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Ökologische Schattenseiten : Dieser Sommer ist kein Grund zur Freude

Ein Sommer wie gemalt? Bild: dpa

Hinter der Fassade von Sonnenschein und mild-warmen Temperaturen wird auch der Sommer 2018 mit seiner extremen Trockenheit tiefe Spuren in der Natur hinterlassen. Und die Natur verzeiht nicht, wie die Ökologen feststellen müssen.

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          Nochmal Sommer, was für ein Oktober das war bis hierher! Golden allenthalben, so geht das jetzt schon monatelang und zumindest auch noch bis zum Ende dieser Woche. Zu klagen gibt es meteorologisch also nichts. Wirklich nicht? Die Sonnenschwärmer jedenfalls haben in diesem Sommer ihr Herz in die Hand genommen und den muffeligen Klimawandelwarnungen die Stirn geboten –  auf dass die dopamingeschwängerte Seele der Sonnenhungrigen nicht von den trüben Prognosen beschmutzt werde, wie sie der Weltklimarat allerjüngst oder der Bauernverband davor verbreiteten. Die Sache ist nur: Hinter der sonnigen Fassade wird auch dieser Sommer mit seiner extremen Trockenheit tiefe Spuren in der Natur hinterlassen, die in der meteorologischen und psychologischen Endabrechnung der Sonnenanbeter kaum auftauchen. Denn unter dem Radar der Schwärmer gerät wie in zahlreichen vorangegangenen überdurchschnittlich warmen Jahren das natürliche Gefüge immer schneller aus dem Gleichgewicht. Ökologisch ist der Supersommer eine Fata Morgana.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Nach einer aktuellen Auskunft des Deutschen Wetterdienstes wird das Jahr 2018 eines der fünf trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen 1884 werden. Rund 70 Prozent der Fläche Deutschlands sei derzeit von extremer Trockenheit betroffen. „Was die Wärme angeht, fahren wir auf der Überholspur, was den Regen angeht, auf der Standspur", sagte Agrarmeteorologe Hans Helmut Schmitt vom Wetterdienst in Offenbach der Nachrichtenagentur dpa. Heißt: Reichlich Sonne, aber Regenmangel.

          Kanadische Tundra.
          Kanadische Tundra. : Bild: AFP

          Wie auch immer die nächsten Tage und Wochen werden – manche Meteorologen rechnen trotz des zwischenzeitlichen Durchzugs einer Regenfront vorerst mit einer Fortsetzung der seit April anhaltenden Trockenperiode in weiten Teilen Europas und Deutschlands –, die Wasserbilanz ist eindeutig negativ. Sowieso ist das ganze Ausmaß an Veränderungen im Naturhaushalt infolge der Hitze- und Dürreperioden mit der schlichten Betrachtung der Sonnenstatistik und erst recht mit dem gefühlten Sommerglück kaum zu bemessen. Nehmen wir beispielsweise die Bilanz von Wolfgang Buermann, bis vor kurzem noch Pflanzenforscher an der Universität Augsburg und neuerdings in Leeds. Nach der Auswertung von dreißigjährigen Satellitendaten berichtet er jetzt: Alles „noch dramatischer als bisher berechnet“, die Erderwärmung wirke sich viel gravierender als gedacht auf das Wachstum der Pflanzen aus.

          Was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen – und worüber sich die Sommerschwärmer herzhaft freuen – ist eine Verschiebung der Jahreszeiten: Der Frühling etwa ist in den vergangenen Jahrzehnten immer früher gekommen. Die Pflanzen treiben eher ihre Blätter aus, sie blühen sukzessive früher und verlängern damit scheinbar die Vegetationsperiode. Doch der verfrühte Wachstumsschub hat keineswegs den erhofften und auch erwarteten positiven Effekt. Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, und so lautete die Annahme der Wissenschaftler, dass durch den Wachstumsschub mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnommen und in die natürliche Biomasse eingebaut würde. Das Wachstum könnte so dem treibhausbedingten Klimawandel entgegen wirken. So weit die  Theorie. Die Daten jedoch, über die Bürmann und seine Kollegen nun in der Zeitschrift „Nature“ berichteten, zeigen das Gegenteil: Der vorverlegte Frühling führt sogar zu einer verringerten Biomasseproduktion in den Sommermonaten und im Herbst.

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