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Libellen bei der Paarung : Hochzeit mit acht Flügeln

  • -Aktualisiert am

Eine Libelle der Art „Gemeine Binsenjungfer“ Bild: dpa

Wenn sich Libellen paaren, bedarf es virtuoser Verrenkungen. Nur so kommen die Geschlechtsorgane in Kontakt.

          2 Min.

          Libellen werden zu Recht wegen ihrer Flugkünste gerühmt. Mit ihren vier Flügeln vermögen sie sowohl an Ort und Stelle zu schweben als auch pfeilschnell davonzuschießen. Doch damit nicht genug: Auch während der Paarung können sie, mit den fest aneinander haftenden Körpern das charakteristische Paarungsrad bildend, in die Lüfte aufsteigen.

          Hierbei gilt es für diese Doppelwesen, die Bewegungen von sage und schreibe acht Flügeln aerodynamisch sinnvoll aufeinander abzustimmen. Wie ihnen das gelingt, haben jetzt Hilla Davidovich und Gal Ribak von der Universität Tel Aviv mit einer Hochgeschwindigkeitskamera zu ergründen versucht.

          Mehrere Stunden in der gleichen Position

          Wenn sich Libellen paaren, bedarf es virtuoser Verrenkungen. Nur auf diese Weise kommen die Geschlechtsorgane in Kontakt, die bei Männchen und Weibchen an ganz unterschiedlichen Stellen sitzen. Das Männchen hält mit einer Hinterleibszange die Partnerin im Bereich des Kopfes fest, und das Weibchen krümmt den Hinterleib dergestalt nach oben zum Männchen hin, dass die Körper das sogenannte Paarungsrad bilden.

          Die Libellen verharren manchmal Minuten, manchmal sogar Stunden in dieser Stellung, deren Form oft eher an ein Herz als an ein Rad erinnert. Um Feinden zu entrinnen, kann es notwendig werden, trotz der das Fliegen erschwerenden Position schnell davon zu schwirren.

          Für ihre Untersuchungen wählten die israelischen Zoologen eine weitverbreitete Spezies, die Große Pechlibelle (Ischnura elegans). Insgesamt 50 Libellen wurden ins Labor gebracht. Dort konnte sich jeweils eine Gruppe von ihnen in einer kleinen „Arena“ tummeln, wobei es gelegentlich zu Kopulationen kam.

          Sobald die Forscher zwei Libellen zu einem Paarungsrad vereinigt sahen, scheuchten sie diese sanft auf und filmten sie. Trotz der arg verrenkten Körper waren die Tiere im Tandem praktisch genauso schnell wie im Alleinflug. Anders als man vielleicht erwarten möchte, gelingt ihnen das offenbar ohne Synchronisierung der Flügelbewegungen.

          Männer müssen mehr arbeiten

          Damit das Paarungsrad nicht ins Trudeln kommt, sind aber andere Anpassungen nötig. So zeigte sich, dass die Männchen öfter mit den Flügeln schlagen, als wenn sie allein unterwegs sind. Die Frequenz erhöht sich um rund ein Fünftel („The Science of Nature“, doi: 10.1007/ s00114-016-1390-z).

          Die Weibchen indessen schlagen weiterhin gleich schnell mit ihren Flügeln. Bei ihnen nimmt aber die Amplitude ab. Die Distanz zwischen oberem und unterem Wendepunkt der Flügel verringert sich im Tandemflug um gut ein Viertel. Das verhindert, dass ihre Vorderflügel mit den hinteren Flügeln des Partners kollidieren.

          Weil die Flugleistung der Weibchen im Paarungsrad abnimmt, kommt auf die Männchen mehr Arbeit zu. Obwohl sie typischerweise kleiner sind als ihre Partnerinnen, haben sie die Hauptlast zu tragen. Im Paarungsrad fliegend müssen sie nicht nur den eigenen Körper unter erschwerten Bedingungen in die Lüfte hieven, sondern auch einen Teil der Masse ihrer Auserwählten.

          Muskulöse Libellenmännchen im Vorteil

          Früheren Untersuchungen zufolge können Pechlibellen auch dann noch starten, wenn sie eine Last zu tragen haben, die das eigene Körpergewicht übersteigt. Sie verfügen offenbar über eine ausgesprochen kräftige Flugmuskulatur. Vor der Geschlechtsreife nimmt bei Männchen wie Weibchen die Körpermasse zu.

          Bei den männlichen Libellen betrifft das vor allem den Brustbereich, wo auch die Flugmuskeln sitzen. Die Weibchen hingegen legen besonders im Hinterleib zu, was wohl auf eine Vergrößerung der Fortpflanzungsorgane zurückzuführen ist. Muskulöse Libellenmännchen sind gegenüber schwächlichen Konkurrenten jedenfalls im Vorteil, sei es bei der Verteidigung des Reviers, sei es beim Hochzeitsflug.

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