 300 Millionen Euro und hatte im Juni begonnen, als Mars Express von Baikonur aus in den Weltraum geschossen wurde. Die amerikanische Raumsonde „Spirit“ arbeitet dagegen bislang problemlos auf dem Mars.

          Lange Liste der Mißerfolge

          Der Rote Planet war im vergangenen Jahr der Erde so nahe wie 60.000 Jahre nicht. Die geringe Entfernung von immer noch gut 55 Millionen Kilometern brachte die europäische Raumfahrtbehörde Esa, die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und die japanische Raumfahrtbehörde dazu, Missionen zu dem Planeten zu entsenden. nicht zuletzt deshalb, um endlich zu klären, ob es Leben auf ihm gab oder gibt.

          Nun ist die Geschichte der Versuche, zum Mars zu gelangen, oder gar auf dem Mars zu landen, keine, die vor Erfolgen strotzt. So scheiterte die japanische Nozomi-Mission schon Anfang Dezember. Sie war vom Kurs angekommen und schaffte es wegen Treibstoffmangels nicht mehr bis zum Mars.

          Und trotz des amerikanischen Erfolgs mit dem Landegerät „Spirit“ sind vier von elf Mars-Missionen gescheitert. Nach der ersten erfolgreichen Landung auf dem Planeten mit dem Roboter „Mars Pathfinder“ im Juli 1997 konnte die Nasa 1999 keinen Kontakt zum „Mars Polar Lander“ bekommen. Nicht nur deshalb sind die amerikanischen Wissenschaftler euphorisch über die Bilderbuchlandung der Sonde. Aber auch nach wie vor gespannt, ob auch mit der Schwester-Sonde „Opportunity“ alles reibungslos läuft.

          Mars Express mit Erfolgen

          Natürlich hatte auch das Scheitern des europäischen Beagle-2-Sonde zu der Nervosität in den Nasa-Zentren beigetragen. Denn am ersten Weihnachtsfeiertag konnte die amerikanische Sonde „Mars Odyssey“ keinen Kontakt zu Beagle 2 herstellen und auch spätere Versuche mit Teleskopen auf der Erde scheiterten. Nun wartete die Esa gespannt auf den Versuch der Kontaktaufnahme am Mittwoch. Doch auch diese Kontaktaufnahme scheiterte.
          Besonders in der zeitlichen Nähe, die sich durch die planetarischen Gegebenheiten erklärt, ist der Vergleich zu der erfolgreichen Mars-Mission der Amerikaner besonders schmerzlich und für die Öffentlichkeit besonders augenfällig.

          Das Scheitern der Beagle-Mission - denn alle weiteren Versuche der Kontaktaufnahme sind nach Angaben der Esa weniger erfolgversprechend -, der schon im Vorhinein als „hoch gepokert bei niedrigem Budget“ oder „riskant“ bezeichnet wurde und nur halb so teuer wie „Spirit“ war, drängt den Rest der Mars-Express-Mission in den Hintergrund. Dort stehen die Dinge besser, die Sonde hat alle Manöver erfolgreich absolviert, sie trägt den größten Teil der wissenschaftlichen Experimente, von denen Beagle nur eines war, und verspricht, interessante wissenschaftliche Erkenntnisse zu liefern. Darauf konzentrieren sich nach der gescheiterten Kontaktaufnahme natürlich auch die Hoffnungen der Esa. „Ich bin traurig, aber Mars Express ist voll funktionsfähig, und bietet viele Möglichkeiten für die Zukunft“, sagte David Southwood, Wissenschaftsdirektor der Esa, am Mittwoch in Darmstadt.

          Weitere Versuche stehen an

          Bis die Esa Beagle ganz und gar abschreibt, gehen wohl noch einige Tage und Versuche ins Land, denn die Mars-Express-Sonde wird das geplante Landegebiet von Beagle noch einige Male überfliegen.. Aber vermutlich war der Versuch am Mittwoch, den die Pressesprecherin des europäischen Satellitenkontrollzentrums Esoc in Darmstadt, Jocelyne Landeau-Constantin, als den besten, weil mit 315 Kilometern Überflugshöhe nächsten Versuch beschrieb, auch der letzte, der einen Erfolg bringen könnte. „Die Daten haben keinen Anhaltspunkt gegeben, daß Beagle sendet“, sagte Rudolf Schmidt vom Mars-Express-Team der Esa. Das nicht empfangene Signal wird wohl nicht das letzte sein, was man von Beagle nicht hört.

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