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Leseraktion: Schreiben Sie mit! : Mein Leben, ein Schmerz

  • -Aktualisiert am

Chronische Schmerzen: Tabletten helfen kaum Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Wie will man jemandem begreiflich machen, dass es dauernd irgendwo weh tut? Über Schmerz kann man reden - teilen kann man ihn nicht. Sind Sie Betroffener? Berichten Sie über Ihre Erfahrungen für einen Themenschwerpunkt in der kommenden Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          6 Min.

          Manche sagen ihr: „Du kannst doch schön zu Hause auf dem Sofa liegen.“ Aber oft kann sie eben nicht liegen. Pingpong mit den Kindern? Unmöglich. Hausarbeit? Zeitweise machbar. Claudia Hägler, 38 Jahre alt und aus Oberwil bei Basel, leidet seit 16 Jahren an chronischen Kopfschmerzen.

          Zuletzt im November war es wieder einmal so arg, dass sie in die Schmerzklinik Kirschgarten nach Großbasel musste. Christa Hägler sagt zwar: „Ich empfinde den Schmerz nicht als vernichtend.“ Aber Besitz ergreift er von ihr schon, es ist ein ständiger Machtkampf. Wenn er stark ist, zieht er vom Nacken rechts über den Kopf bis ins Gesicht und weiter in den Arm. Es fühle sich dann an, „als würde die Wirbelsäule im Kopf stecken“. Häufig verstärkt es den Schmerz, wenn sie die Gesichtsmuskeln bewegt und kaut oder lacht. Liegen ist wegen des empfindlichen Hinterkopfs problematisch. Im Stehen geht es besser. In all den Jahren gab es für Claudia Hägler schlimmere und weniger schlimme Zeiten. Richtig schmerzfrei war sie an fast keinem Tag.

          Sind Sie selbst Betroffener? Berichten Sie über Ihre Erfahrungen mit chronischem Schmerz

          Oft hilft nur eine Kombination von vielfältigen Therapien - hier Akupunktur

          Nichts ist so subjektiv und doch so wirklich

          Menschen mit chronischen Schmerzen kaschieren nicht selten ihre Beschwerden, schminken sich, gehen zur Arbeit, wahren den Schein. Wie will man einem anderen Menschen auch begreiflich machen, dass es dauernd irgendwo weh tut? Und zwar jahrein, jahraus? Über Schmerz kann man reden - teilen kann man ihn nicht. Nichts ist so subjektiv und doch so wirklich wie der Schmerz. Medizinern fehlt das Maß, das den Schmerz messen würde wie ein Thermometer das Fieber.

          Dennoch ist inzwischen unstrittig, dass chronische Schmerzen zu den häufigsten gesundheitlichen Störungen gehören. Im europäischen Schnitt liegt die Quote bei 19 Prozent. Ein Drittel der Betroffenen beziffert die Pein auf einer Skala von 1 bis 10 bei mindestens 8. Aus anderen Studien weiß man, dass womöglich jeder vierte Arztbesuch wegen chronischer Schmerzen erfolgt. Besonders häufig tut es im Rücken weh, in den Gelenken, im Kopf. Hinzu kommen sogenannte neuropathische Schmerzen, die mit einer Schädigung des Nervengewebes selbst einhergehen - etwa die brennenden Schmerzen in den Beinen bei Diabetes. Auch andauernde Schmerzempfindungen infolge eines Schlaganfalls und bei multipler Sklerose werden zu den neuropathischen Schmerzen gezählt. Häufig führt ein Dauerschmerz zu psychischen Krisen, nicht selten zum Arbeitsplatzverlust. Schmerzen verändern das Leben.

          Als sie erwachte war der Kopfschmerz da

          Claudia Häger traut man zu, dass sie das Leben eigentlich liebt. Sie lacht viel, redet gern, ihr Vater war Italiener. „Früher war ich wahnsinnig sportlich, tanzte Ballett“, erzählt sie. Sie arbeitete als Auszubildende in einem Behindertenheim, war über die Mittagszeit allein auf der Station und erinnert sich noch genau, wie sie am 21. Januar 1991 zwischen ein und halb zwei Uhr eine Patientin nach dem Duschen wieder ins Bett brachte. Da packte die sie bei den Haaren und schlug ihren Kopf gegen das Bettgestell. Minutenlang. Schließlich konnte Claudia Hägler sich losreißen und flüchten. Zwei Telefonate schaffte sie noch. Dann wurde sie bewusstlos. Als sie erwachte, war der Kopfschmerz da.

          Es sei damals allen bekannt gewesen, dass die Patientin als Kind eine schwere Hirnhautentzündung und seitdem immer wieder aggressive Phasen gehabt habe, sagt Hägler. „Ich empfand nie Wut auf die Frau.“ Wütend sei sie jedoch heute noch auf den Stationsarzt, der sie als Auszubildende besser hätte schützen müssen. Eine fachgerechte Behandlung ihrer Beschwerden blieb lange Zeit aus. Irgendwann merkte Claudia Hägler: Der Schmerz geht einfach nicht wieder weg.

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