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„Die Debatte“: Geoengineering : Das Klima manipulieren?

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Ein dichter Schleier von Aerosolen umhüllte die Erde nach dem Ausbruch des Pinatobo 1991. Die Folge war eine Abkühlung. Sollen Geoingenieure so etwas „nachbauen“, um die Sonnenstrahlung abzuschirmen? Bild: Jonathan Proctor and Solomon Hsiang

Über Plan C sprechen viele Klimaschützer ungern. Eingriffe ins Klima, auch wenn sie die Erderwärmung bremsen sollen, sind ein rotes Tuch. Soll man sich für den klimapolitischen Notfall rüsten? „Die Debatte“ heute aus Berlin.

          „Die Debatte“ ist heute in Berlin zu Gast. Das Expertengespräch aus dem Spreepalais mit dem Umweltökonomen Jan Christoph Minx vom Mercator-Institut, dem Physiker Andreas Oschlies vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und Lili Fuhr von der Heinrich-Böll-Stiftung übertragen wir im Livestream ab 18 Uhr.

          Erneuerbare Energien, klimafreundliche Mobilität und ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen des Planeten Erde –  all das sind gut erforschte Maßnahmen, um dem beschleunigten Klimawandel zu begegnen. Damit der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann, müssen sie aber deutlich ausgebaut werden. Zwar hält der im Oktober  veröffentlichte Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) dieses Klimaziel noch für machbar. Allerdings reichen dazu die bisher von den Staaten der Welt angedachten und eingeleiteten Maßnahmen nicht aus.

          Als möglichen Plan C diskutiert nun auch das IPCC in seinem Sonderbericht einen Bereich des Geoengineerings. Darunter verstehen Forscher eine aktive Manipulation des Klimas mit dem Zweck, den überhitzten Planeten mit technologischen Interventionen in Richtung der Klimaziele zu stabilisieren oder sogar zu kühlen. “Climate engineering“ ist deshalb ein anderer Begriff, der kursiert. Derzeit werden zwei unterschiedliche Ansätze verfolgt: das Carbon Dioxide Removal (CDR) und das Solar Radiation Management (SRM). Während es beim CDR darum geht, Kohlendioxid - CO2 - aus der Atmosphäre zu entfernen, soll mit SRM die Sonnenstrahlung reduziert werden, die den Erdboden erreicht, um eine Erwärmung zu vermindern. „Eine Lösung für den Klimawandel stellen beide Ansätze allerdings nicht dar. Sie sind allerhöchstens eine Ergänzung zu den bereits eingeleiteten Maßnahmen”, sagt Armin Grunwald, Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Und als solche sollen sie zumindest in Deutschland auch nicht zum Einsatz kommen, so zumindest das aktuell klare Bekenntnis der im Bundestag vertretenen Parteien.

          Experten sind nur begrenzt begeistert

          Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen warnen Experten wie Grunwald davor, dass ein Ausbau und eine Kampagne für solche Technologien dazu führen könnten, andere Schutzmaßnahmen auszubremsen. Zum anderen ist unklar, welche langfristigen und womöglich unerwarteten Nebenwirkungen ein Einsatz solcher Technologien haben könnte – und inwiefern der Einsatz von Geoengineering-Maßnahmen tatsächlich ursächlich für Umweltschäden sind. Ersteres führt dazu, dass die meisten Experten vor zu viel Euphorie zum Thema warnen und eine Weiterentwicklung nur für den Notfall befürworten. Als eine solche „Notfalloption”, wenn alle anderen Maßnahmen scheitern, hatte der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen das Geoengineering einst ins Spiel gebracht und dadurch auch die Diskussion in Wissenschaft und Politik vorangetrieben. „Diese Art des Vorsorgedenkens finde ich interessant und ich denke, man sollte sich darüber auch weiterhin Gedanken machen”, sagt Grunwald. Allerdings sieht er letztlich ein Dilemma: „Die Technologien, die wirklich schnell wirken würden, also als Notfalloption in Frage kämen, sind noch nicht so weit entwickelt, dass sie in den nächsten zehn bis 15 Jahren einsatzfähig wären.“

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