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Sportmedizin : In Topform wie die Alten

  • -Aktualisiert am

Der Brite Buster Martin, 101 Jahre alt, trainiert für den London Marathon. Bild: Rezac, Jiri

Mit siebzig noch in die Berge, mit achtzig zum Marathon? Kein Problem, sagen Sportmediziner. Man muss nur ordentlich trainieren.

          Mit seinen größten sportlichen Erfolgen hat sich Robert Marchand lange Zeit gelassen. Zweifacher Weltrekordhalter darf sich der Franzose seit Anfang diesen Jahres nennen, nach seiner einstündigen Rekordfahrt auf der Radrennbahn in Saint-Quentin-en-Yvelines, die er mit 105 Jahren absolviert hat. Vor fünf Jahren hatte er in sechzig Minuten 26,927 Kilometer geschafft und damit mehr als jeder andere über Hundertjährige. Diesmal waren es nur noch 22,547 Kilometer. Aber er ist inzwischen ja auch ein wenig älter geworden.

          Der ehemalige Feuerwehrmann, Holzfäller und Gärtner aus Paris hat also bewiesen: Selbst im Greisenalter ist der Mensch noch in der Lage, mit gezieltem Training Spitzenleistungen zu vollbringen und manche Funktionen seines Körpers sogar zu verbessern. Sportmediziner hatten bislang angenommen, dass mit jeder Dekade, die das Leben nach dem dreißigsten Geburtstag voranschreitet, die maximale Sauerstoffaufnahme um zehn Prozent abnimmt. Im Rentenalter geht es sogar noch steiler bergab. Dieser sogenannte VO2max-Wert ist der Parameter, um den sich bei Langstreckenläufern oder Triathleten alles dreht. Die Geschwindigkeit, mit der es das Herz schafft, den aufgenommenen Sauerstoff aus der Lunge zu den Muskeln zu pumpen, und die Effizienz, mit der diese das Gas in Kraft umsetzen, gilt als maßgeblich dafür, wie erfolgreich jemand beispielsweise ein Marathonrennen hinter sich bringt.

          Mit einer genau auf ihn abgestimmten Mischung aus harten und leichteren Trainingseinheiten ist es Marchand als erstem Probanden gelungen, diesen Verfall aufzuhalten. Seine maximale Sauerstoffkapazität war nach zwei Jahren Schufterei sogar um dreizehn Prozent angestiegen, berichtete die Sportwissenschaftlerin Véronique Billat von der französischen Universität Evry-Val-d’Essonne dieses Jahr im Journal of Applied Physiology . „Das zeigt“, sagt die Wissenschaftlerin, „dass wir die Effekte des Alters nicht nur aufhalten können; wir können selbst mit einhundert Jahren unsere Leistungsfähigkeit noch steigern.“

          Hochbetagte „Master-Athleten“ wie der Franzose haben inzwischen noch ganz andere sportliche Schallmauern durchbrochen. Mit 2:54:48 Stunden, die der 73-jährige Kanadier Ed Whitlock vor dreizehn Jahren für die Marathon-Strecke benötigte, hätte er zum Beispiel 1896 bei den ersten modernen olympischen Spielen in Athen eine Goldmedaille gewonnen. Die damalige Siegerzeit auf der Hundertmeterbahn hat inzwischen ein 61-Jähriger unterboten. „Die Master-Athleten haben uns gezeigt: Wir haben die potentielle Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers lange unterschätzt. Mit dem entsprechenden Training kann man einem Abbau im Alter wirkungsvoll entgegensteuern“, sagt auch Albert Gollhofer vom Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Freiburg.

          Hans-Georg Predel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln betreut seit fünfzehn Jahren acht Master-Triathleten, mittlerweile sind sie Ende siebzig. Hochtrainierten Sportlern, berichtet Predel, gelinge es zum Beispiel, den klassischen Abbauprozessen im Herz-Kreislauf-System entgegenzusteuern. Anders als bei ihren Altersgenossen schlägt ihr Herz fast genauso kräftig wie früher und bei maximaler Belastung fast genauso schnell. Auch ihre Gefäße versteifen längst nicht in dem Ausmaß, das die Mediziner sonst von ihren alternden Patienten gewohnt sind, was sich an deren stetig steigenden Blutdruckwerten zeigt. Bei den Aktiven ist diese Entwicklung gebremst, außerdem funktioniert ihr Sauerstoffaustausch in der Lunge nicht schlechter als in einem jüngeren Körper.

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