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Zebramangusten : Soziale Lektionen aggressiver Fremdgeher

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Aggressive Fremdgeher: Weibliche Zebramangusten zeigen sich in der Paarungszeit besonders streitlustig gegenüber benachbarten Artgenossen. Bild: J.-L. Klein & M.-L. Hubert/junio

Make love, not war? Wie sich weibliche Zebramangusten mit einer Kriegslist aggressiv für Führungsaufgaben empfehlen: Sie überfallen die Nachbarn und paaren sich mit ihnen.

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          Nie wieder Krieg. Global betrachtet, bleibt das ein frommer Wunsch. Doch warum? Dass gewaltsame Auseinandersetzungen für die Führungsriege einer Gruppe oft Vorteile bringen, während viele andere dafür bluten müssen, ist eine klassische Erklärung. Erstaunlicherweise passt diese nicht nur für menschliche Gesellschaften, sondern auch für bestimmte Tierarten, die in Gemeinschaften leben. Das haben Wissenschaftler um Rufus A. Johnstone von der University of Cambridge, Michael A. Cant von der University of Exeter und Faye J. Thompson vom Queen Elizabeth National Park in Uganda in einer langjährigen Freilandstudie an Zebramangusten entdeckt. Bei dieser Spezies, so fanden die Forscher heraus, sind eigennützige weibliche Anführer unterwegs, um von den Auswirkungen kollektiver Kämpfe zu profitieren.

          Die Zebramanguste (Mungos mungo), benannt nach ihrem gestreiften Rücken, ist in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara heimisch. In Gruppen von etwa zwanzig erwachsenen Tieren plus Nachwuchs schlafen diese kleinen Raubtiere nachts in unterirdischen Bauten. Tagsüber streifen sie gemeinsam durch ihr Revier, um nach Beute zu suchen. Auf dem Speiseplan stehen zum Beispiel große Käfer und Tausendfüßler, aber auch Mäuse und Schlangen. Wie sich in zwanzig Jahren Forschung im Queen Elizabeth National Park herausgestellt hat, bleiben die meisten Zebramangusten zeitlebens derselben Gruppe treu. Alle Mitglieder sind folglich eng miteinander verwandt. Nur etwa 15 Prozent ziehen aus – fast immer unfreiwillig. Gewöhnlich sind davon junge Weibchen betroffen, die von älteren Tieren fortgejagt werden.

          Der Nachwuchs wird kollektiv großgezogen, mit vereinten Kräften gegen Angreifer verteidigt und von allen Müttern gemeinsam gesäugt. Weibliche Zebramangusten können ihre Fortpflanzung synchronisieren: Binnen einer guten Woche stellen sich bei allen Weibchen einer Gruppe die fruchtbaren Tage ein. Da die Männchen stets deutlich in der Überzahl sind, können sie ihre Fortpflanzungschancen nur dadurch wahren, dass sie ihre auserwählte Partnerin pausenlos bewachen und Konkurrenten vertreiben. Mit den paarungsfreudigen Männchen im Schlepptau übernehmen die weiblichen Gruppenmitglieder eindeutig die Führung in der Gruppe und entscheiden darüber, wohin es bei ihren gemeinsamen Streifzügen gehen soll. Zur Verwunderung der Forscher um Johnstone marschiert das Rudel mitunter geradewegs in ein benachbartes Revier.

          Zweikämpfe und wilde Verfolgungsjagden

          Derart provoziert, sind die Nachbarn bald zur Stelle, um ihr Wohngebiet gegen die Eindringlinge zu verteidigen. Dann geht es recht martialisch zur Sache: Wer die andere Gruppe sichtet, ruft mit gellenden Schreien das eigene Rudel zusammen. Dicht gedrängt, bilden die Tiere dann jeweils eine Kampflinie, die laut knurrend, fauchend und kreischend zielstrebig auf den Gegner zuläuft. Wenn beide Gruppen aufeinandertreffen, beginnen Zweikämpfe und wilde Verfolgungsjagden. Bis zu einer Stunde kann das wechselseitige Kratzen und Beißen andauern. Es endet erst, wenn eine Gruppe oder beide den Rückzug antreten.

          In den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften erklären Johnstone und seine Kollegen, was weibliche Zebramangusten davon haben, dass sie während ihrer fruchtbaren Tage gern einen derartigen Streit vom Zaun zu brechen: Im Chaos der erbitterten Kämpfe können sie ihren Bewachern entwischen und sich mit den Männchen des benachbarten Rudels paaren. Genetische Analysen zeigen, dass Weibchen im Laufe ihres Lebens desto mehr Nachkommen zur Welt bringen, je häufiger sie in Revierstreitigkeiten involviert sind. Zugleich nimmt die Zahl der Kinder zu, die von Männchen eines anderen Rudels gezeugt wurden. Evolutionsbiologisch betrachtet, ist dieser Nachwuchs besonders wertvoll. Denn mit dem genetischen Erbe aus zwei verschiedenen Gruppen hat er bessere Überlebenschancen als der von Inzucht geprägte Nachwuchs, dessen Eltern derselben Gruppe entstammen.

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