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Manifest europäischer Forscher : „Wir könnten in vier Wochen am Ziel sein“

Um die Fallzahlen so schnell zu drücken, müsste der R-Wert, der die Infektionstätigkeit in einem Land oder einer Region widerspiegelt, in ganz Europa auf möglichst unter 0,7 gedrückt werden. Am Freitagabend lag der R-Wert zum Ende der ersten Lockdown-Woche bei 1,05. Mit dem ersten verschärften Lockdown im Frühjahr war in Deutschland ein Wert von 0,7 durchaus erreicht worden. Mit diesem niedrigen R-Wert lassen sich der Göttinger Corona-Modelliererin Priesemann zufolge die Neuinfektionszahlen in jeder Woche halbieren: „Wir müssen dafür aber jetzt alle möglichen Maßnahmen zusammenkratzen und in den Topf werfen.“

Wichtig ist aber nicht nur die Zahlen zu drücken, sondern dann auch niedrig zu halten. Eine „gemeinsame, langfristige Vision könne dann entwickelt werden, in der Lockdowns nicht mehr nötig – aber immer noch die Hygieneregeln aufrecht zu erhalten – seien. Die nur allmählich wirkenden und ausgeweiteten Impfungen seien keine Rettung. Stattdessen dringen die Unterzeichner des Aufrufs darauf, überall eine „Überwachungsstrategie“ der niedrigen Fallzahlen mit Hilfe von Corona-Tests zu erzielen: Mindestens 300 Tests pro Million Einwohner pro Tag sollte auch bei niedrigen Fallzahlen flächendeckend das Ziel sein. Das wären knapp 750.000 Tests pro Monat für Deutschland. Es liegt demnach deutlich unter den aktuellen Test-Kapazitäten in Deutschland und würde also bei täglich dreistelligen Neuinfektionen die Testung zahlreicher symptomloser Bundesbürger bedeuten. „Damit kann ein Anstieg der Fallzahlen rechtzeitig erkannt werden“, heißt es in dem Papier der Lancet-Initiatoren. Antigen-Schnelltests hält die Klinikerin Isabella Eckerle künftig für „ein wichtiges Instrument unter vielen“, allerdings fehlten in Europa immer noch die nötigen Infrastrukturen, um mit den Tests sehr zuverlässig das Ansteckungsrisiko zu verringern. Am Ende, so Eckerle, „können wir das Virus nicht einfach wegtesten“.   

Niedrige Fallzahlen erlauben aber, schnell und effektiv nach neuen Ausbrüchen zu reagieren. „Es lohnt sich, denn wir haben dadurch insgesamt alle mehr Freiheiten“, sagte Priesemann. Die Initiatoren bemerkten bei der Vorstellung des Lancet-Aufrufs, dass neben den erwartbaren Unterzeichnern aus dem medizinisch-wissenschaftlichen Kosmos, zu denen die prominenten Virologen Christian Drosten, Melanie Brinkmann und Sandra Ciesek zu zählen sind, auch Vertreter aus der Wirtschaft gehören. Wer allerdings bisher nicht unterzeichnet hat aus der Reihe der Pandemie-Prominenz, das fällt in der alphabetischen Liste auch schnell auf: die Fürsprecher einer lockereren Eindämmungsstrategie, an deren Spitze Talkshow-Experten marschieren wie Hendrik Streeck, Jonas Schmidt-Chanasit oder der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen.

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