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Zu viel Cadmium : Schatten über der edlen Kakaokultur

  • -Aktualisiert am

Schokolade kann nicht nur wegen ihres hohen Kaloriengehalts ungesund sein Bild: AP

In vielen gängigen Sorten von Bitterschokolade findet man zu viel von dem Schwermetall Cadmium. Vor allem Produkte aus Südamerika hat das zuständige Bundesamt im Blick - und Kinder. Denn die essen besonders gerne und viel Süßes.

          Dunkle Schokolade vermindert das Rückfallrisiko nach einem Herzinfarkt, verbessert die Gefäßfunktion und senkt den Blutdruck - das alles haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren herausgefunden. Solche Studienergebnisse ließen bittersüße Schokoladensorten mit hohem Kakaoanteil immer beliebter werden: Mittlerweile macht der Anteil von Bitterschokolade am Schokoladenverzehr der Deutschen schon 18 Prozent aus; vor 25 Jahren waren es nur acht Prozent. Und ein zweiter Trend prägt den deutschen Schokoladenmarkt: Viele Verbraucher bevorzugen hochwertige Sorten, denen mittlerweile ein ähnlicher Stellenwert zugemessen wird wie edlen Weinen.

          Beide Trends bergen jedoch ein bislang vernachlässigtes Risiko. Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin haben herausgefunden, dass man bei regelmäßigem und langfristigem Schokoladenkonsum beachtliche Mengen des Schwermetalls Cadmium aufnimmt, das unter anderem die Nieren schädigt. Je höher der Kakaoanteil, desto höher ist auch die Cadmiumbelastung der Schokolade, so der Agrarwissenschaftler Helmut Schafft vom BfR. „Aufhänger für unsere Untersuchungen war die Tatsache, dass sich im Schokoladensektor derzeit viel verändert. Es hat uns stutzig gemacht, dass seit einigen Jahren vermehrt Schokoladen mit einem höheren Kakaoanteil auf dem Markt sind.“

          Mischen der Sorten verboten

          Die Kakaopflanze nimmt das Schwermetall aus dem Erdboden auf und reichert es an - so wie es auch andere Pflanzen tun, etwa Weizen. „Beim Kakao spielt außerdem die Anbauregion eine zentrale Rolle“, sagt Schafft. Und hier kommt der Trend zu edlen Schokoladen ins Spiel. Edelschokolade ist ein Begriff, der nicht gesetzlich geregelt ist. „Fast immer ist damit Kakao aus Südamerika gemeint. Und diese Kakaosorten haben einfach die höchsten Cadmiumgehalte in den Bohnen, weil die Böden in Südamerika so cadmiumreich sind“, sagt Schafft. Der Kakao, den die Europäer konsumieren, stammt aus drei verschiedenen Regionen: Westafrika, Süd- und Mittelamerika und Asien. Der afrikanische Kakao ist am billigsten und wird unter dem Begriff Konsumkakao zusammengefasst. Nur fünf Prozent der Weltkakaoernte ist Edelkakao; er stammt vor allem aus Ecuador, Mexiko und Papua-Neuguinea. Reinhard Lieberei, Experte für tropische Nutzpflanzen am Biozentrum Klein Flottbek in Hamburg: „Will man eine Tafel als Edelschokolade deklarieren, darf man den Kakao nicht vermischen mit den 95 Prozent anderen Kakaos. Das ist das große Problem der Hersteller von Edelschokolade. Die Produzenten von Konsumschokolade können Kakaos mischen, dabei cadmiumarme Sorten aus Afrika verwenden und auf diese Weise cadmiumreichen Kakao verdünnen.“

          Das Schwermetall Cadmium kommt natürlicherweise vor allem in vulkanischen Böden vor. Außerdem kann es den Boden über Dünger, Klärschlamm und Emissionen, etwa aus dem Bergbau, zusätzlich kontaminieren. Das BfR begann im Dezember mit einer neuen Aufklärungskampagne. Vor allem Vegetarier sind dem Schwermetall in größerer Menge ausgesetzt, weil es in Getreide und Gemüse vorkommt - höhere Gehalte finden sich beispielsweise in Weizen oder großblättrigen Gemüsepflanzen wie Sellerie und Spinat. Cadmium schädigt in erster Linie das Nierengewebe, wo es sich sammelt; es belastet aber auch die Knochen und kann zu Osteoporose führen, weil es die Kalziumaufnahme des Körpers behindert. Darüber hinaus gilt es als Auslöser von Tumoren in verschiedenen Organen. Bekannt wurde die Itai-Itai-Krankheit, die in den fünfziger Jahren in Japan auftrat: Auf der Insel Honshu waren Reisfelder mit Flusswasser bewässert worden, das mit Cadmium aus dem Bergbau verunreinigt war. Die Erkrankten litten an Verformungen des Skeletts, Knochenbrüchen und Nierenschäden.

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