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Manche Pflanzen frieren im Winter! Bild: Charlotte Wagner

Ab in die Botanik : Zeit zum Einpacken

Der Klimawandel stellt die alten Gartenweisheiten auf den Kopf. Heute hat man mehr Zeit, seinen Garten winterfest zu machen.

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          Bei allem Übel, das dieses Seuchenjahr angerichtet hat, hat es immerhin gutes Timing bewiesen. Kaum war im Frühling die Ausgangssperre beschlossen, riss die Wolkendecke auf, und die Sonne schien wochenlang vom Firmament. Ähnlich im Spätjahr: Auf den Lockdown light folgte ein November bright. Sonnig, warm und regenarm ist es seit Beginn der neuen Ausgangsbeschränkungen – hinter uns liegt ein goldener November. Drei Grad wärmer war der Herbstmonat im Vergleich zum langjährigen Schnitt, es fiel nur ein Viertel der üblichen Regenmenge, dafür ließ sich die Sonne im Bundesdurchschnitt fast anderthalbmal so häufig blicken wie sonst.

          Andreas Frey

          Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Um den Garten winterfest zu machen, blieb in diesem Herbst also genügend Zeit. Das wiederum hat mit einer anderen Krise zu tun, gegen die kein schnelles Mittel helfen wird. Insofern dient der Herbst als Erinnerungsstütze für einen Klimawandel, der auch im Jahr 2020 sein beunruhigendes Tempo fortsetzte. Der Höhepunkt dieser Entwicklung wurde gleich zu Beginn des Novembers erreicht, mit zahlreichen Wärmerekorden im ganzen Land. Für Gartenfreunde bedeutete das: Klappstuhl in die Sonne stellen. Und Füße hoch! Späte Wärme im Jahr ist keine Ausnahme mehr, sondern fast die Regel. Der Winter kommt frühestens im Dezember, wenn überhaupt. Insofern muss man sich als zeitbewusster Hobbygärtner schon fragen, ob die alten Gartenweisheiten noch gelten. Zum 21. Oktober solle man den Garten winterfest machen, hieß es früher. Es ist ungefähr der Zeitpunkt, zu dem es noch vor Jahrzehnten erstmals frostig wurde. Doch der erste Frost hat sich mittlerweile um mehrere Tage nach hinten verschoben. Im Nordwesten des Landes gab es bislang noch keinen Frost, in Frankfurt rutschte in diesem Jahr das Thermometer erstmals am 5. November unter den Gefrierpunkt, allerdings nur leicht. Mäßiger Frost unter minus fünf Grad trat bislang noch gar nicht auf.

          Auf einheimische Pflanzen setzen

          Eistage mit Temperaturen ganztags unter dem Gefrierpunkt gibt es mittlerweile ebenfalls kaum noch. Letztmals richtig winterlich zeigte sich der November 1993, damals herrschte Dauerfrost an mehreren Tagen hintereinander. „Gärtner können sich heute tendenziell mehr Zeit lassen, ihren Garten winterfest zu machen“, sagt Agrarmeteorologe Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Spätestens bis Mitte November sollte man fertig sein und von Mitte Oktober an zumindest auf der Hut sein. Nach dem Martinstag drohen dann, statistisch gesehen, empfindliche Fröste um minus fünf Grad. Erst bei diesen Temperaturen seien heimische Gewächse wirklich gefährdet, leichten Frost würden die meisten aushalten. Das Wachstum stellen Pflanzen erst ein, wenn die Durchschnittstemperatur unter fünf Grad fällt. Gräser und eben auch Wintergerste bleiben sogar bei größerer Kälte noch aktiv.

          Anders verhält es sich mit sehr wärmeliebenden Gewächsen, denen schon ein Hauch von Frost schadet, die wegen des mediterranen Flairs aber immer häufiger gepflanzt werden. So wurde in Deutschlands Gärten in den letzten Wochen verhüllt, gewickelt und verpackt, um Bananenstauden und Limettenbäumchen vor dem Kältetod zu schützen. Wer sich nicht jedes Jahr als Verpackungskünstler betätigen möchte, setzt künftig besser auf Winterjasmin und Zaubernuss. Die überstehen sogar richtige Winter, wie sie in unseren Breiten trotz Klimawandel hin und wieder vorkommen.

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